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Neue Wohnungen braucht das Land
Wohnen ist ein wichtiges Grundbedürfnis und die Versorgung mit leistbarem, ressourcenschonendem und bedarfsgerechtem Wohnraum ist eine zentrale Aufgabe aller Tiroler Gemeinden. Der Tiroler Wohnungsmarkt steht dabei jedoch vor großen Herausforderungen. Steigende Grundstückspreise und Baukosten, verbunden mit einem begrenzten Angebot und einer hohen Nachfrage, erschweren es zunehmend, den Bedarf nach adäquatem und leistbarem Wohnraum für alle Bevölkerungsteile zu erfüllen.
Das Institut für Geographie an der Universität Innsbruck hat daher in einer Forschungskooperation mit dem Land Tirol, Abteilung Wohnbauförderung, eine Bedarfsstudie – „Wohnen in den Tiroler Regionen und Gemeinden“ – erarbeitet. Ziel des Projektes war es den aktuellen und zukünftigen Wohnbedarf in Tirol und seinen Regionen zu untersuchen und Grundlagenwissen für die Entwicklung eines bezahlbaren, bedarfsgerechten und nachhaltigen Wohnraums zu schaffen.
Tirol wächst – gleichzeitig wird Wohnraum immer knapper. Die Bevölkerung steigt weiter an, vor allem durch Zuwanderung, gleichzeitig werden die Menschen älter und leben zunehmend allein.
Dadurch wächst der Bedarf an Wohnungen zusätzlich. Während Wohnungen früher oft von Familien genutzt wurden, steigt heute die Zahl kleiner Haushalte und Singlewohnungen kontinuierlich an.
Wohnungsbestand in Kitzbühel seit rund zehn Jahren um 5.200 Wohnungen gewachsen
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung im Bezirk Kitzbühel. Der Wohnungsbestand ist hier zwischen 2014 und 2023 zwar um mehr als 5.200 Wohnungen gewachsen – ein Plus von 12,5 Prozent.
Trotzdem wird leistbarer Wohnraum immer knapper. Der Grund: Ein erheblicher Teil der Wohnungen wird nicht dauerhaft genutzt.
Die Studie bezeichnet die Region Kitzbühel sogar ausdrücklich als besonders auffällig beim Anteil an Freizeit- und Nebenwohnsitzen. In vielen Gemeinden liegt dieser Anteil bei über 15 Prozent. Gleichzeitig steigen die Immobilienpreise weiter an – für viele Einheimische wird Eigentum kaum noch leistbar.
Besonders brisant: Die Zahl jener Wohnungen ohne Hauptwohnsitzmeldung ist im Bezirk weiter gestiegen. Das bedeutet, dass zwar Wohnraum vorhanden ist, dieser aber oft nicht dauerhaft zur Verfügung steht. Genau darin sieht die Studie eines der größten Probleme Tirols – und im Bezirk Kitzbühel zeigt sich diese Entwicklung besonders deutlich.
Bis zum Jahr 2033 werden 3.700 Wohnungen zusätzlich im Bezirk benötigt
Bis 2033 werden im Bezirk laut Prognose rund 3.700 zusätzliche Wohnungen benötigt, etwa 409 pro Jahr. Fast ein Drittel dieses zusätzlichen Bedarfs entfällt dabei erneut auf Nebenwohnsitze – einer der höchsten Werte Tirols. Der Wohnungsbestand liegt in Tirol bei aktuell rund 440.000 Einheiten. Tirol wird bis 2033 ein zusätzlicher Bedarf von rund 3.900 neuen Wohnungen pro Jahr prognostiziert. Diese Entwicklung resultiert aus dem Bevölkerungswachstum, der Zunahme kleinerer Haushaltsgrößen und veränderten Wohnbedürfnissen.
Mit 22,6 Prozent liegt der Anteil an Wohnungen ohne Hauptwohnsitzmeldung in Tirol deutlich über dem Bundesdurchschnitt (18,2 Prozent). „Es gibt vielfältige Ursachen für Wohneinheiten ohne Wohnsitzmeldung. Bei einem Teil dieser Objekte handelt es sich um Leerstand, dazu braucht es genauere Daten. Fakt ist, dass die Zahl der Wohnungen ohne Wohnsitzmeldung von 2014 bis 2023 in allen Bezirken Tirols deutlich zugenommen hat. Diese Entwicklung ist bedenklich. Investitions- und Spekulationstätigkeit sind vermutlich eine wesentliche Ursache“, erklärt der Leiter der Wohnbedarfsstudie Christian Obermayr.
Eine weitere zentrale Erkenntnis der Studie ist, dass der Wohnungsbedarf in Tirol je nach Region stark variiert. „Wohnpolitische Strategien müssen demnach auf die jeweiligen regionalen Gegebenheiten zugeschnitten werden. Neben quantitativen Aspekten sollten auch soziale und ökologische Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt werden“, so Obermayr. Der Bezirk Kitzbühel bleibt damit einer der angespanntesten Wohnungsmärkte Tirols. Die zentrale Frage lautet längst nicht mehr nur, wie viel gebaut wird – sondern für wen.
