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Kitzbüheler Anzeiger
Biathletin Lisa Hauser

Lisa Hauser beendet ihre Karriere

Sie hat Geschichte geschrieben, Emotionen geweckt und eine Sportart geprägt: Mit Lisa Hauser verabschiedet sich nicht nur Österreichs erfolgreichste Biathletin, sondern auch eine Persönlichkeit, die weit über Medaillen hinaus Spuren hinterlassen hat.

Beim Saisonfinale am traditionsreichen Holmenkollen in Oslo wählte Lisa Hauser einen Moment, der kaum passender hätte sein können und überraschte dennoch viele: Die 32-jährige Reitherin verkündete ihren Rücktritt vom Biathlon-Weltcup und setzt damit nach 14 Jahren auf höchstem Niveau einen bewussten Schlusspunkt unter ihre Karriere.

„Ich habe beinahe mein halbes Leben dem Leistungssport untergeordnet, und ich bin unglaublich dankbar für alles, was ich erleben durfte. Es waren viele wunderschöne Momente dabei – der WM-Titel, Weltcupsiege und zahlreiche Rennen, die mir für immer in Erinnerung bleiben werden. Gleichzeitig gab es auch schwierige Phasen, die mich menschlich sehr geprägt haben.“

Erste österreichische Biathlon-Weltmeisterin
Als sie im Dezember 2012 in Hochfilzen ihr Weltcupdebüt gab, war Lisa Hauser eine von vielen talentierten jungen Athletinnen im österreichischen Team. Dass sie einmal zur erfolgreichsten Biathletin des Landes werden würde, war damals nicht absehbar – auch wenn sie mit insgesamt sechs Medaillen bei Jugend- und Junioren-Weltmeisterschaften bereits früh ihr außergewöhnliches Potenzial angedeutet hatte.

Der große Durchbruch gelang ihr schließlich in der Saison 2020/21: In Oberhof stand sie als Dritte im Sprint erstmals auf dem Weltcuppodest, nur wenige Tage später folgte in Antholz ihr erster Weltcupsieg im Einzel. Was danach kam, ging in die österreichische Sportgeschichte ein.

„Beinahe mein halbes Leben habe ich dem Leistungssport untergeordnet, und ich bin unglaublich dankbar für alles, was ich erleben durfte. Es waren viele wunderschöne Momente dabei – der WM-Titel, Weltcupsiege und zahlreiche Rennen, die mir für immer in Erinnerung bleiben werden. Gleichzeitig gab es auch schwierige Phasen, die mich menschlich sehr geprägt haben.“
Lisa Hauser

Bei der Weltmeisterschaft in Pokljuka krönte sich Hauser nach Silber in der Mixed-Staffel und in der Verfolgung im abschließenden Massenstart zur ersten österreichischen Biathlon-Weltmeisterin überhaupt. Im selben Jahr sicherte sie sich zudem die kleine Kristallkugel in der Einzelwertung.

Auch in den darauffolgenden Jahren blieb sie eine feste Größe in der Weltspitze. Viermal vertrat sie Österreich bei Olympischen Spielen, 2022 in Peking verpasste sie mit Rang vier im Sprint nur hauchdünn eine Medaille. 2023 folgte mit Silber in der Single-Mixed-Staffel gemeinsam mit David Komatz eine weitere WM-Medaille.

Lisa Hauser Farewell

380 Weltcuprennen und sechs Siege
Insgesamt bestritt Hauser mehr als 380 Weltcuprennen, feierte sechs Siege in Einzeldisziplinen, stand 13-mal auf dem Podest und gewann zwei Bewerbe in der Single-Mixed-Staffel an der Seite von Simon Eder. Als erste Österreicherin gelang es ihr, in allen vier Einzeldisziplinen Weltcupsiege zu feiern. Ihren letzten großen Erfolg feierte die K.S.C.-Athletin im vergangenen Dezember mit dem Sieg in der Verfolgung von Östersund.

„Das war keine Entscheidung, die von heute auf morgen gefallen ist, denn der Biathlonsport war über viele Jahre hinweg ein großer Bestandteil meines Lebens. Es hat in den letzten Jahren aber einfach sehr viel Energie gekostet, mit dem Stress und dem Druck umzugehen und in den Rennen dann abzuliefern. Nichtsdestotrotz habe ich den Sport immer extrem gerne gemacht und habe dafür auch gerne auf viele Dinge verzichtet. In letzter Zeit habe ich aber gemerkt, dass sich die Prioritäten in meinem Leben einfach ein bisschen verschoben haben. Der Sport ist nicht mehr das Wichtigste für mich und der Zeitpunkt ist gekommen, um ein neues Kapitel in meinem Leben aufzuschlagen.“

Vorbild für eine ganze Generation
Der Moment des Loslassens fällt ihr dennoch nicht leicht: „Etwas aufzugeben, das man so lange ausgeübt und so sehr geliebt hat, ist schwierig. Aber ich musste einsehen, dass ich die Energie, die es braucht, um im Mai wieder kompromisslos ins Training einzusteigen, einfach nicht mehr aufbringe. Da wollte ich ehrlich zu mir selbst sein. Ich habe diese Entscheidung lange reifen lassen – seit ich sie getroffen habe, geht es mir sehr gut damit.“

„Es hat in den letzten Jahren viel Energie gekostet, mit dem Stress und dem Druck umzugehen.“
Lisa Hauser

Lisa Hauser war nie nur eine erfolgreiche Athletin. Sie war Teamplayerin, Vorbild und Wegbereiterin für den österreichischen Frauen-Biathlon. Mit ihrer ruhigen Art, ihrer Fairness und ihrer Bodenständigkeit prägte sie über Jahre hinweg nicht nur das Team, sondern eine ganze Generation. 2018 wurde sie dafür auch international ausgezeichnet.

Viele schöne Erlebnisse bleiben in Erinnerung
„Wenn ich so zurückblicke, sind es vor allem die Leute, die mir vermutlich für immer in Erinnerung bleiben werden. In so einem Team besteht kein normales Arbeitsverhältnis, denn man ist ständig gemeinsam unterwegs und verbringt auch abseits des Sports extrem viel Zeit miteinander. Gerade diese gemeinsamen Erlebnisse mit meinen Teamkollegen werde ich sehr vermissen.“

Zum Abschied richtet sie den Blick noch einmal dankbar zurück: „Ich möchte mich bei meiner Familie bedanken, die immer hinter mir gestanden ist. Ebenso bei all meinen Sponsoren und langjährigen Partnern. Ich bin nicht immer den geradlinigen Weg gegangen und deshalb möchte ich mich auch bei meinen Trainern der ersten Stunde bedanken. Ebenso bei all meinen Freunden und Kollegen aus anderen Nationen. Die Biathlonfamilie werde ich sehr vermissen.“

„Ich freue mich jetzt erst einmal auf ein Leben mit weniger Struktur und auf mehr Zeit für Dinge, die mich interessieren.“
Lisa Hauser

Nach vielen Jahren mit einem strikt durchgetakteten sportlichen Alltag blickt Hauser nun einem neuen Lebensabschnitt entgegen. „Ich freue mich jetzt erst einmal auf ein Leben mit etwas weniger Struktur und auf mehr Zeit für Dinge, die mich neben dem Sport interessieren. Und davon gibt es viele: Familie, Freunde, Bewegung in der Natur.“

Impressionen einer unglaublichen Karriere:

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