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Kitzbüheler Anzeiger
Wirtschaftsfaktor_Wald

Über 33.000 Personen arbeiten in Tirol in forstlichen Berufen.

Tirols grüner Motor

Vom Forstmeister über den Waldarbeiter bis hin zum Waldaufseher oder Jäger – für mehr als 30.000 Tiroler ist der Wald Arbeitsplatz. Forstwirtschaft und Sägeindustrie zählen zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Landes und spielen auch im Bezirk Kitzbühel eine bedeutende Rolle.

Auch für viele Tiroler Bauern ist der Wald weit mehr als eine Nebensache. Gerade im Bezirk Kitzbühel stellt er einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor dar, betont Josef Fuchs. Der Hopfgartner ist Obmann des Tiroler Waldverbandes sowie der Bezirkslandwirtschaftskammer. „Speziell in unserer Region ist der Wald extrem wichtig. Bei uns hat eigentlich jeder Bauer ein paar Hektar Wald – die einen weniger, andere verfügen über eine relativ gute Waldausstattung.“

Besonders deutlich sei die wirtschaftliche Bedeutung zuletzt wieder geworden. Nachdem sich der Holzmarkt stabilisiert und sich auch der Holzpreis erholt habe, sei die Bereitschaft zur Bewirtschaftung deutlich gestiegen. „Da rattern rundherum wieder die Motorsägen“, beschreibt Fuchs die Entwicklung. Die Betriebe hätten wieder verstärkt Holz eingeschlagen und dadurch zusätzliche Einnahmen aus dem Wald erzielt.

Der Tiroler Waldverband zählt landesweit rund 4.000 Mitglieder, die Mitgliedschaft ist freiwillig. Bei der Mitgliederzahl sieht Fuchs durchaus noch Potenzial nach oben. Der Verband wurde als Fachverband der Landwirtschaftskammer gegründet und versteht sich in erster Linie als Interessensvertretung der Waldbesitzer.

Im Rahmen der „Woche des Waldes“ informieren die Verantwortlichen des Landes Tirol jedes Jahr über den Zustand der heimischen Wälder. „Der Tiroler Wald ist eine tragende Infrastruktur unseres Landes. Er schützt Menschen, Siedlungen und Verkehrswege vor Naturgefahren und schafft gleichzeitig Lebensqualität, regionale Wertschöpfung und Sicherheit. Wer in den Wald investiert, investiert in die Zukunft Tirols“, betont LHStv. Josef Geisler anlässlich der diesjährigen „Woche des Waldes“, die unter dem Motto „Wald und Wirtschaft“ stand.
Wirtschaftsfaktor_Wald
Bei uns im Bezirk hat fast jeder Landwirt ein paar Hektar Wald. Er ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“Bei uns im Bezirk hat fast jeder Landwirt ein paar Hektar Wald. Er ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“

Josef Fuchs, Obmann Waldverband Tirol
Die aktuellen Zahlen würden zeigen, dass Wald und Holz längst kein Randthema seien, sondern ein zentraler Faktor für Arbeit, Einkommen, Klimaschutz und regionale Entwicklung.

Wie groß die wirtschaftliche Bedeutung tatsächlich ist, verdeutlicht auch eine aktuelle bundesweite Studie zur Forst- und Holzwirtschaft. Demnach werden österreichweit jährlich rund 122 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Die gesamte Wertschöpfungskette generiert 43,1 Milliarden Euro Wertschöpfung und sichert rund 444.000 Arbeitsplätze. Damit hängt jeder zehnte in Österreich erwirtschaftete Euro und jeder elfte Arbeitsplatz direkt oder indirekt mit dem Rohstoff Holz zusammen.

Nach den außergewöhnlich hohen Schadereignissen der vergangenen Jahre konnte der Tiroler Wald 2025 etwas aufatmen. Großflächige Schäden blieben aus, dennoch fielen rund 500.000 Kubikmeter Schadholz an. Davon entfielen etwa 280.000 Kubikmeter auf den Borkenkäfer und rund 194.000 Kubikmeter auf Sturmereignisse.

Der unmittelbare finanzielle Schaden durch Borkenkäfer, Sturm, Schnee, Muren und Lawinen belief sich auf rund 19 Millionen Euro. Zudem wurden 30 Waldbrände registriert, heißt es seitens des Landes Tirol.
Die Zahlen zeigen deutlich, dass der Klimawandel den Wald weiterhin stark unter Druck setzt. Wärmere Temperaturen, Trockenphasen, lokale Extremereignisse und Schädlinge verändern die Rahmenbedingungen der Waldbewirtschaftung nachhaltig“, erklärt Harald Oblasser, Vorstand der Gruppe Forst des Landes Tirol. „Der klimafitte Wald der Zukunft ist ein Generationenprojekt. Unser Ziel ist es, stabile Mischbestände zu fördern, die Verjüngung sicherzustellen und die Schutzfunktion des Waldes langfristig zu erhalten. Gleichzeitig zeigt die wirtschaftliche Bedeutung der Forst- und Holzwirtschaft, dass jeder funktionierende Wald Teil eines weitreichenden regionalen Wertschöpfungsnetzwerks ist“, ergänzt Geisler.

In Tirol wurden im Jahr 2025 rund 1,78 Millionen Kubikmeter Holz genutzt

Im Jahr 2025 wurden in Tirol rund 1,78 Millionen Kubikmeter Holz genutzt. Mehr als die Hälfte des Einschlags (56 Prozent) entfiel weiterhin auf Schadholz, gleichzeitig nahm der Anteil regulärer Nutzungen wieder deutlich zu. Der Bezirk Kitzbühel hätte beim Holzeinschlag ein Potenzial von 200.000 Festmetern jährlich, tatsächlich wird aber nur die Hälfte gefällt. Auch der Holzmarkt entwickelte sich positiv. Der durchschnittliche Preis für das Leitsortiment Fichte lag bei 113,70 Euro je Erntefestmeter. Damit verbesserten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Waldbewirtschaftung und die regionale Forstwirtschaft gegenüber den Vorjahren.

Im Rahmen von Förderprogrammen knapp 30 Mio. Euro ausgeschüttet

Über die Förderprogramme des Landesforstdienstes und des Landschaftsdienstes wurden im Jahr 2025 Investitionen von knapp 30 Millionen Euro ausgelöst. Die Mittel flossen unter anderem in die Schutzwaldpflege, Wiederbewaldung, Klimawandelanpassung, Biodiversitätsmaßnahmen, forstliche Infrastruktur sowie in die Weiterentwicklung des Erholungsraums Wald.

„Diese Investitionen wirken mehrfach: Sie stärken die Schutzfunktion des Waldes, schaffen Aufträge für regionale Betriebe und helfen dabei, die vielfältigen Leistungen des Waldes langfristig zu sichern“, betont Geisler. Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Budgets gelte es, die verfügbaren Mittel gezielt in den Schutzwald, die Anpassung an den Klimawandel und die Entwicklung der Regionen zu investieren. Ein Schwerpunkt der Tiroler Waldstrategie liegt deshalb auf der Entwicklung klimafitter Wälder. Naturverjüngung, standortgerechte Mischbaumarten und eine erfolgreiche Waldverjüngung gelten als entscheidende Voraussetzungen, um die Tiroler Wälder an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

Auch in Tirolweg von der Monokultur, hin zum Mischwald

Auch Josef Fuchs sieht im Klimawandel eine der größten Herausforderungen für die Waldbesitzer. Besonders die in Tirol weit verbreitete Fichte gerate zunehmend unter Druck. „Die Fichte ist relativ instabil. Als Flachwurzler braucht sie eine halbwegs ausreichende Wasserversorgung“, erklärt Fuchs. Vor allem in tieferen und wärmeren Lagen werde die Situation schwieriger.

Umso wichtiger sei der konsequente Waldumbau. „Wir müssen weg von der Monokultur und hin zum Mischwald“, betont der Waldverbandsobmann. Dabei gehe es keineswegs darum, die Fichte aus Tirols Wäldern zu verdrängen. „Es ist nicht so, dass die Fichte keine Bedeutung mehr hat oder es sie künftig nicht mehr geben wird. Wir müssen einfach das Risiko streuen und verstärkt auf andere Baumarten setzen.“

Auch LHStv. Geisler sieht darin den richtigen Weg: „Unser gemeinsames Ziel bleibt ein stabiler, klimafitter und leistungsfähiger Bergwald, der Tirol schützt, stärkt und auch kommenden Generationen als Lebensgrundlage dient.“ Der Wald schaffe Wert – als Rohstoffquelle, als Arbeitsplatz, als Erholungsraum und vor allem als Schutzschild für das Land.
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Einer der größten Feinde des Waldbesitzers – der Borkenkäfer. Rund 280.000 Kubikmeter Holz ging im Vorjahr auf das Konto des gefrässigen Schädlings.
„Der Wald ist eine tragende Infrastruktur unseres Landes. Wer in den Wald investiert, investiert in die Zukunft."

LH-Stv. Josef Geisler

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