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Art trifft KI - Patrice Bruvier
Derzeit ist in der „Galerie im Zentrum“ in Fieberbrunn die Ausstellung „Art trifft KI“ von Patrice Bruvier zu bestaunen.

Digitalkunst von Bruvier in Fieberbrunn

Schon beim Eintreten in die Galerie ist die sprühende Energie des gebürtigen Franzosen spürbar, in den Augen ein Funkeln, ein wacher und interessierter Blick. Mit dabei immer sein kleiner Hund Maya, Patrice stellt sich schmunzelnd als „der Künstler mit dem Hund“ vor. Mittlerweile im Salzburger Pinzgau wohnhaft, lebte Patrice vorher mehr als fünfzig Jahre in Kitzbühel. Der ausgebildete Pilot war lange Zeit im Schmuckbereich tätig, nun widmet er sich in seiner Pension voll der Kunst.

Leuchtende Farben prägen seine aktuelle Ausstellung.
Und das mit eisernem Engagement: „Ich stehe meistens um fünf Uhr früh auf. Ab da habe ich die besten Ideen, dann setze ich mich an den Computer, da ist es ruhig. Ich arbeite jeden Tag. Bis so ein Bild für mich perfekt ist, dauert es schon ein paar Stunden“, erzählt Patrice. „Von Schmuck über Video bis Foto habe ich alles gemacht, ich bin Autodidakt. Mir macht es einfach Spaß meine Ideen umzusetzen.

Viele Menschen haben Ideen, aber die wenigsten setzen sie in die Realität um. Es ist ja nicht nur die Idee, die muss man auch realisieren, dann die Resultate noch vermarkten, sie herzeigen. Lange Zeit habe ich im Videobereich gearbeitet, Hochzeitsvideos in ganz Österreich gemacht. Da sind zuerst die Aufnahmen wichtig und dann habe ich die ganze Woche am Computer nachbearbeitet.

Ich arbeite seit rund vierzig Jahren mit dem Computer. Schon vor meiner Pensionierung habe ich begonnen konkret Kunst damit zu machen. Ich bin auch Mitglied beim Verein Kitzbühel Aktiv. Aber ich wollte etwas anderes machen als die anderen.

Da ich immer schon in Richtung digitaler Kunst gearbeitet und mich immer schon für Technik interessiert habe, ging ich diesen Weg weiter.“ Eine extreme, wenn auch fiktive Haptik, die Dreidimensionalität und eine immense Ausstrahlung machen für mich die Faszination aus.

Seit Jahren verblüfft Bruvier mit besonderen Werken wie Lichttafeln, Skulpturen oder Lampen.

Art trifft KI - Patrice Bruvier
Mit dabei immer sein kleiner Hund Maya, Patrice stellt sich schmunzelnd als „der Künstler mit dem Hund“ vor.

Seit ein paar Jahren beschäftigt er sich immer mehr mit den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten der KI, experimentiert, recherchiert und jongliert mit deren Werkzeugen. Dabei sieht er sie durchaus kritisch: „Die KI muss man sorgfältig dirigieren, der muss man genau sagen, was sie machen soll, sonst macht sie was sie will und oft auch nichts Gutes. Da muss man aufpassen. Es ist ambivalent. KI wird zum Muss, wer da nicht mit der Zeit geht, sich damit beschäftigt, der ist in den nächsten Jahren weg.

Das ist das Heute, das Jetzt. Aber man muss aufpassen, es ist auch gefährlich. Es gibt ja auch die Super-KI, aber das muss verboten werden. Sobald es eine Super-KI gibt, kann die produzieren, was sie braucht, und sie braucht uns Menschen nicht mehr. Die KI ist für mich ein Werkzeug. Sie ist für mich wie die Kernspaltung. Die Erfindung grundsätzlich war eine gute, aber nun kann man damit auch Waffen, Atombomben machen. Man muss wachsam sein, sich mit der Technik auseinandersetzen, damit arbeiten, man muss das kennen. Auch wenn etwas passiert, wenn man etwas kennt, kann man sich besser schützen. Wenn man sich nicht auskennt, ist man verloren.“

„Besonders bei Wolfgang Schwaiger und der Gemeinde Fieberbrunn möchte ich mich hier bedanken, das große Engagement für regionale Künstler ist grandios.“

Patrice Bruvier

Den Kritikern seiner Kunst-Technik hält Patrice folgendes entgegen: „So rund um 1850 als die Fotografie aufgekommen ist, haben die klassischen Maler aufgeschrien, das sei der Untergang ihrer Zunft. Aber im Grunde steigert die Konkurrenz nur die Qualität – und Malerei gibt es auch heute noch. Mehrere Techniken erhöhen die Vielseitigkeit und lösen sich nicht zwangsläufig ab. Mit der Fotografie und der Digitalisierung war es das gleiche Thema, auch als die Computer auf den Markt gekommen sind. Man sollte nicht glauben, dass das alles die KI macht.
Man könnte sagen, es ist einfach, aber so einfach ist es nicht. Ungefähr 30 Prozent dieser Werke ist KI, der Rest ist meine künstlerische Kreativität, mein Computerwissen, die Beurteilung und Auswahl des besten Ergebnisses, die Druckvorbereitung, der Druck, die Nachbearbeitung. Ich fertige die Bilder bei einer Firma, die sonst nur für Museen tätig ist. Die drucken mit Auflösungen von 100.000 Pixeln und 2.400 dpi – eine unfassbare Feinheit und Qualität. Damit bekomme ich das Ergebnis, das ich mir vorstelle. Wenn du einen Fehler machst, kostet das Geld, wenn der Druck nicht gut ist, wird es kein gutes Bild. Die Entscheidung, welches der Bilder du aus der Fülle der KI wählst, ist eine zentrale. Wenn du sie schlecht triffst, verkaufst du nichts.“

Art trifft KI - Patrice Bruvier
Die Dynamik des Sports fasziniert den Künstler.

Der Künstler zeigt sich kritisch, was diese Punkte betrifft, sein Ansatz ist ein perfektionistischer. So haben für ihn beispielsweise auch die Rahmen der Drucke besondere Bedeutung: „Die müssen passen, sie geben den Bildern noch mehr Tiefe. Ich male außerdem auch ein bisschen, denn ich muss die KI-Bilder auch manchmal retuschieren“, erzählt Patrice schmunzelnd.

Patrice Bruvier stellt noch bis Mitte März in der Galerie im Zentrum in Fieberbrunn aus.
Der Künstler ist beeindruckend offen in seinem Denken und seinem Zugang zu Entwicklungen und Veränderungen. So erzählt er mit einem Schmunzeln: „Als ich zu fliegen begonnen habe, gab es keine Navigationsgeräte, wir hatten nur eine Karte, einen Kompass und eine Uhr. Wir mussten mit der Cessna immer unter den Wolken fliegen, um etwas zu sehen und so mancher Kollege flog am liebsten den Eisenbahnschienen hinterher, um den Weg nicht zu verlieren. Bei den Bahnhöfen ging man dann so tief, sodass man das Ortschild lesen konnte, um zu wissen, wo man gerade war.“ Heute beschäftigt er sich mit der schwer greifbaren und irrealen Welt des Internets, der Computertechnik und der KI.

Bruviers Motive sind so bunt wie das Leben, als umfassend interessierter Mensch bietet sich für Patrice eigentlich alles an – von Stadtansichten Kitzbühels, der Schönheit der Natur wie der der Krimmler Wasserfälle oder der Alpen, dem vielseitigen Sportthema, Detailansichten von Tieren oder Musikern bis zu der Hommage an seinen Herzspezialisten, das die Arbeit des Menschen am Herzen darstellt.

Auch Lampen entwirft das vielseitige künstlerische Talent, aber „derzeit gerade nicht, ich kann nicht alles machen“, erzählt er lachend. Ein weiteres Interessensgebiet ist das 3D-Drucken, mit dem er bereits kleine Skulpturen fertigt.
Sobald es die Zeit zulässt, möchte sich Patrice einem weiteren Projekt widmen: „Ich möchte Bilder machen, wo die Skulptur aus dem Bild rauskommt. Was an meinen Bildern jetzt durch die hohe Druckqualität so aussieht, als wäre es zum Angreifen, soll dann wirklich zum Angreifen sein. Mit einem Programm muss ich dann bestimmten Teilen des Motivs ein Volumen geben und dann zu einem 3D-Objekt machen. Dazu habe ich so mehrere Einfälle, das wird speziell.

Das ist auch die Zukunft.“ Es ist also noch Spannendes zu erwarten von Patrice, dem die Ideen nicht ausgehen.

Die nächste Chance gibt es beim „Tag der offenen Ateliers“ des kulturnetz Tirol am Samstag, 9. Mai und am Sonntag, 10. Mai jeweils von 13 bis 19 Uhr. Details unter www.kulturnetztirol.at/tage-der-offenen-ateliers und unter www.patriceart.at

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