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Kindergarten_Kössen

Im neuen Bildungszentrum in Kössen fühlen sich auch die Kleinsten bereits pudelwohl. Beim Bau wurde Wert auf Naturmaterialien gelegt.

Hurra, ich baue eine Schule

Wie baut man eine Schule für die nächsten 50 Jahre? Bürgermeister Reinhold Flörl und Architekt Gottfried Heugenhauser
geben Einblicke in Planung, Finanzierung und Herausforderungen rund um moderne Bildungsbauten. Warum dabei Kommunikation oft wichtiger ist als Beton.

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Kössens Bürgermeister Reinhold Flörl mit zwei seiner wichtigsten Utensilien: Arbeitsschuhe und Spaten

Wenn Reinhold Flörl eines Tages das Zepter als Bürgermeister Kössens an seinen Nachfolger übergibt, wird er vermutlich als „Baumeister“ in die Annalen der Kaiserwinklgemeinde eingehen. Der eine Dorfchef baut einen Kindergarten, der andere vielleicht eine Schule. Flörl hingegen hat inzwischen schon den Bau des Recyclinghofes sowie des Sozialzentrums – mit Pflegeheim, betreutem Wohnen, Sozial- und Gesundheitssprengel und Ärztepraxis unter einem Dach – maßgeblich mitbetreut.

Doch besonders am Herzen liegt ihm das neue Bildungszentrum. Rund 20 Monate Bauzeit, knapp 19,5 Millionen Euro Nettokosten sowie rund 3.500 Quadratmeter Nutzfläche sind die Eckdaten des Großprojektes, das im Herbst des Vorjahres eröffnet wurde. Kinderkrippe, Kindergarten, Hort und Volksschule sind dort unter einem Dach vereint. Wenn Flörl über das Projekt spricht, ist ihm der Stolz anzusehen: „Mein Hauptwunsch war, mit dem neuen Bildungszentrum Akzente zu setzen, die es sonst nicht gibt. Schulmöbel aus dem Katalog wollte ich dafür nicht haben. Es soll eine Einrichtung sein, die die nächsten 50 Jahre Bestand hat“, betont Flörl.

Pädagogischer Hintergrund half Dorfchef bei Planung und Bau
Ein Einfamilienhaus zu bauen, haben viele schon erlebt. Eine Schule zu bauen, war aber auch für Flörl eine besondere Herausforderung. „Meine pädagogischen Anlagen als Lehrer haben mir da sicher geholfen“, schmunzelt der Kössener, der während der Bauzeit auf nahezu jeden Urlaub verzichtete und fast täglich auf der Baustelle anzutreffen war.

Bevor die Baumaschinen auffahren konnten, musste zunächst der Bedarf erhoben werden. Zudem war anfangs noch nicht klar, wo das Gebäude überhaupt entstehen soll. „Es hat sich relativ schnell herauskristallisiert, wo sich der Campus am besten integrieren lässt. Wir mussten auch die Verkehrssituation miteinbeziehen. Immerhin werden hier rund 400 Kinder betreut.“

Wichtig war Flörl die Einbeziehung der Nutzer, etwa der Pädagogen von Kindergarten und Volksschule. „Das ist ein entscheidender Aspekt für das Gelingen eines solchen Projektes“, ist Flörl überzeugt.

Den Architektenwettbewerb gewann schließlich das Büro Pedevilla aus Südtirol. Auch hier überließen die Kössener nichts dem Zufall. „In der Jury saßen unter anderem Experten aus Salzburg und Oberösterreich, die bereits Schulen umgesetzt haben.“

Finanzierung von über 22 Millionen Euro fordert viel Verhandlungsgeschick
Die größte Herausforderung war allerdings die Finanzierung – immerhin ging es um rund 22 Millionen Euro. Flörl pilgerte regelmäßig ins Landhaus nach Innsbruck. „Beim Land waren die Ohren vorerst nicht ganz so offen. Da hat es schon mehrere Verhandlungsrunden gebraucht, bis wir die Förderzusagen hatten“, erinnert sich Flörl. Bei der Aufsichtsbehörde der Bezirkshauptmannschaft lief es einfacher. „Mit Udo Hinterholzer hatten wir einen guten Partner.“

Rund eineinhalb Jahre vergingen vom Abriss des ehemaligen Altenwohnheims bis zum Baustart. „Bis zu 1.000 Lkw-Fuhren mussten abgefahren werden, außerdem mussten wir einen Hang sichern“, erzählt der Dorfchef.

Am 16. Oktober 2023 war es so weit: Der Spatenstich konnte gesetzt werden. Ein schöner Moment – nicht nur für den Bürgermeister, der sich mit viel Herzblut für das Projekt eingesetzt hatte. Kurz nach Baubeginn folgte allerdings ein Schockmoment: „Auf acht oder neun Metern Tiefe stießen wir plötzlich auf Felsen. Dann stellte sich natürlich die Frage: Wer bezahlt das?“ Der Felsen musste gesprengt werden. „Trotzdem haben wir es geschafft, im Zeit- und Kostenrahmen zu bleiben. Es hat allerdings extrem viele Nerven gekostet“, räumt Flörl ein.

Auch die Ausschreibungen gestalteten sich nicht immer einfach. Das Kössener Team musste ganze Arbeit leisten, um die Kosten im Rahmen zu halten. „Die Projektsteuerung lief über mich. Dadurch konnten weitere Ausgaben eingespart werden. Erfahrungen hatte ich bereits beim Sozialzentrum gesammelt“, betont er. Zugute kam ihm dabei auch das Vertrauen des Gemeinderates. Dank eines Grundsatzbeschlusses konnte Flörl viele Entscheidungen rasch treffen. Dem Gemeinderat legte er monatlich Berichte vor. „Wir haben zudem einen heimischen Baumeister beauftragt, der den Bau dokumentierte“, so Flörl. Die Übergabe vom Rohbau an die weiteren Gewerke erfolgte punktgenau. Dafür wurde ein genauer Zeitplan erstellt, damit keine Zeit verloren ging und die nächsten Arbeiten nahtlos weiterlaufen konnten. Immerhin wurden 3.500 Quadratmeter Holzfußboden verlegt. „Gerade den Holzboden hat der eine oder andere kritisch gesehen. Mir war aber besonders wichtig, dass wir Naturmaterialien verbauen.“

Am 26. September 2025 konnte das Bildungszentrum schließlich mit 240 Gästen eröffnet werden. „Ich habe heute noch eine große Freude, wenn ich hineingehe.“ Die für den Bau budgetierten Kosten wurden eingehalten. „Veranschlagt waren ursprünglich 19,5 Millionen Euro – am Ende lagen wir 100.000 Euro darunter. Eine Punktlandung“, ist Flörl heute noch stolz.

Budgetierte Kosten für das Bildungszentrum wurden eingehalten
Während Flörl vermutlich die letzte Schule gebaut hat, haben die Architekten Wilfried Filzer und Gottfried Heugenhauser – sie bilden gemeinsam die Architektengruppe P3 ZT GmbH in St. Johann – noch einiges vor. Im Laufe der Jahre hat das Duo zahlreiche Schulen und Kindergärten geplant, darunter den Kindergarten KiM in St. Johann oder aktuell die Kinderkrippe in Langkampfen.

Seit Anfang der 1990er-Jahre hat das Duo viele öffentliche Projekte umgesetzt. Beim Architekturstudium in Innsbruck wurde der Grundstein für die spätere gemeinsame Tätigkeit gelegt und der Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

„Eigentlich wollten wir immer die ganze Bandbreite machen. Das Spannende ist ja, dass sowohl ein kleines Haus als auch ein größeres Projekt ihre Herausforderungen haben“, erzählt Heugenhauser. Das Schöne am Beruf des Architekten sei die Vielfalt. „Die Aufgaben wiederholen sich nie eins zu eins. Natürlich sammelt man Erfahrung, aber man kann nie das gleiche Projekt noch einmal machen.“

Das erste große Projekt war damals der Kindergarten Neubauweg in St. Johann. „Wir haben ganz frech aus dem Bauch heraus ein Projekt eingereicht. Man war ja selbst einmal Kind. Unser Gedanke: Wenn wir einmal Kinder haben, dann würden wir sie gerne in einen solchen Kindergarten schicken wollen.“

Wenn die Beiden eine Schule oder einen Kindergarten planen, ist ihnen wichtig, dass alle Gruppen gleichwertig sind. „Es gibt aber natürlich sehr viele Regeln, die bei solchen öffentlichen Bauten eingehalten werden müssen. Dafür braucht man aber auch einen Bauherrn, der kritisch mitarbeitet“, ist Heugenhauser überzeugt.

Miteinbeziehen der zukünftigen Nutzer ist für Architekten wichtig
Das Schlimmste bei öffentlichen Aufträgen sei, wenn man kein Gegenüber habe. „Das merkt man später in der Nutzung. Ich halte es für einen schweren Fehler, wenn man die Nutzer nicht mit ins Boot holt. Bei der KiM wurden die Kindergarten- und Hortpädagogen von Anfang an eingebunden – so hat das sehr gut funktioniert.“

Bei der KiM gab es seitens der Gemeinde einen kleinen Projektausschuss, in dem jede Fraktion vertreten war. Es fanden regelmäßige Besprechungen statt, bei denen alles diskutiert wurde. Dazu kam eine begleitende Kontrolle. „Ich verstehe oft nicht, warum manche Projekte so aus dem Ruder laufen“, sagt Heugenhauser.

Oft würden zusätzliche Wünsche eingebracht. „Da müssen wir Architekten aber auch klar sagen: Das geht nicht, das sprengt das Budget.“

Gerade Schulen zu bauen sei derzeit besonders spannend. Die Skandinavier bringen viele neue Ansätze ein. Man entferne sich zunehmend vom klassischen Gang-Klassen-System. Klassenteilungen und offene Lernbereiche seien große Themen. Für Gemeinden seien auch mobile Kindergärten im Fokus. Die Erfahrung der beiden Architekten zeigt, dass viele Gemeinden leider beinahe Angst vor Wettbewerben haben. Solche Verfahren kosten natürlich Geld. „Wenn 20 Büros bereitstehen und Projekte ausarbeiten, kostet das entsprechend. Das gehört aber eben auch zum Spiel dazu.“ Allerdings wird durch solche Verfahren ein sehr hoher Qualitätsstandard generiert, der letztlich den Auftraggebern und Nutzern, eben Kindern zugutekommt.

ArchitektengruppeP3

Gottfried Heugenhauser und Wilfried Filzer betreiben in St. Johann ein Architekturbüro. Sie haben in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche öffentliche Bauten realisiert.

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