
Nothegger Transport Logistik: Forderungen von 15,4 Millionen Euro anerkannt
Im Insolvenzverfahren der Nothegger Transport Logistik GmbH hat die Insolvenzverwaltung in der Prüfungstagsatzung Insolvenzforderungen in Höhe von 15,4 Millionen Euro anerkannt, wie der KSV 1870 berichtet. Bisher bestritten geblieben seien Gläubigeransprüche in Höhe von knapp 21 Millionen Euro. Der KSV erwartet, dass die festgestellten Forderungen noch deutlich ansteigen werden.
„Bei Insolvenzeröffnung im März fanden die Rechtsanwälte der Insolvenzverwalterin eine denkbar schwierige Unternehmenssituation vor – insbesondere die Liquiditätssituation erwies sich als äußerst prekär“, informiert der KSV. Um einen Betrieb mit knapp 200 Mitarbeitern (weitere knapp 200 LKW-Fahrer sind bei einer Schwestergesellschaft beschäftigt) in einem Insolvenzverfahren fortführen zu können, müssen ausreichend liquide Mittel vorhanden sein. Bei Insolvenzeröffnung waren sämtliche fakturierte Kundenforderungen an die finanzierende Bank abgetreten. Zudem betragen die Zahlungsfristen in der Transportbranche einige Wochen. Somit wurden nach Insolvenzöffnung erbrachte Leistungen erst später liquiditätswirksam. Demgegenüber fordern die meisten Lieferanten der Schuldnerin Vorauskasse auf ihre Leistungen.
Operativer Betrieb bislang aufrecht
Trotz aller Widrigkeiten gelang es der Insolvenzverwalterin bisher, den operativen Betrieb aufrecht zu erhalten. "Der Mitarbeiterstand konnte bisher im Wesentlichen beibehalten werden", ergänzt der Alpenländische Kreditorenverband in einer Aussendung.
Rechtsanwalt Walter Rupprechter und Rechtsanwalt Stefan Rass von der Insolvenzverwalterin berichteten, dass von Seiten der Familie Nothegger eine Fortführungskaution in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro kurzfristig beigebracht wurde. Zudem gelang es, Liquidität im Ausmaß von einer Million Euro durch eine rasche Abschichtung einer Beteiligung zu generieren. Parallel dazu wurden diverse Verrechnungskonten, welche Ansprüche der Insolvenzschuldnerin in Höhe von mehreren hunderttausend Euro gegen Personen im Nahbereich der Eigentümer der Insolvenzschuldnerin aufwiesen, zügig ausgeglichen. Die Liquiditätssituation bleibt jedoch angespannt, weil die Insolvenzverwalterin auf möglichst rasche Zahlungseingänge der Kunden angewiesen ist. Die aktuell aus der Fortführung offenen Kundenforderungen belaufen sich derzeit auf mehr als sechs Millionen Euro, so der KSV.
Klaus Schaller, Leiter des KSV1870, erklärt: „Das Insolvenzverfahren über die Firma Nothegger Transport Logistik GmbH ist im Hinblick auf die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter die größte Unternehmensinsolvenz in Tirol seit 15 Jahren. Die Geschäftsleitung strebt eine Sanierung ihres Unternehmens an und es wird sich in den nächsten Wochen zeigen, ob eine Einigung mit den Gläubigern gefunden werden kann. Klar ist, dass mit der bisherigen Fortführung des operativen Betriebes durch die Insolvenzverwaltung ein erster Schritt in die richtige Richtung gemacht wurde. Ob die Verhandlungen letztlich zu einem positiven Abschluss gebracht werden können, lässt sich aktuell kaum einschätzen. Der Fortbestand der Arbeitsplätze der knapp 200 Mitarbeiter ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesichert.“
Das bei der Insolvenzschuldnerin vorhandene Vermögen sei in Relation zu den bestehenden Verbindlichkeiten nach Angaben der Insolvenzverwaltung recht überschaubar. Der KSV1870, welcher einen großen Teil der betroffenen Gläubiger in diesem Verfahren vertritt, werde ein etwaiges Sanierungsangebot der Insolvenzschuldnerin jedenfalls im Detail prüfen. Neben der Höhe der Quote spielt in diesem Fall die Frage, wie diese Quote sodann finanziert werden soll, eine zentrale Rolle. "Die Insolvenzschuldnerin hat in den kommenden Wochen belastbare Unterlagen beizubringen", so der KSV. Der KSV1870 werde in den anstehenden Verhandlungen mit der Geschäftsleitung der Insolvenzschuldnerin jedenfalls auf einen spürbaren Sanierungsbeitrag aus der Sphäre der Eigentümer bestehen.