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Kitzbüheler Anzeiger
Olympiapfarrer Johannes Lackner

Tag 11: Zwischen Medaillen und Momenten der Stille mit Olympiapfarrer Johannes Lackner

Grüß Gott aus Cortina,
als Seelsorger des Österreichischen Olympischen Teams begleite ich die Athletinnen und Athleten, Betreuer sowie Besucher während der Olympischen Spiele. Seit 1972 gibt es in Österreich die Tradition, dass immer auch ein Priester die Olympiamannschaft betreut. Ich biete Gespräche und Gottesdienste an, bete für unsere Olympioniken und spende ihnen den Segen. Ich bin für alle da, die das möchten. Vor den Wettkämpfen überreiche ich den Athleten kleine Fingerrosenkränze als Zeichen dafür, dass Gott sie schützt und begleitet.

Ich bin überzeugt, dass der Glaube auch im Spitzensport eine wichtige Kraftquelle sein kann – der Glaube an sich selbst und der Glaube an Gott, der jeden Menschen unendlich liebt, egal ob er gewinnt oder verliert. Es ist schön, dass Benjamin Karl nach seinem Sieg im Parallel-Riesentorlauf ein Kreuzzeichen gemacht hat. Genauso hat es mich gefreut, als ich gehört habe, dass Karl Ziesler, der Papa von Conny Hütter,"fest" für sie gebetet und ein Kerzerl für sie angezündet hat. All das zeigt: Der Glaube spielt auch bei den Olympischen Spielen eine Rolle.

Während der Spiele ist Cortina mein Stützpunkt. Die Stimmung hier ist gut und von einer besonderen Internationalität geprägt. Menschen aus der ganzen Welt sind in der Stadt, Flaggen aller Nationen wehen durch die Fußgängerzone, Athletinnen und Athleten unterschiedlichster Länder kommen zusammen und messen sich in einem friedlichen Wettkampf. Es ist ein schönes und starkes Zeichen dafür, dass Sport verbindet und Menschen aus aller Welt zusammenführt – ganz ähnlich, wie es auch der Glaube tut.

Die Atmosphäre in Cortina ist lebhaft und positiv, vor allem im Stadtzentrum ist viel los. Am Hauptplatz, direkt vor dem Kirchturm, brennt das olympische Feuer, und die Gipfel der Dolomiten scheinen von oben herabzulächeln. Dieser Anblick ist tief berührend und einfach wunderbar.

Ich darf direkt im Zentrum, im Pfarrhof von Cortina, wohnen. Der Pfarrer hat mich sehr gastfreundlich aufgenommen; bereits am ersten Tag durfte ich ihn zur Eröffnungsfeier begleiten. Während der Spiele helfe ich in der Pfarre Cortina mit und feiere Gottesdienste in deutscher Sprache für Fans, Besucher sowie für Betreuer und Athleten.

Olympiapfarrer Johannes Lackner

Ein wichtiger Teil meiner Tätigkeit findet im Österreich-Haus statt. Dort bin ich regelmäßig präsent, um mit Athletinnen und Athleten, Betreuern und Gästen ins Gespräch zu kommen. Die Stimmung im österreichischen Team ist sehr gut. Es gab zahlreiche Medaillen, und die Erfolge wurden bis tief in die Nacht gefeiert. Es ist schön, diese Emotionen aus nächster Nähe miterleben zu dürfen.

Ein besonders emotionaler Moment war für mich die Szene beim Slalom der Männer, als der Norweger Atle Lie McGrath, der kurz zuvor seinen Opa verloren hatte, als Führender nach dem ersten Durchgang ausgefallen ist und durch den Schnee in Richtung Wald stapfte, um alleine zu sein. Das hat mich sehr bewegt. Niederlagen gehören zum Sport wie zum Leben, und ich denke, dass der Glaube helfen kann, mit solchen Momenten umzugehen – wie auch im Fall von Eva Pinkelnig. In einem kürzlich erschienenen Interview hat sie gesagt, dass ihr gerade der Glaube an Gott nach ihrem Sturz und ihrer Verletzung im heurigen Sommer die Kraft gegeben hat wiederaufzustehen. Als Christen haben wir immer die Hoffnung auf eine Auferstehung.

Eine Herausforderung bei diesen Spielen ist die große Entfernung zwischen den Wettkampfstätten. Dennoch ist es mir ein großes Anliegen, möglichst überall hinzufahren, um auch jene Athleten zu treffen, die nicht in Cortina sind. Ich war bereits in Bormio und Livigno, wofür ich mit dem Auto rund sieben Stunden unterwegs war, ebenso in Val di Fiemme. Nach Antholz zu den Biathleten werde ich ebenfalls noch fahren. Ich möchte den Sportlerinnen und Sportlern aus dem Glauben heraus nahe sein.

Ich habe bereits zahlreiche Bewerbe besucht, darunter die Teamkombination und den Super-G der Damen in Cortina, ich war beim Riesenslalom in Bormio, bei der Nordischen Kombination, beim Rodeln und Snowboardcross. Mir ist wichtig, direkt in den Stadien und an den Wettkampfstätten präsent zu sein und den Athleten dort den Segen zu geben. Denn im Leben wie im Sport gilt: An Gottes Segen ist alles gelegen.

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