
Bewegung wird in der Volksschule Reith bewusst als Teil des Lernens eingesetzt. Die Kinder lernen früh, selbst wahrzunehmen, welche Bewegung ihnen hilft, konzentriert, ausgeglichen und aufnahmefähig zu bleiben.
Lernen in Bewegung: Volksschule Reith ist Vorzeigeschule
Die Volksschule Reith geht neue Wege – und das mit großem Erfolg. Als einzige Schule im Bezirk erhielt die Bildungseinrichtung heuer das Gütesiegel „Bewegte Schule Österreich“ in der höchsten Stufe III. Sechs weitere Schulen im Bezirk wurden mit dem Gütesiegel der Stufe 1 bewertet, die Volksschule Jochberg mit Stufe 2.
Insgesamt 64 Schüler werde von vier Klassenlehrern (Magdalena Höllwarth, Verena Sammer, Michaela Nothdurfter und Christian Horngacher), einer Lehrerin für Deutsch als Zweitsprache (Liliana Jalba), zwei Religionlehrerinnen (Bettina Widauer, Havva Kaya) einer Schulassistentin (Sarah Gamper) sowie zwei Pädagoginnen in der Schulischen Tagesbetreuung (Carmen Pletzer und Carina Gandler) unterrichtet und betreut. Seit drei Jahren steht Direktor Horst Huber an der Spitze der Schule. Sein Ziel sei von Anfang an klar gewesen: eine moderne, zeitgemäße Schule zu schaffen, in der Bewegung fixer Bestandteil des Alltags ist – nicht nur im Turnunterricht, sondern mitten im Lernen selbst.
Lernen mit allen Sinnen
Wer die Volksschule betritt, merkt schnell, dass hier vieles anders läuft als früher. In den offenen Lernbereichen und Klassenräumen finden sich zahlreiche Bewegungsstationen, die die Kinder jederzeit eigenständig nutzen dürfen. Balanciermöglichkeiten, Wippen, Matten oder Lernspiele am Boden gehören ganz selbstverständlich zum Unterricht dazu. Besonders beliebt ist etwa eine aufgeklebte Tastatur am Boden, auf der neue Wörter „gesprungen“ werden können, um sich die Schreibweise besser einzuprägen.
„Mir ist es lieber, die Kinder bewegen sich und lernen dabei besser, als dass sie stundenlang stillsitzen und nach kurzer Zeit nichts mehr aufnehmen“, erklärt Direktor Huber. Eine Rückmeldung eines Kindes unterstreicht den Effekt: „Schon der Gedanke, dass wir uns jederzeit bewegen dürfen, hilft mir, mich besser zu konzentrieren“, so die Volksschülerin.

Direktor Horst Huber setzt in der VS Reith auf die Erkenntnisse der Wissenschaft. Bewegung ist keine Pause vom Lernen, sondern Voraussetzung dafür, dass Kinder leichter und schneller lernen.
Mehr Konzentration durch Bewegung
Beeindruckend dabei: Die Kinder gehen mit diesen Freiheiten äußerst verantwortungsvoll um. Sie entscheiden selbstständig, wann ihnen Bewegung beim Lernen hilft – ob gehend, springend oder auf einer Wippe sitzend.
Trotz der vielen Freiheiten herrscht in der Schule eine auffallend ruhige Atmosphäre. Beim Lokalaugenschein zeigt sich: Die Kinder wirken ausgeglichen, konzentriert und haben sichtbar Freude am Lernen.
Hinter dem Konzept der Volksschule Reith steht die Überzeugung, dass Kinder durch Bewegung besser lernen und sich gesünder entwickeln. Das moderne Schulgebäude mit offenen Lernlandschaften und großem Garten unterstützt diesen Ansatz und schafft vielfältige Möglichkeiten für Bewegung, Eigenaktivität und gemeinsames Lernen. Auffällig ist dabei vor allem eines: Nahezu alle Kinder sind aktiv beteiligt, niemand sitzt alleine am Rand.
Die große Pause wird in Reith bewusst großzügig gestaltet. Nach den ersten drei Unterrichtsstunden geht es meist für 20 Minuten hinaus ins Freie – manchmal auch etwas länger. „Wenn die Kinder gut beschäftigt sind und das Lernen davor gut funktioniert hat, dann darf die Pause ruhig einmal ein paar Minuten länger dauern“, sagt Huber schmunzelnd.
Für den Direktor ist klar, dass Bewegung gerade im Kindesalter entscheidend ist. Viele Kinder würden heute wichtige Entwicklungsphasen nicht mehr automatisch durchlaufen. Klettern, Rollen oder Balancieren kämen oft zu kurz, während Zeit vor Handy, Computer oder Fernseher zunehme. Das mache sich bereits in fehlender Körperspannung, schwächerer Muskulatur oder Auffälligkeiten bei Fein- und Sensomotorik bemerkbar.
„Oft wird Deutsch oder Mathematik wichtiger genommen als Bewegung. Dabei ist Bewegung das Fundament für die weitere Entwicklung. Körperlich fitte Kinder bringen meist auch bessere schulische Leistungen“, betont Huber.

Bewegung stärkt Körper und Geist
Besonders stolz ist man in Reith natürlich auch auf die sportliche Tradition des Ortes. Die Schule liegt direkt an der Skipiste, auch die Langlaufloipe ist nur wenige Schritte entfernt. Sogar Biathlon-Weltmeisterin Lisa Hauser besuchte einst die Volksschule Reith. Schon damals sei ihr außergewöhnliches sportliches Talent aufgefallen, erinnert sich Horst Huber.
Das Gütesiegel „Bewegte Schule“ ist nicht die einzige Anerkennung, die die VS Reith trägt. Die Schule ist außerdem Teil der Initiative „Die Tägliche Bewegungseinheit“ und des Programms „Super 5 – mit mehr Bewegung durch die Volksschulzeit“. Dazu kommt das neue bundesweite Lese Gütesiegel „Lesen. Deine Superkraft“.
Hervorzuheben ist auch das schulinterne „Glücksfach“ – ein Unterrichtsfach, das in dieser Form in Tirol wohl einzigartig ist und Kinder in Empathie, Konfliktlösung und Selbstwertentwicklung stärkt.
Für Huber ist klar: „Dieser Weg ist nur im Team möglich. Ich bin sehr stolz, mit so engagierten Kolleginnen und Kollegen arbeiten zu dürfen, die aus Überzeugung an einem Strang ziehen – unterstützt von einer Pädagogik im Geiste Viktor Frankls, die auf Sinn, Eigenverantwortung und Freiwilligkeit aufbaut.“