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Kitzbüheler Anzeiger
Horngipfelfrühstück

Als der Aufstieg begann: 100 Jahre Seilbahnwirtschaft in Tirol

Vor 100 Jahren begann in Tirol eine Entwicklung, die weit mehr veränderte als nur den Weg auf den Berg. Die Branche feiert die Eröffnung der Tiroler Zugspitzbahn im Jahr 1926 als Startschuss der Tiroler Seilbahngeschichte. Was damals als technische Pionierleistung galt, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Gerade der Bezirk Kitzbühel zeigt, wie eng Seilbahnen, Wintersport, Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung miteinander verbunden sind.

Vom technischen Wagnis zum Wirtschaftsmotor

Bereits beim Bau der Tiroler Zugspitzbahn spielte die wirtschaftliche Entwicklung einer Region eine zentrale Rolle. Der Reuttener Rechtsanwalt Hermann Stern sah in dem Projekt eine Chance, das damals wirtschaftlich benachteiligte Außerfern zu beleben.
Aufbauend auf Großprojekten wie der Tiroler Zugspitzbahn sowie der Raxseilbahn – beide 1926 eröffnet –, der Schmittenhöhebahn, der Feuerkogel-Bahn, der Kanzelbahn und der Pfänderbahn, die nur wenig später folgten, begann die gezielte Erschließung der Alpen.

Auch Kitzbühel zählt zu den frühen Seilbahnpionieren. Die Hahnenkammbahn gehört zu den ersten Großkabinenbahnen Österreichs und wurde zu einem wichtigen Zubringer auf den Berg. Über Jahrzehnte entwickelte sich daraus eine touristische Infrastruktur, die heute weit über die eigentliche Beförderungsleistung hinausreicht.Die Bergbahn Kitzbühel ist inzwischen ein wichtiger Baustein im Gefüge des heimischen Tourismus. Die jüngste Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres unterstreicht das: Mit rund 1,42 Millionen Erstzutritten im Winter und deutlich über 300.000 Gästen im Sommer verzeichnete KitzSki deutliche Zuwächse gegenüber dem Vorjahr, wie das Unternehmen vermeldete. Für Anton Bodner, Vorstandsvorsitzender der Bergbahn AG Kitzbühel, ist die Rolle des Unternehmens deshalb wesentlich breiter gefasst. „Als Leitbetrieb für die Region haben wir sehr viele Anknüpfungspunkte in nahezu alle Bereiche der Gesellschaft hinein – weit über den Tourismus hinaus“, betont er.


Pionierzeit Seilbahnen
Ein Bild aus den Anfangstagen,
als die Kitzbüheler Seilbahnwirtschaft
noch in den Kinderschuhen steckte.
Grundlage für ganze Tourismusregionen
„Natürlich ist es unsere Aufgabe, erfolgreich zu sein und vor allem wirtschaftlich eigenständig und stark zu bleiben. Gleichzeitig steht dahinter immer ganz klar der Gedanke, einen Mehrwert für die Region und für die Menschen zu schaffen“, beschreibt Bodner den Anspruch.

Welche Wirkung Bergbahnen entfalten können, zeigte sich schon früh. Sie schaffen Zugang, bringen Gäste auf den Berg und bilden damit eine wesentliche Voraussetzung für zahlreiche weitere touristische Angebote. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Entwicklung entsprechend stark an Fahrt auf. Im ganzen Land entstanden neue Sessel- und Schlepplifte, auch in der Region wurden entscheidende Grundlagen für die heutige Tourismusstruktur geschaffen. Auf eine stolze Geschichte verwiesen kürzlich etwa die Bergbahnen Westendorf anlässlich ihres 80-Jahr-Jubiläums: „Was in den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren mit einer kühnen Vision begann, ist heute eine der großen Erfolgsgeschichten der Tiroler Seilbahnwirtschaft: Der erste Sessellift zur Alpenrosenhütte, 1948 als ‚größter Skilift Österreichs‘ eröffnet, legte den Grundstein für ein Unternehmen, das seit 1985 als Teil der SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental Gäste aus aller Welt begeistert.“
Ein Meilenstein war auch der Salvenlift in Hopfgarten. Der Einsersessellift auf die Hohe Salve war damals der längste Sessellift Europas und gilt als Grundstein der heutigen SkiWelt Wilder Kaiser – Brixental.

Mit der Kitz 3S-Bahn entstand im Winter 2004/05 in den Kitzbüheler Alpen zudem eine Seilbahn, die für den österreichischen Seilbahnbau einen wichtigen Entwicklungsschritt markierte. Die Anlage verbindet den Pengelstein bei Kirchberg mit der Wurzhöhe bei Jochberg und war die erste Dreiseilumlaufbahn Österreichs.

19 Seilbahnbetriebe im Bezirk Kitzbühel angesiedelt
Heute geht es bei der Weiterentwicklung der Seilbahnen nicht mehr vorwiegend um neue Erschließungen – der Schwerpunkt liegt zunehmend auf Qualität und der Modernisierung bestehender Anlagen.

Die Dimension der Branche ist beachtlich: Tirolweit gibt es aktuell 175 Seilbahn- und Schleppliftbetriebe mit insgesamt 871 Anlagen. Allein im Bezirk Kitzbühel sind 19 Betriebe angesiedelt.
Wie stark die wirtschaftliche Wirkung der Bergbahnen inzwischen ist, zeigen die Zahlen der Tiroler Seilbahnbranche. Der Bruttoumsatz durch Seilbahnnutzer liegt jährlich bei 6,3 Milliarden Euro.
Es zeigt sich, dass die wirtschaftliche Bedeutung nicht an der Kassa der Bergbahn endet. Gäste benötigen Unterkünfte, besuchen Restaurants und Hütten, buchen Skischulen, kaufen oder leihen Sportausrüstung und nutzen zahlreiche weitere Dienstleistungen.

Gäste, die Bergbahnen nutzen, bleiben im Durchschnitt 7,4 Tage in Tirol
In der Wintersaison 2024/25 verzeichneten Tirols Bahnen rund 25 Millionen Skier Days. Als Skier Day wird gezählt, wenn ein Gast an einem Tag erstmals eine Liftanlage nutzt (Ersteintritt). Auch bei mehrmaliger Beförderung wird an diesem Tag pro Gast nur ein Skier Day gezählt. Weitere Branchendaten zeigen: Winterurlaube mit Seilbahnnutzung lösen in Tirol insgesamt 21,3 Millionen Nächtigungen aus. Gäste, die Bergbahnen nutzen, bleiben im Durchschnitt 7,4 Tage in Tirol. Bei Gästen ohne Bergbahnnutzung sind es im Vergleich dazu durchschnittlich 5,7 Tage.

Besonders deutlich wird die wirtschaftliche Bedeutung beim Blick auf die Beschäftigung. Direkt bei den Tiroler Seilbahnunternehmen arbeiten 7.500 Mitarbeiter in Voll- oder Teilzeit. Davon sind 3.300 ganzjährig beschäftigt, weitere 4.200 arbeiten als Saisonkräfte im Winter. Neue und modernisierte Seilbahnen sind zudem Auftraggeber für zahlreiche weitere Branchen.
Besonders eindrucksvoll ist der sogenannte Wertschöpfungsmultiplikator: 1.000 Euro Umsatz von Seilbahnen lösen laut Branchenberechnung 7.400 Euro Wertschöpfung in der Region aus.

Der Sommer wird zum Wirtschaftsfaktor
Eine der größten Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte betrifft die Nutzung außerhalb des Winters. Viele Seilbahnen entwickeln sich zunehmend von saisonalen Skibahnen zu Ganzjahresbetrieben. Zahlreiche Erlebniswelten bzw. Anziehungspunkte an den Bergstationen begleiten diese Entwicklung. Auch der Bikesport gewinnt an Bedeutung.
Die Zahlen zeigen, dass der Bergsommer längst erhebliche wirtschaftliche Bedeutung besitzt. Drei von vier Sommergästen nutzen Bergbahnen, und zwar durchschnittlich an 40 Prozent ihrer Aufenthaltstage.


Die durchschnittlichen Ausgaben pro Übernachtungsgast in Tirol mit Bergbahnbenutzung im Sommer werden mit 177 Euro angegeben. Für die Regionen bedeutet die stärkere Sommernutzung: Bestehende Infrastruktur wird über einen längeren Zeitraum ausgelastet, zusätzliche Zielgruppen werden angesprochen und Wertschöpfung sowie Beschäftigung können stärker über das gesamte Jahr verteilt werden.

Die Entwicklung geht weiter: Was aus einer technischen Aufstiegshilfe entstanden ist, wurde ein wesentlicher Bestandteil der regionalen Infrastruktur und ein Wirtschaftsfaktor, dessen Wirkung weit über den Berg hinausreicht.