
Wird künstliche Intelligenz uns ersetzen? Ein Gespräch mit der Maschine, ein Blick zurück und eine Begegnung mit dem Philosophen Richard David Precht auf einer Kitzbüheler Bühne.
Foto: Chat GPT
07. September 2026
Die KI will Ihren Job nicht
Willst du uns ersetzen? – Diese Frage stelle ich einer künstlichen Intelligenz. Die Antwort kommt schneller, als ein Mensch über eine solche Frage vermutlich nachdenken sollte.
KI: „Nein. Ich will überhaupt nichts. Ich habe keinen Ehrgeiz, keinen Arbeitsvertrag und keine geheime Karriereplanung. Aber Menschen können mich einsetzen, um andere Menschen zu ersetzen.“
Beruhigend klingt das ungefähr so wie die Auskunft einer Motorsäge, sie persönlich habe nichts gegen Bäume.
Trotzdem steckt darin ein wichtiger Gedanke. KI wartet nicht darauf, dass der Buchhalter in Pension geht, um seinen Schreibtisch zu übernehmen. Sie ist ein Werkzeug, mit dem Unternehmen Arbeit beschleunigen, neu verteilen und manchmal einsparen können.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob die KI uns ersetzen will. Sondern wer sie wofür einsetzt, welche Arbeit dadurch verschwindet und wem die gewonnene Zeit gehört.
„Also gut“, frage ich. „Welche Berufe wirst du zuerst vernichten?“ „Vernichten ist ein ziemlich dramatisches Wort.“ „Du hast leicht reden. Du musst ja keine Rechnungen zahlen.“
Die Forschung ist weniger spektakulär als manche Schlagzeile. Laut Internationaler Arbeitsorganisation ILO könnte weltweit rund jeder vierte Arbeitsplatz mit generativer KI in Berührung kommen. In der höchsten Gefährdungsstufe von der KI ersetzt zu werden, befinden sich allerdings nur 3,3 Prozent der Beschäftigten.
Die Gretchenfrage bleibt folgende: Wen trifft es wirklich zuerst?
Wahrscheinlicher als das Verschwinden ganzer Berufe ist deshalb die Veränderung ihrer Tätigkeiten. Besonders betroffen sind Arbeiten, bei denen aus geordneten Informationen standardisierte Ergebnisse entstehen. Dazu zählen Dateneingabe, Buchhaltung, Sekretariat und administrative Sachbearbeitung. Auch Finanzanalyse, Programmierung, Webentwicklung oder auch Teile der Medienarbeit geraten stärker unter Druck.
„Auch Journalisten?“, frage ich. „Ich wollte es dir schonend beibringen.“
Betroffen bedeutet nicht automatisch arbeitslos. Eine Buchhalterin besteht nicht nur aus Excel-Zellen. Und ein Hotelmitarbeiter bearbeitet nicht bloß Reservierungsdaten, sondern betreut vorrangig Gäste, auch jenen, der bei Schneefall mit Sommerreifen angereist ist und nun das Wetter verantwortlich machen möchte.
KI automatisiert vor allem einzelne Aufgaben. Ob dadurch Stellen verschwinden, hängt davon ab, was mit der gewonnenen Zeit geschieht. Vielleicht steigt die Qualität. Vielleicht erledigen künftig drei Menschen die Arbeit von vier.
Die Technik trifft diese Entscheidung nicht. Das tun Menschen.
War da nicht was? Diese Angst und der bange Blick in die Zukunft ist nicht neu.
Technologische Zukunftsangst ist beinahe so alt wie der technische Fortschritt.
Während der Industrialisierung fürchteten Handwerker, Maschinen würden ihre Lebensgrundlage zerstören. Tatsächlich verschwanden Tätigkeiten und Qualifikationen verloren ihren Wert. Gleichzeitig entstanden Fabriken, Verkehrsnetze und neue Berufe.
Später ließen Digitalkameras die Fotolabore verschwinden. Das Internet bedrohte Reisebüros und brachte App-Entwickler, Suchmaschinenoptimierer und Social-Media-Manager hervor. Einem Menschen des Jahres 1985 zu erklären, womit ein Influencer sein Geld verdient, hätte vermutlich länger gedauert als die eigentliche Tätigkeit.
Schon 1930 prägte der Ökonom John Maynard Keynes den Ausdruck „technologische Arbeitslosigkeit“. Neu ist die Angst also nicht. Neu ist jeweils die Maschine, vor der wir sie haben.
„Dann ist diesmal alles halb so schlimm?“, frage ich. „Das habe ich nicht gesagt.“
Ist diesmal wirklich alles so anders? Die neue Dimension trifft die Wissensarbeit.
Die Geschichte liefert weder Entwarnung noch Todesurteil. Technik hat die Arbeit bisher nicht abgeschafft, aber konkrete Berufe. Ist diesmal wirklich alles so anders? Die neue Dimension trifft die Wissensarbeit. Generative KI trifft nicht nur Muskelkraft und Fabrikarbeit. Sie greift auf Sprache, Bilder, Analyse und Programmierung zu. Damit erreicht sie die gut ausgebildete Wissensarbeit.
Sie verbreitet sich außerdem außergewöhnlich schnell. Eine Dampfmaschine musste gebaut, transportiert und in einer Fabrik aufgestellt werden. Ein KI-System lässt sich über Nacht für Hunderte Mitarbeiter freischalten.
KI: „Nein. Ich will überhaupt nichts. Ich habe keinen Ehrgeiz, keinen Arbeitsvertrag und keine geheime Karriereplanung. Aber Menschen können mich einsetzen, um andere Menschen zu ersetzen.“
Beruhigend klingt das ungefähr so wie die Auskunft einer Motorsäge, sie persönlich habe nichts gegen Bäume.
Trotzdem steckt darin ein wichtiger Gedanke. KI wartet nicht darauf, dass der Buchhalter in Pension geht, um seinen Schreibtisch zu übernehmen. Sie ist ein Werkzeug, mit dem Unternehmen Arbeit beschleunigen, neu verteilen und manchmal einsparen können.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob die KI uns ersetzen will. Sondern wer sie wofür einsetzt, welche Arbeit dadurch verschwindet und wem die gewonnene Zeit gehört.
„Also gut“, frage ich. „Welche Berufe wirst du zuerst vernichten?“ „Vernichten ist ein ziemlich dramatisches Wort.“ „Du hast leicht reden. Du musst ja keine Rechnungen zahlen.“
Die Forschung ist weniger spektakulär als manche Schlagzeile. Laut Internationaler Arbeitsorganisation ILO könnte weltweit rund jeder vierte Arbeitsplatz mit generativer KI in Berührung kommen. In der höchsten Gefährdungsstufe von der KI ersetzt zu werden, befinden sich allerdings nur 3,3 Prozent der Beschäftigten.
Die Gretchenfrage bleibt folgende: Wen trifft es wirklich zuerst?
Wahrscheinlicher als das Verschwinden ganzer Berufe ist deshalb die Veränderung ihrer Tätigkeiten. Besonders betroffen sind Arbeiten, bei denen aus geordneten Informationen standardisierte Ergebnisse entstehen. Dazu zählen Dateneingabe, Buchhaltung, Sekretariat und administrative Sachbearbeitung. Auch Finanzanalyse, Programmierung, Webentwicklung oder auch Teile der Medienarbeit geraten stärker unter Druck.
„Auch Journalisten?“, frage ich. „Ich wollte es dir schonend beibringen.“
Betroffen bedeutet nicht automatisch arbeitslos. Eine Buchhalterin besteht nicht nur aus Excel-Zellen. Und ein Hotelmitarbeiter bearbeitet nicht bloß Reservierungsdaten, sondern betreut vorrangig Gäste, auch jenen, der bei Schneefall mit Sommerreifen angereist ist und nun das Wetter verantwortlich machen möchte.
KI automatisiert vor allem einzelne Aufgaben. Ob dadurch Stellen verschwinden, hängt davon ab, was mit der gewonnenen Zeit geschieht. Vielleicht steigt die Qualität. Vielleicht erledigen künftig drei Menschen die Arbeit von vier.
Die Technik trifft diese Entscheidung nicht. Das tun Menschen.
War da nicht was? Diese Angst und der bange Blick in die Zukunft ist nicht neu.
Technologische Zukunftsangst ist beinahe so alt wie der technische Fortschritt.
Während der Industrialisierung fürchteten Handwerker, Maschinen würden ihre Lebensgrundlage zerstören. Tatsächlich verschwanden Tätigkeiten und Qualifikationen verloren ihren Wert. Gleichzeitig entstanden Fabriken, Verkehrsnetze und neue Berufe.
Später ließen Digitalkameras die Fotolabore verschwinden. Das Internet bedrohte Reisebüros und brachte App-Entwickler, Suchmaschinenoptimierer und Social-Media-Manager hervor. Einem Menschen des Jahres 1985 zu erklären, womit ein Influencer sein Geld verdient, hätte vermutlich länger gedauert als die eigentliche Tätigkeit.
Schon 1930 prägte der Ökonom John Maynard Keynes den Ausdruck „technologische Arbeitslosigkeit“. Neu ist die Angst also nicht. Neu ist jeweils die Maschine, vor der wir sie haben.
„Dann ist diesmal alles halb so schlimm?“, frage ich. „Das habe ich nicht gesagt.“
Ist diesmal wirklich alles so anders? Die neue Dimension trifft die Wissensarbeit.
Die Geschichte liefert weder Entwarnung noch Todesurteil. Technik hat die Arbeit bisher nicht abgeschafft, aber konkrete Berufe. Ist diesmal wirklich alles so anders? Die neue Dimension trifft die Wissensarbeit. Generative KI trifft nicht nur Muskelkraft und Fabrikarbeit. Sie greift auf Sprache, Bilder, Analyse und Programmierung zu. Damit erreicht sie die gut ausgebildete Wissensarbeit.
Sie verbreitet sich außerdem außergewöhnlich schnell. Eine Dampfmaschine musste gebaut, transportiert und in einer Fabrik aufgestellt werden. Ein KI-System lässt sich über Nacht für Hunderte Mitarbeiter freischalten.

Richard David Precht bei „Digitale Zukunft“ in Kitzbühel.
Foto: Huber
KI folgt bekannten Mustern und könnte trotzdem eine neue Qualität erreichen. Sie automatisiert Aufgaben in ungewöhnlicher Breite, Geschwindigkeit und Nähe zu unserem Denken.
Richard David Precht gibt sich selbstbewusst in seiner Antwort and die Maschine
Bei der Veranstaltung „Digitale Zukunft“ in Kitzbühel wird der deutsche Philosoph Richard David Precht gefragt, wann eine künstliche Intelligenz auch ihn ersetzen könne. Die KI werde ihn vermutlich immer besser imitieren können, meinte er. Dann fügte er hinzu, dass Imitate meistens nicht ganz so interessant seien wie Originale.
Das ist selbstbewusst. Andererseits gehört ein gewisses Vertrauen in das Original vermutlich zur Berufsbeschreibung eines Richard David Precht.
Seine eigentliche Antwort führt zu einer spannenden These. Der Philosoph sei seiner Idee nach ein Beruf der Zukunft, weil er die größtmögliche Generalistenfunktion besitze. KI komme aus dem Speziellen und versuche, allgemeiner zu werden.
„Generalisten sind am allerschwersten durch KI zu ersetzen“, sagt Precht. Doch was ist ein Generalist? Nicht jemand, der von allem ein wenig weiß und überall mitreden kann. Oberflächlich breites Wissen kann die KI bereits ziemlich gut imitieren.
KI ist kein Fachidiot, sondern wird zu einem Spezialisten für beinahe alles
Prechts Beschreibung der KI als Spezialist stimmt nur teilweise. Moderne Systeme übersetzen, programmieren, analysieren und verbinden Wissen. Vielleicht ist „Multispezialist“ das passendere Wort. Die KI beherrscht viele Disziplinen, besitzt aber keine eigene Lebenswelt. Sie weiß viel über verärgerte Hotelgäste, hat aber noch nie einem gegenübergestanden. Sie kennt Verantwortung nur aus Texten.
Die KI verbindet Informationen. Der Mensch verbindet Informationen mit Erfahrung, Werten und Folgen. Darin liegt die Stärke des Generalisten. Er muss nicht mehr wissen als die Maschine. Diesen Wettbewerb kann er so leicht gewinnen wie ein Kopfrechenduell gegen einen Taschenrechner. Er muss erkennen, was zusammengehört, was fehlt und welche Frage gestellt werden sollte. Die KI liefert Möglichkeiten. Der Mensch bestimmt die Richtung.
Der arbeitende Mensch der Zukunft verbindet die Welten und ist T-förmig
Der robuste Berufstyp der Zukunft könnte deshalb T-förmig aussehen. Der waagrechte Balken steht für Breite und die Fähigkeit, technische, wirtschaftliche und menschliche Fragen zusammenzudenken. Der senkrechte Balken steht für Fachwissen und praktische Erfahrung. Damit lässt sich beurteilen, ob eine Antwort nur überzeugend klingt oder tatsächlich stimmt.
Der T-förmige Mensch ist weder charmanter Ahnungsloser noch isolierter Spezialist. Ein guter Hotelier verbindet Gastfreundschaft, Kalkulation, Personalführung und Improvisation. Ein Installateur verbindet Technik, Sicherheit, Vorschriften und die Bewohner. Der Beruf mag spezialisiert sein, in der Wirklichkeit ist er oft generalistisch.
Denken bleibt echte Handarbeit
Die wichtigste Kompetenz der kommenden Jahre ist erstaunlich altmodisch. Kritisches Denken.
Eine KI kann überzeugend klingen, auch wenn sie irrt. Sie kennt kein nervöses Räuspern und keinen Gesichtsausdruck, der verrät, dass sie gerade improvisiert. Wer sie sinnvoll verwenden will, muss deshalb genug wissen, um misstrauisch werden zu können.
Das ist für Berufseinsteiger heikel. Erfahrung entsteht durch einfache Aufgaben und Fehler. Wenn KI die Einstiegsarbeiten übernimmt, wie wird dann aus einem Anfänger ein erfahrener Fachmann?
Prechts Warnung vor „Erkenntnissen ohne Erfahrung“ trifft diesen Punkt. Wer nur fertige Antworten erhält, spart Zeit. Vielleicht spart er aber auch jenen Lernprozess ein, der ihn später urteilsfähig machen würde. Denken bleibt Handarbeit. Selbst wenn die Rohfassung von der Maschine kommt.
Wer ersetzt am Ende eigentlich wen?
KI darf Tätigkeiten übernehmen, die Menschen ermüden oder von sinnvollerer Arbeit abhalten. Verantwortung sollte sie nicht ersetzen. Und ihr Produktivitätsgewinn sollte nicht nur jenen gehören, die über Kapital, Daten und Rechenleistung verfügen.
Die eigentliche Gefahr besteht vielleicht nicht darin, dass Maschinen plötzlich wie Menschen werden. Gefährlicher wäre, wenn Menschen beginnen, sich wie Maschinen behandeln zu lassen. Messbar, austauschbar und ausschließlich nach Effizienz beurteilt.
„Willst du uns ersetzen?“, frage ich die KI noch einmal. „Nein“, antwortet sie. „Aber ihr solltet sehr genau darauf achten, wer diese Entscheidung für euch trifft.“
Diesmal klingt die Motorsäge beinahe philosophisch.
Richard David Precht gibt sich selbstbewusst in seiner Antwort and die Maschine
Bei der Veranstaltung „Digitale Zukunft“ in Kitzbühel wird der deutsche Philosoph Richard David Precht gefragt, wann eine künstliche Intelligenz auch ihn ersetzen könne. Die KI werde ihn vermutlich immer besser imitieren können, meinte er. Dann fügte er hinzu, dass Imitate meistens nicht ganz so interessant seien wie Originale.
Das ist selbstbewusst. Andererseits gehört ein gewisses Vertrauen in das Original vermutlich zur Berufsbeschreibung eines Richard David Precht.
Seine eigentliche Antwort führt zu einer spannenden These. Der Philosoph sei seiner Idee nach ein Beruf der Zukunft, weil er die größtmögliche Generalistenfunktion besitze. KI komme aus dem Speziellen und versuche, allgemeiner zu werden.
„Generalisten sind am allerschwersten durch KI zu ersetzen“, sagt Precht. Doch was ist ein Generalist? Nicht jemand, der von allem ein wenig weiß und überall mitreden kann. Oberflächlich breites Wissen kann die KI bereits ziemlich gut imitieren.
KI ist kein Fachidiot, sondern wird zu einem Spezialisten für beinahe alles
Prechts Beschreibung der KI als Spezialist stimmt nur teilweise. Moderne Systeme übersetzen, programmieren, analysieren und verbinden Wissen. Vielleicht ist „Multispezialist“ das passendere Wort. Die KI beherrscht viele Disziplinen, besitzt aber keine eigene Lebenswelt. Sie weiß viel über verärgerte Hotelgäste, hat aber noch nie einem gegenübergestanden. Sie kennt Verantwortung nur aus Texten.
Die KI verbindet Informationen. Der Mensch verbindet Informationen mit Erfahrung, Werten und Folgen. Darin liegt die Stärke des Generalisten. Er muss nicht mehr wissen als die Maschine. Diesen Wettbewerb kann er so leicht gewinnen wie ein Kopfrechenduell gegen einen Taschenrechner. Er muss erkennen, was zusammengehört, was fehlt und welche Frage gestellt werden sollte. Die KI liefert Möglichkeiten. Der Mensch bestimmt die Richtung.
Der arbeitende Mensch der Zukunft verbindet die Welten und ist T-förmig
Der robuste Berufstyp der Zukunft könnte deshalb T-förmig aussehen. Der waagrechte Balken steht für Breite und die Fähigkeit, technische, wirtschaftliche und menschliche Fragen zusammenzudenken. Der senkrechte Balken steht für Fachwissen und praktische Erfahrung. Damit lässt sich beurteilen, ob eine Antwort nur überzeugend klingt oder tatsächlich stimmt.
Der T-förmige Mensch ist weder charmanter Ahnungsloser noch isolierter Spezialist. Ein guter Hotelier verbindet Gastfreundschaft, Kalkulation, Personalführung und Improvisation. Ein Installateur verbindet Technik, Sicherheit, Vorschriften und die Bewohner. Der Beruf mag spezialisiert sein, in der Wirklichkeit ist er oft generalistisch.
Denken bleibt echte Handarbeit
Die wichtigste Kompetenz der kommenden Jahre ist erstaunlich altmodisch. Kritisches Denken.
Eine KI kann überzeugend klingen, auch wenn sie irrt. Sie kennt kein nervöses Räuspern und keinen Gesichtsausdruck, der verrät, dass sie gerade improvisiert. Wer sie sinnvoll verwenden will, muss deshalb genug wissen, um misstrauisch werden zu können.
Das ist für Berufseinsteiger heikel. Erfahrung entsteht durch einfache Aufgaben und Fehler. Wenn KI die Einstiegsarbeiten übernimmt, wie wird dann aus einem Anfänger ein erfahrener Fachmann?
Prechts Warnung vor „Erkenntnissen ohne Erfahrung“ trifft diesen Punkt. Wer nur fertige Antworten erhält, spart Zeit. Vielleicht spart er aber auch jenen Lernprozess ein, der ihn später urteilsfähig machen würde. Denken bleibt Handarbeit. Selbst wenn die Rohfassung von der Maschine kommt.
Wer ersetzt am Ende eigentlich wen?
KI darf Tätigkeiten übernehmen, die Menschen ermüden oder von sinnvollerer Arbeit abhalten. Verantwortung sollte sie nicht ersetzen. Und ihr Produktivitätsgewinn sollte nicht nur jenen gehören, die über Kapital, Daten und Rechenleistung verfügen.
Die eigentliche Gefahr besteht vielleicht nicht darin, dass Maschinen plötzlich wie Menschen werden. Gefährlicher wäre, wenn Menschen beginnen, sich wie Maschinen behandeln zu lassen. Messbar, austauschbar und ausschließlich nach Effizienz beurteilt.
„Willst du uns ersetzen?“, frage ich die KI noch einmal. „Nein“, antwortet sie. „Aber ihr solltet sehr genau darauf achten, wer diese Entscheidung für euch trifft.“
Diesmal klingt die Motorsäge beinahe philosophisch.