
Richard David Precht diskutiert über digitale Zukunft in Kitzbühel
Es war ein Abend, der beim Publikum noch lange nachwirken wird. Mit der Veranstaltung „Digitale Zukunft“ ist dem Verein Kitzbühel Digital am vergangenen Donnerstag im Rasmushof ein besonderer Coup gelungen. Mit Richard David Precht gastierte einer der bekanntesten Philosophen und gesellschaftlichen Denker im deutschsprachigen Raum in Kitzbühel. Gemeinsam mit Tech-Expertin Lisa Höllbacher und Zukunftsforscher Christoph Holz entstand ein Abend, der informativ, unterhaltsam und inspirierend zugleich war. Moderiert wurde die Veranstaltung von Winfried Schwatlo und Obmann Thorsten Peisl, der schon zu Beginn deutlich machte, worum es dem Verein geht.

Der Vorstand des Digitalvereins Kitzbühel mit den Podiumsgästen sowie Moderator Winfried Schwatlo (1. v.r.): Michael Ladurner, Thorsten Peisl, Stefan Pletzer, Richard David Precht, Lisa Höllbacher, Stefan Niedermoser, Christoph Holz, Alexander Etz, Jenny Koller und Michael Kübel (von links.).
Denkräume für den Bezirk
Digitale Themen sollen in den Bezirk gebracht, Denkräume geöffnet und Menschen miteinander ins Gespräch gebracht werden. Was folgte, war keine klassische Vortragsreihe, sondern ein lebendiger Austausch voller Thesen, Gegenthesen und pointierter Diskussionen. Dabei wurde philosophiert, hinterfragt und auch gelacht. Gerade das Zusammenspiel der drei Persönlichkeiten verlieh dem Abend eine besondere Dynamik. Während Christoph Holz die Chancen künstlicher Intelligenz betonte und davon sprach, dass kleine Unternehmen künftig vor allem durch menschliche Beziehungen punkten könnten, brachte Lisa Höllbacher eine gesellschaftliche Perspektive ein. Technologie, so ihre zentrale Botschaft, sei im Kern nie nur technisch, sondern immer menschlich. Sie müsse Probleme lösen, die Menschen betreffen. Deshalb müsse man zuerst verstehen, was Menschen wirklich bewegt. Ihre Botschaft war klar. „Wenn alle denselben Zielen hinterherlaufen, werde die Gesellschaft lenkbar.“ Gleichzeitig bezeichnete sie KI als Spiegel unserer selbst und damit auch als Chance, neue Fragen über Gemeinschaft, Sinn und Zukunft zu stellen.
Precht als Brückenbauer
Richard David Precht schaffte es, das Publikum in besonderer Weise in seinen Bann zu ziehen. Dabei hatte er nicht den Anspruch, fertige Antworten auf alle Zukunftsfragen zu liefern. Im Gegenteil. Philosophen hätten, so Precht mit feiner Selbstironie, eigentlich „keine Kompetenz“. Ihre Kompetenz schwimme vielmehr „im Meer von Inkompetenz“. Gerade darin liege aber ihre besondere Aufgabe. Der Philosoph verbinde die einzelnen „Inseln von Kompetenz“. Und genau das tat Precht an diesem Abend. Er ordnete technische Entwicklungen nicht nur ein, sondern setzte sie in Beziehung zu Demokratie, Bildung, Arbeit, Kultur und menschlicher Erfahrung.

„Philosophen verbinden die Inseln der Kompetenz in einem Meer von Inkompetenz."
Richard David Precht, Philosoph.
Inhaltlich besonders wertvoll wurde der Abend dort, wo es um das zweckfreie Denken ging. Um jenes Denken also, das keinem unmittelbaren Nutzen, keiner Kennzahl und keiner Optimierungslogik folgt. In einer immer stärkeren „Performance-Kultur“, in der vieles auf Effizienz und ständige Selbstverbesserung ausgerichtet ist, erinnerten Precht und Höllbacher daran, wie menschlich und wie notwendig solche Freiräume sind. Ununterbrochenes Optimieren geht auf Kosten von Neugier, Leidenschaft und innerer Beweglichkeit. Auch künstliche Intelligenz birgt hier eine Gefahr. Viele Wege des Nachdenkens, Ausprobierens und Erforschens müssen scheinbar nicht mehr gegangen werden. Ergebnisse sind sofort da. Erkenntnisse entstehen ohne Erfahrung. Doch Ziele zu erreichen, betonte Precht, war nie das eigentliche Ziel. Entscheidend ist, was Menschen unterwegs lernen, erleben und an sich selbst entdecken.
Digitale Perspektiven schaffen
Mit diesem Format gelang es dem Digitalverein, neue Blickwinkel für die digitale Zukunft und andere große Fragen zu schaffen und das auf allerhöchstem Niveau.