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Kitzbüheler Anzeiger
Fischer Schwarzsee

Edelkrebse setzten Aufsichtsfischer Gerhard Vogel (links) und Thomas Neumayr vor wenigen Tagen im Schwarzsee aus.

Was lebt eigentlich in den Tiefen des Schwarzsees?

Der Schwarzsee – Badesee, Erholungsraum, Naturjuwel und seit 1944 im Eigentum der Stadt Kitzbühel. Die Landschaft ist hier von außergewöhnlicher Schönheit und Vielfalt, Teile des Uferbereiches sind seit den 1980er-Jahren als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Auf Einheimische und Gäste übt das 16 Hektar große und rund sieben Meter tiefe Gewässer seit jeher eine starke Anziehungskraft aus.

Trotz des ganzjährigen Besucheransturmes bleibt die Umwelt am und im See intakt. Dafür verantwortlich sind die Fischer vom Schwarzsee, allen voran die drei städtischen Aufsichtsfischer Thomas Neumayr, Gerhard Vogel und Benjamin Schott, die hier jeden Vorgang mit Argusaugen beobachten. Sie sind für die Beaufsichtigung, Pflege und den Schutz des Gewässers verantwortlich. Die Überprüfung des Fischbestandes und Pflege des Lebensraumes zählen unter vielen anderen zu ihren Hauptaufgaben.

Die Kitzbüheler lieben ihren Schwarzsee. Über dessen Fauna wissen jedoch die wenigsten Bescheid. Auf Anfrage des Kitzbüheler Anzeigers geben Thomas Neumayr und Gerhard Vogel bereitwillig Einblick in die moorige Unterwasserwelt.Eines vorweg: Es sind nicht nur Karpfen und Biber in Tirols wärmstem Moorsee angesiedelt. Bei einem gemeinsamen Lokalaugenschein werden gerade jede Menge Krebse im See ausgesetzt.

Wofür sind die Krebse gut? Um welche Art handelt es sich dabei?
Thomas Neumayr: Es sind Edelkrebse, die rund 20 Zentimeter lang werden. Im Schwarzsee sind sie nicht neu, wir haben diese Art schon vor 15 Jahren ausgesetzt und den Bestand seither laufend beobachtet. Krebse sind wichtig für die Ökobilanz des Sees. Sie leben nur dort, wo die Wasserqualität gut ist. Weil sie die toten Fische fressen, sind sie quasi die Wasserpolizei eines Gewässers. Krebse dürfen übrigens nicht gefangen werden. Sie sind streng geschützt.

Der Schwarzsee ist ganzjähriger Erholungsraum. Was lässt sich angesichts der Menschenmassen über den Fischbestand sagen? Lohnt sich im Hochsommer das Fischen überhaupt?

Thomas Neumayr: Der Bestand ist sehr gut und mit elf vertretenen Arten auch vielfältig: Hecht, Zander, Schleie, Barsch, Rotfeder, Rotauge, Laube, Aitel, Waller, Brachse und natürlich Karpfen. Im Juli und August fischen wir nur nachts, tagsüber ist hier zu viel los. Aale gibt es bei uns übrigens schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Sie sind verboten.

Stichwort Karpfen – die sind ja bekanntlich die Attraktion im Stadtbad. Im Bereich des Stegs werden sie staunend beobachtet. Warum sind sie eigentlich so fett? Ist das eine besondere Karpfenart?
Gerhard Vogel: Nein, überhaupt nicht. Das sind ganz normale Spiegel- oder Schuppenkarpfen. Weil sie leider immer wieder gefüttert werden, schwimmen sie ans Ufer, wohl in der Hoffnung, dass etwas zum Fressen abfällt. Fische können Menschen tatsächlich am Ufer wahrnehmen.

Fischer Schwarzsee

Die Spiegelkarpfen vom Schwarzsee sind die Attraktion im Bereich des Stadtbads. Leider werden sie immer wieder von Besuchern gefüttert.

„Krebse geben Auskunft über die Wassserqualität. Sie leben nur dort, wo das Wasser sauber ist.“

Thomas Neumayr, Aufsichtsfischer

Gerhard Vogel: Nein, überhaupt nicht. Das sind ganz normale Spiegel- oder Schuppenkarpfen. Weil sie leider immer wieder gefüttert werden, schwimmen sie ans Ufer, wohl in der Hoffnung, dass etwas zum Fressen abfällt. Fische können Menschen tatsächlich am Ufer wahrnehmen.

Kann man die Fische aus dem Schwarzsee eigentlich auch essen? Oder schmecken sie zu sehr nach Moorwasser, sodass man sie ohnehin nicht am Teller haben will?
Thomas Neumayr: Wir essen bevorzugt Zander, Hecht und Barsch. Sie sind köstlich, aber nur dann, wenn das Wasser noch nicht zu warm geworden ist. Also entnehmen wir sie im Mai und Juni und dann wieder im Herbst. Zahlreiche Fische geben wir zurück in den See.

Krebse sind also wichtig für die Öko-Bilanz. Kommen auch Muscheln im Schwarzsee vor?
Gerhard Vogel: Wir haben die große Teichmuschel im See angesiedelt. Sie wird bis zu 25 Zentimeter groß. Ein einzelnes Exemplar kann bis zu 40 Liter Wasser filtern. Heuer werden wir 100 Stück nachbesetzen.

Früher blühten hier zahlreiche Seerosen, seit Jahren ist ihr Bestand aber deutlich geschrumpft. Was ist passiert?
Thomas Neumayr: Vor 45 Jahren wurden Graskarpfen eingesetzt, damit sie die Grünalgen fressen. Sie haben aber leider die Seerosen vertilgt. Mittlerweile sind die Graskarpfen ausgestorben. Jetzt sind wir beim Tüfteln, wie wir die Seerosen wieder ansiedeln können. Das ist nicht einfach, weil es eine spezielle Sorte benötigt. Auch der Biber mag übrigens Seerosen, aber nur die Knospen.

„Die Seerosen wollen wir wieder ansiedeln. Wir sind beim Tüfteln, weil das nicht ganz so einfach ist.“

Gerhard Vogel, Aufsichtsfischer

Riesige Karpfen, 20 Zentimeter große Edelkrebse und ebenso große Muscheln: Auf manche Badegäste wirkt dieses Getier gruselig. Muss man sich beim Schwimmen davor fürchten?

Gerhard Vogel: Nein, überhaupt nicht. Karpfen sind Vegetarier, sie ernähren sich pflanzlich. Krebse sind schneller verschwunden, als sie überhaupt wahrgenommen werden können und krabbeln nur in der Dunkelheit aus ihren Höhlen. Und auch die Teichmuscheln befinden sich im Schlamm.

Wie diszipliniert verhalten sich Badegäste und Besucher?

Thomas Neumayr: Wir haben schon Bierkisten aus dem See geholt und sogar ein Fahrrad. Immer wieder finden wir Unterwäsche, Handtücher, Socken und leere Verpackungen im See. Flurreinigungsaktionen haben wir deshalb schon vor Jahren in Eigenregie gestartet. Im Winter würden wir uns für die Fische mehr Ruhe und weniger Eisläufer wünschen.


"Wir sind beinahe das ganze Jahr über tagtäglich am See. Fischen, hegen und pflegen – all das ist eine Liebhaberei".

Thomas Neumayr und Gerhard Vogel, Aufsichtsfischer

Ihr investiert viel Zeit in eure Aufgabe. Was motiviert euch?

Thomas Neumayr und Gerhard Vogel: Es ist eine Liebhaberei, denn der Schwarzsee ist für uns der schönste See überhaupt. Wir sind Fischer, aber wir verstehen uns auch als Heger und Naturschützer. Wir sind stolz, dass wir unseren Teil beitragen können.

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