
Die Fieberbrunner Ache im St. Johanner Ortsteil Reitham ist noch nicht verbaut. Hier laufen jetzt die Planungen für mögliche Retentionsmaßnahmen.
Hochwasser-Schutz in St. Johann: Planungen nehmen wieder Fahrt auf
Das Thema Hochwasserschutz beschäftigt den St. Johanner Gemeinderat bereits seit Jahrzehnten. Immer wieder wurde die Marktgemeinde von Hochwasserkatastrophen heimgesucht – besonders in Erinnerung geblieben ist jene im August 2002. Damals standen mehrere Ortsteile unter Wasser. Erste Hochwasserschutzmaßnahmen, etwa im Bereich Sperten, wurden rasch umgesetzt.
Nur ein Baulos bisher realisiert
Nach dem Hochwasserereignis im Jahr 2013 konnte ein Teil der Verbauungsmaßnahmen an der Fieberbrunner Ache in St. Johann realisiert werden. Ein zweites Baulos wurde jedoch vom Umweltministerium auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Nun werden die Pläne wieder aufgegriffen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung präsentierten mehrere geladene Experten ein mögliches Szenario. Bürgermeister Stefan Seiwald war einst selbst Betroffener einer Hochwasser-Katastrophe und betonte die Wichtigkeit der Projekte: „Ich weiß was es heißt, alles zu verlieren.“
In der Sitzung wurden außerdem die Gefahrenzonenpläne für das Steinerbachl sowie das Maurerbachl vorgestellt. Beide Bäche befinden sich im Bereich Weitau. Lukas Kraßnitzer (Land Tirol) und Eva Obereder (AEP GmbH) präsentierten die Pläne, die bereits kommissioniert sind. Bei einem Gefahrenzonenplan handelt es sich um ein spezielles Fachgutachten, das von Bund und Land vorgegeben wird. Diese Expertisen müssen bei Flächenwidmung, Raumordnung und Bauverfahren berücksichtigt werden, wie die beiden Experten informierten.
„Wir haben die beiden Bachverläufe samt Nebengerinnen und Zuläufen untersucht“, erklärte Obereder. Die Ergebnisse sind in einer Gemeindemappe und im Gefahrenzonenplan festgehalten. „Sie bilden die Grundlage für Schutzprojekte beziehungsweise deren Planung und sollen Entscheidungen in der Raumplanung unterstützen“, so Obereder.
Für die geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen – nicht nur für St. Johann, sondern auch für Oberndorf sowie das Hagertal zwischen Erpfendorf und Kössen – haben sich drei Planungsbüros zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Der Wasserwirtschaftsexperte Ingo Niederbichler (iC Flussbau) informierte die Gemeinderäte über die geplanten Retentionsräume, die unter anderem im St. Johanner Ortsteil Reitham entstehen sollen. Ziel sei der Schutz vor hundertjährlichen Hochwasserereignissen.
Sechs Varianten und Nutzwertanalyse
Untersucht wurden sechs Varianten, die unterschiedliche Kombinationen in Oberndorf, St. Johann und am Eingang des Hagertals umfassten. Zusätzlich wurde eine umfassende Nutzwertanalyse mit 16 Kriterien in sechs Themenbereichen durchgeführt: Wasserwirtschaft, Forstwirtschaft, Ökologie, Landschaftsbild, Gesellschaft sowie wirtschaftliche und zeitliche Aspekte.
Wie Niederbichler betonte, können die Maßnahmen ohne größere Steuerungswerke umgesetzt werden. Die Retentionsräume sollen weiterhin landwirtschaftlich nutzbar bleiben und nur bei Hochwasserereignissen geflutet und anschließend wieder entwässert werden.
Last gerecht auf drei Gemeinden verteilt
Die Last der Retentionsräume werde gerecht auf die drei Gemeinden verteilt, sodass keine einzelne Kommune übermäßig belastet werde, stellt Niederbichler klar. Im Rahmen der Planung seien zudem Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerökologie vorgesehen, darunter Uferstrukturierungen, Eingriffe im Flussbett sowie teilweise Gewässeraufweitungen, um dem Fluss wieder mehr Raum zu geben. Nach Abschluss dieser Untersuchungen müssen nun die Einreichprojekte ausgearbeitet werden. Wann die Projekte realisiert werden, steht allerdings noch nicht fest. „Es liegt noch ein langer, langer Weg vor uns“, stellte Seiwald klar.