Zum Inhalt springen
Kitzbüheler AnzeigerJob AnzeigerImpulsServus
Kitzbüheler Anzeiger
Symbolbild Hände Netzwerk Arbeit Team

Netze mit Nutzen – Warum persönliche Treffen jetzt wichtiger sind denn je

Business-Netzwerke sind bekanntlich nicht erst gestern erfunden worden. Es gibt sie in vielfältiger Ausprägung und unter verschiedensten Dachorganisationen – auch in der Region. Selbst das Wort „netzwerken“ steht schon seit dem Jahr 2004 im Duden. Doch die menschliche Vernetzung von Angesicht zu Angesicht hat jüngst an eigener Dynamik gewonnen: Ganz aktuell sind wieder neue Formate dazugekommen.

Dabei geht es nicht ums Übertrumpfen mit Visitenkarten oder Kontaktformularen, sondern man trifft sich auf einer Veranstaltung – gerne in Frühstücksform, oder auch After Work – um sich zu unterhalten und sich zu wichtigen Themen auszutauschen.
Und das, obwohl es dank des technischen Fortschritts noch nie so einfach war wie heute, mit Businesspartnern aus aller Welt Kontakt zu halten, sogar ohne vom Bürostuhl aufstehen zu müssen.

Ein Beispiel: Das neu gegründete Netzwerk WeitSichtFrau
Erst diesen Mai wurde das neue Netzwerk „WeitSichtFrau“ von Andrea Aldosser und Andrea Weiskopf aus Hopfgarten ins Leben gerufen. Schon bei der Auftaktveranstaltung unterstrichen die Gründerinnen: „Unser Verein basiert auf fünf Säulen: Die erste ist die wichtigste: Netzwerk und Gemeinschaft.“ Natürlich gibt es bereits Frauennetzwerke. Andrea Aldosser erzählt, dass sich das Duo sehr genau angesehen habe, welche Angebote schon vorhanden sind. Viele Netzwerke sind auf bestimmte Themen oder Bereiche spezialisiert. WeitSichtFrau fasst seinen Ansatz breiter: „Wir möchten unterschiedliche Frauen zusammenbringen und daraus neue Verbindungen und Möglichkeiten entstehen lassen. “

Wie die Erfahrungen aus den ersten Treffen von WeitSichtFrau zeigen, reicht es bei Weitem nicht aus, alles digital abzuwickeln, wie Andrea Aldosser unterstreicht. Es geht um den persönlichen Kontakt. „Dieses Echte, dieses Pure, dieses Authentische ist das Wichtigste überhaupt.“ Die Vernetzungen im Rahmen von physischen Veranstaltungen sind wichtig, sie haben aber das Potenzial für mehr: „Was wir bereits jetzt feststellen: Sehr viele Frauen kommen auf uns zu und sagen, was sie selbst beitragen oder anbieten könnten. Genau daraus kann ein Netzwerk wachsen. Eine bringt Wissen zu einem bestimmten Thema mit, eine andere kennt jemanden, der weiterhelfen kann, eine dritte möchte sich aktiv einbringen. Dadurch entstehen neue Kontakte, mehr Sichtbarkeit und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit“, freut sich Aldosser. Wachsen will WeitSichtFrau auch weiterhin, laufende Veranstaltungen und Entwicklungsmöglichkeiten stehen am Plan.

Mitte August lud die Plattform „Together“ zudem zu einem „Collective Afterwork“ nach Kirchberg. Die Veranstaltung war der Unterland-Auftakt des Formats und soll unterschiedlichste Menschen dazu ermuntern, Wirtschaft neu zu denken.

„Collective Afterwork“: Nicht nur Kontakte sammeln, sondern Beziehungen aufbauen
„Wir möchten einen Raum schaffen, in dem Menschen nicht nur Kontakte sammeln, sondern echte Beziehungen aufbauen können“, erklären die Organisatorinnen Stefanie Reitmaier (Homebase St. Johann) und Michaela Kasper-Furtner (Projektleitung des soi HUB Regionalmanagement Kitzbüheler Alpen). „„Ein wertvolles Netzwerk entsteht durch Vertrauen, gegenseitige Inspiration und den ehrlichen Austausch darüber, was Menschen und Unternehmen wirklich bewegt.“ Und dies sind nur zwei aktuelle Beispiele von vielen Initiativen, die in der Region für Vernetzung sorgen.

Wenn man Glück hat, passiert bei echten Begegnungen wahre Magie
Doch warum ist das eigentlich so, dass wir lieber von Angesicht zu Angesicht kommunizieren anstatt unsere Treffen auf die digitalen Kanäle „auszulagern“ und damit Zeit zu sparen? Warum plagen wir uns überhaupt noch mit Menschen ab, wenn doch Künstliche Intelligenz scheinbar die Antwort auf alles hat?

Diplompsychologin Petra Ritter führt aus: „KI versetzt uns auf sensationelle Weise ins Staunen, und zwar auf jede erdenkliche Art und mit allen fühlbaren Emotionen von Freude, Überraschung bis Verzweiflung und Wut. Die echte Begegnung schafft KI aber nicht! Aber warum eigentlich? Es geht um Kontakt und Resonanz!“

Begegnung, sagt sie, ist viel mehr als nur ein Austausch von Information oder Aufeinandertreffen von Menschen. „Da passiert – wenn man Glück hat und auf die passenden Menschen trifft – beinah Magie! Nun gut, einiges lässt sich längst aus der Neuropsychologie und Hirnforschung empirisch erklären. Wie sich aber eine gute Begegnung herstellen lässt, geht weit über unseren Verstand und unser Verhalten hinaus. Das macht sie auch so ‚fancy‘. Wir können sie nicht ‚machen‘, ‚programmieren‘ oder ‚dauerhaft besitzen‘“.
Wir brauchen die Begegnung, um besser mit Überlastung fertig zu werden
Klar, Menschen sind manchmal auch anstrengend. Sie tun etwas, was die KI so gut wie nie macht: Sie widersprechen. Sie haben zum Teil komplett gegensätzliche Ansichten und es ist mühsam, sich da auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Die Diplompsychologin zitiert dazu Laurence Heller: „Beziehung ist unsere tiefste Sehnsucht und größte Angst“. Und sie hält fest: „Wer sich vor genau dieser Angst schützen will, könnte auf die Idee kommen, sich von echter Nähe lieber ganz zu verabschieden. Mit der KI ist man da nämlich auf der sichereren Seite – das Herz bleibt mit Sicherheit unversehrt, aber eben auch ungenährt.“
Petra Ritter Porträt
KI versetzt uns auf sensationelle
Weise ins Staunen, und zwar auf jede
erdenkliche Art und mit allen fühl-
baren Emotionen von Freude, Über-
raschung bis Verzweiflung und Wut.
Die echte Begegnung schafft KI aber
nicht! Aber warum eigentlich? Es geht
um Kontakt und Resonanz!“
Die Sehnsucht nach der Gemeinschaft ist dabei tief verwurzelt: „Wir Menschen brauchen echte Menschen um uns und mit uns, um nicht den Verstand zu verlieren. Wir brauchen die Begegnung sogar, um leichter mit Anspannung und Überlastung fertig zu werden“, sagt Petra Ritter.

„Wir Menschen regulieren uns kurz gesagt am schnellsten in einer guten Beziehung – also in Verbindung mit anderen. Wer hochwertige soziale Beziehungen erleben darf, hat sogar kulturübergreifend ein gesünderes und glücklicheres Leben.“ In guter Gesellschaft dürfen wir Menschen sein. Wir werden lockerer, wir entspannen uns. „Darüber hinaus entsteht in der guten Begegnung auch gegenseitiges Verständnis und das wiederum kann regelrecht Glückshormone ausschütten. Wir sprechen hier von einer ‚neuronalen Synchronisation‘ : Wenn sich Gehirne aufeinander einstellen – das kann man tatsächlich am MRT beobachten – und sich Menschen im selben Gedankenkreis befinden, dann ist die Lebendigkeit und Wachheit nicht zu toppen. Das ist dann eine Art geistige Verschmelzung oder Kopplung – man lebt in Resonanz und das ist unser höchstes Gut“, zeigt die Expertin auf.

„Entzünde dein Leben und suche jene, die deine Flammen nähren“
Abschließend hat Petra Ritter noch einen Tipp parat: „Der persische Dichter Rumi brachte es bereits im 13. Jahrhundert mit dem Zitat auf den Punkt: ‚Entzünde dein Leben und suche jene, die deine Flammen nähren!‘ – Also halten Sie mal die Augen offen und schauen Sie, wer da alles so rund um Sie rumläuft – Sie werden staunen!“