
Das Netz an E-Tankstellen haben die Stadtwerke Kitzbühel sukzessive erweitert. Im gesamten Stadtgebiet gibt es sechs Standorte wie jene am Parkplatz Im Gries
Laden statt Tanken: Bereit für den Einstieg in die E-Mobilität?
Elektroautos gelten als Schlüssel für eine klimafreundlichere Zukunft. Regierungen fördern sie, Hersteller investieren Milliarden, und immer mehr Menschen überlegen, vom Verbrenner auf Strom umzusteigen. Doch wie alltagstauglich sind E-Autos wirklich? Und welche Antriebsart wird sich in der Zukunft durchsetzen? Steht man vor einem Autokauf, rücken diese Fragen zunehmend in den Fokus.
Autokauf: Warum soll ich mich für ein E-Auto entscheiden?
Die Mobilitätswende im Individualverkehr ist in vollem Gange und die Zahlen sprechen eine klare Sprache. In Österreich waren bis Ende 2025 rund 250.000 Elektroautos zugelassen – so viel wie noch nie zuvor, das belegen die Daten der Statistik Austria.
Bis Ende Dezember 2025 machten rein batterieelektrische Pkw bereits 21,3 Prozent aller Neuzulassungen in Österreich aus – ein Plus von 35,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig gehen die Neuzulassungen von Verbrennerfahrzeugen weiter zurück (minus 5,4 Prozent Benzin, minus 25,5 Prozent Diesel), das belegen die Erhebungen der Energieagentur Tirol.
Die Fahrzeuge mit Verbrennermotor haben aber noch immer deutlich die Nase vorn: Von den rund 5,29 Millionen Pkw, die in Österreich Ende 2025 zum Verkehr zugelassen waren, lag der Anteil der konventionell angetriebenen Autos bei 86,7 Prozent, so die Angaben der Statistik Austria.
E-Autos immer mehr alltagstauglich
Dass heute mehr Elektro-Autos denn je auf Österreichs Straßen unterwegs sind, ist auf ihre deutlich ausgereiftere Technologie zurückzuführen. Moderne Elektrofahrzeuge sind mittlerweile alltagstauglich, zuverlässig und in zahlreichen Varianten verfügbar – vom kompakten Stadtauto bis zum familiengeeigneten SUV. Die Bedenken potenzieller Käufer hinsichtlich Reichweiten und Lademöglichkeiten nehmen von Jahr zu Jahr ab.
Bestes Ladeangebot aller Bundesländer in Tirol und Salzburg
Angaben der Energieagentur Tirol zufolge stehen in Tirol rund 4.500 öffentliche Ladepunkte zur Verfügung. Zwischen dem dritten Quartal 2024 und dem dritten Quartal 2025 konnte das Bundesland zudem den zweithöchsten Zuwachs an öffentlichen Ladepunkten verzeichnen. Gemessen an der Einwohnerzahl hat Tirol neben Salzburg das beste Ladeangebot. Etwa fünf E-Autos kommen auf einen öffentlichen Ladepunkt. In Österreich teilen sich im Durchschnitt sieben E-Autos einen öffentlichen Ladepunkt.
„Keine andere Antriebsform nutzt die eingesetzte Energie so effizient und unterstützt die Dekarbonisierung so konsequent wie die E-Mobilität.“
Thomas Geisler, Energieagentur Tirol
Thomas Geisler, Experte für E-Mobilität bei der Energieagentur Tirol, einer unabhängigen Beratungsstelle des Landes Tirol, beantwortet im Gespräch mit dem Kitzbüheler Anzeiger die gängigen Fragen zum Thema E-Mobilität.
Abgesehen von den ökologischen Aspekten: Warum soll ich mich für ein E-Auto entscheiden?
Keine andere Antriebstechnologie ist derzeit in der Lage, die eingesetzte Energiemenge so effizient auf die Straße zu bringen, also in Bewegung umzuwandeln, wie der batterieelektrische Antrieb. Das E-Auto ist effizienter als der Verbrenner, es ist außerdem unabhängig von fossilen Treibstoffen und deren Preisen. Bereits heute hat das E-Auto einen ökologischen Vorteil. Er ergibt sich nämlich über den laufenden Betrieb, da keine Emissionen anfallen bzw. die Emissionen des Strommixes deutlich niedriger sind als bei Benzin oder Diesel. Über den gesamten Lebenszyklus, der etwa bei 15 Jahren liegt, kann eine CO2-Einsparung von ca. 50 Prozent erreicht werden.
Was sind die Vorteile eines E-Autos gegenüber eines Verbrenners?
Höherer Fahrkomfort- und Fahrspaß und eine bessere Stabilität aufgrund eines tieferen Schwerpunkts. Rekuperation, sprich Energierückgewinnung, durch Bremsvorgänge und Höhenunterschied, sprich Abwärtsfahren. E-Autos sind geräuscharm. Bis 20 km/h gibt es ein künstliches Warnsignal, darüber hinaus ist es nicht mehr notwendig, da die Abrollgeräusche lauter bzw. ausreichend sind. Darüber hinaus fallen geringere Kosten im laufenden Betrieb an und der Weg zur Tankstelle bleibt dem Lenker erspart, weil das Auto zmeist zu Hause, oder bei der Arbeit aufgeladen wird bzw. der Vorgang in den Alltag integriert wird, zum Beispiel beim Einkaufen.
Auf den Autobahnen sind Elektroautos außerdem IGL-befreit.
Was muss ich beim Laden eines Elektro-Autos beachten?
Stehzeiten sind potenzielle Ladezeiten. Deshalb finden Ladevorgänge zu über 90 Prozent zu Hause oder bei der Arbeit statt. Dafür kann entweder eine Wallbox installiert oder mit einer mobilen Ladeeinheit und entsprechendem Adapter die Starkstromsteckdose genutzt werden. Je länger die Standzeit, je geringer kann die Ladeleistung in Kilowatt (kW) ausfallen. Mehr als 11 kW sind im privaten Umfeld nicht notwendig. Die Abklärung, ob die gewünschte Ladeleistung nutzbar ist sowie die verpflichtende Meldung (ab 3,7 kW) erfolgt über den Netzbetreiber. Die öffentliche Ladeinfrastruktur stellt vor allem das schnelle Nachladen des Akkus sicher, weshalb die Ladeleistungen bis zu 150 kW und darüber hinaus reichen. Für den Lade- und Bezahlvorgang werden Apps oder Ladekarten verwendet. Ein Vertragsabschluss mit einem Anbieter ist kein Muss, da das so genannte Ad-hoc Laden
bei jeder öffentlichen Ladestation gewährleistet sein muss.

Die schwere Batterie ist in E-Autos flach im Unterboden verbaut. Dadurch wird eine bessere Straßenlage erzielt.
Wie teuer sind Kauf und die Erhaltung im Vergleich zum Verbrenner?
Je nach Fahrzeugklasse, Marke, Modell und Ausstattung unterschiedlich. Es ist zu beobachten, dass der höhere Anschaffungspreis eines E-Autos
sich sukzessive jenem des Verbrenners annähert. Je nach Angeboten und Rabatten von Herstellern und Händlern kann die Anfangsinvestition eines Elektro-Auto bereits heute unter jenem eines Verbrenners liegen. Zudem nimmt auch der E-Gebrauchtfahrzeugmarkt stetig zu – er ermöglicht einen budgetfreundlichen Einstieg in die Elektromobilität. Professionelle Batteriediagnosen, wie sie von einigen Automobilclubs angeboten werden, sorgen dabei für eine vollständige Transparenz gegenüber dem Zustand eines Akkus.
Der Vorteil liegt in den geringeren Erhaltungskosten. Ein reduzierter Aufwand bei Wartung und Service sowie die günstigeren Ladekosten – wenn überwiegend zu Hause geladen wird – lassen die laufenden Betriebskosten deutlich geringer ausfallen.
Die Batterie ist das Herzstück eines E-Autos. Wie verlässlich ist ein Stromer im Winter?
Hohe als auch niedrige Temperaturen beeinflussen die Leistungsfähigkeit des Akkus und damit die Reichweite. Ein Batteriemanagementsystem sorgt in erster Linie dafür, dass der Akku bzw. seine Zellen stets in einem optimalen Betriebszustand gehalten werden. Zusätzlich kann im Winter eine Vorkonditionierung des Innenraums noch während des Ladevorgangs sowie die bevorzugte Nutzung von Lenkrad- und Sitzheizung die andernfalls geringer ausfallende Reichweite erhöhen. Die Ausstattung mit einer Wärmepumpe wirkt sich weiters positiv auf die Reichweite eines E-Autos aus. Im Durchschnitt weichen im Winter die Norm-Reichweiten um 19 Prozent ab. Bei 540 km wären dies minus 90 km, wodurch alltägliche Wegstrecken von durchschnittlich 35 km allerdings nicht beeinträchtigt werden.

Strom oder klassische Treibstoffe? Für Kurzstrecken sind E-iutos beliebt, für Langstrecken gelten Fahrzeuge mit Verbrennermotor als unkomplizierter.
Was passiert, wenn ich mit dem E-Auto im Stau stehe? Geht ihm dann der Strom aus?
Unabhängig der Antriebstechnologie wird auch im Stau bzw. bei Stop and Go Energie (Treibstoff bzw. Strom) benötigt. Im Sommer vor allem für die Klimatisierung des Innenraums. Automobilclubs haben gezeigt, dass E-Autos um den Faktor 10 effizienter kühlen als Verbrenner. Die Simulation eines achtstündigen Staus bei Sommerhitze hat festgestellt, dass E-Autos pro Stunde bis zu 1,5 kWh Strom für die Klimatisierung benötigen. Dies entspricht einem Reichweitenverlust von etwa 8 km pro Stunde. Dem gegenüber steht ein Mehrverbrauch von 1,5 Liter Kraftstoff (= Energieinhalt von 15 kWh) bzw. einem Reichweitenverlust von über 20 km pro Stunde beim Verbrenner. Der klare Effizienzvorteil zeigt, dass auch bei längeren Staus mit eingeschalteter Klimaanlage die Angst vor dem Liegenbleiben unbegründet ist.
Welche Förderungen gibt es beim Erwerb eines E-Autos für Privatpersonen?
Für die Anschaffung eines E-Autos gibt es derzeit keine Förderung. Besitzer eines E-Auto haben allerdings die Möglichkeit, sich ihre geladene Strommenge und dadurch eingesparte CO2-Menge pro Jahr vergüten zu lassen. Die Höhe der so genannten THG- oder ePrämie liegt je nach Anbieter im höheren zweistelligen Eurobereich. Fördermöglichkeiten für die Errichtung bzw. Anschaffung von Ladeinfrastruktur gibt es vom Bund (solange die Budgetmittel reichen, längstens bis 31. März 2026) sowie vom Land Tirol. Aktuelle Übersicht: https://www.energieagentur.tirol/fuer-private/foerderuebersicht/
Soll es ein Elektroauto oder ein klassischer Verbrenner sein? Beim Autokauf stehen viele Menschen vor dieser richtungsweisen Frage. In der Praxis zeigt sich: Stromer werden beliebter, trotzdem entscheiden sich viele Österreicher für Benzin- oder Dieselfahrzeuge.
4 Fakten
- Der Ladevorgang dauer länger. Beim Laden zu Hause oder bei der Arbeit spielt dies keine Rolle. Unterwegs kann das E-Auto während des Einkaufens, Skifahrens oder einer Kaffeepause geladen werden.
- Preisunterschied kleiner geworden Der Anschaffungspreis für Elektro-Autos ist höher als bei vergleichbaren Verbrennern. Der Preisunterschied ist schon im Schrumpfen begriffen.
- Weniger Reichweite im Winter Bei Kälte benötigt ein Elektroauto etwas mehr Energie für die Beheizung des Innenraums und des Akkus, bleibt aber alltagstauglich und effizient.
- beim Verbrenner Durch den Wegfall des Verbrennungsmotors entstehen beim Elektrofahrzeug deutlich geringere Wartungskosten, da viele Verschleißteile entfallen. Das Laden ist günstiger als das Tanken.