
Auf der Kellerwiese sollen 97 neue Wohnungen entstehen. Der Grundsatzbeschluss fiel im Gemeinderat nicht einstimmig aus.
Neues Konzept für Wohnbauprojekt auf der Kellerwiese
Die Kellerwiese – ein 7.800 Quadratmeter großes Grundstück in Privateigentum, das zwischen der Eurotours Firmenzentrale und der Zufahrt zu den Siedlungen Sinwell und Burgstall gelegen ist. Nördlich wird es von den Bahngleisen, südlich von der Brixental Straße begrenzt. Dieser „staubige Parkplatz“, wie er von einigen Mandataren bezeichnet wird, hat im Kommunalgeschehen der Gamsstadt eine mehrjährige Historie vorzuweisen. Denn der gemeinnützige Wohnbauträger TirolerWohnbau (ehemals WE) will auf diesem Areal neuen Wohnraum schaffen – per Baurecht auf 70 Jahre.
Doch das Bauvorhaben an der westlichen Ortseinfahrt der Gamsstadt stieß bekanntlich nicht bei allen Kitzbühelern auf ungeteilte Zustimmung. Der Grundsatzbeschluss über einen Wohnblock mit 220 Mitarbeiterquartieren im Dezember 2024 kam mit den ÖVP- und FPÖ-Stimmen mehrheitlich zustande, der Kitzbüheler Anzeiger berichtete.
Auf Petition folgte neues Konzept
Die Petition „Stoppen wir gemeinsam den Bauwahnsinn Kellerwiese“, die im Vorjahr von den Sozialdemokraten, Unabhängigen Kitzbühelern und Grünen initiiert wurde, bewirkte in weiterer Folge eine Überarbeitung des Konzepts mit kolportierten 170 Personalwohnungen durch die Tiroler Wohnbau. Im Dezember 2025 wurde das Thema Kellerwiese kurzerhand von der Tagesordnung genommen.
„Wir sind glücklich, dass die Petition ein Umdenken bewirkt hat. Es konnte ein riesiger Wohnsilo verhindert werden.“
Walter Zimmermann, SPÖ-Vizebürgermeister
In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde das neue Bebauungskonzept präsentiert: Es enthält fünf Baukörper mit insgesamt 97 Wohneinheiten. Drei Gebäude sollen laut Planung in Richtung Nordosten (Blickrichtung Wilder Kaiser) an den Bahngleisen errichtet werden. Dabei handle es sich um 56 wohnbaugeförderte Zwei-, Drei und Vierzimmer-Mietwohnungen für Einheimische, wie Bgm. Klaus Winkler erläuterte.
56 Wohnungen für Einheimische
Reduziert wird nach vorliegenden Plänen hingegen die Anzahl der Personalunterkünfte: Zwei weitere Baukörper, die an der Brixental Straße entstehen sollen, sind als Mitarbeiter-Häuser mit gesamt 41 Wohneinheiten (Ein- und Zwei-Zimmer) vorgesehen. Die Höhe der Gebäudekörper richte sich nach der Höhe der benachbarten Eurotours Firmenzentrale, erläuterte Winkler. Das heißt im Klartext: Erdgeschoss plus jeweils drei Etagen. Entstehen soll außerdem eine Tiefgarage; mehrere Grünstreifen zwischen den Wohnblöcken sind überdies vorgesehen. Das Vergaberecht liege bei der Stadt Kitzbühel – sowohl für die Personalunterkünfte, als auch für die wohnbaugeförderten Mietwohnungen.
338 Anträge im Wohnungsamt
Bei SPÖ-Vizebürgermeister Walter Zimmermann stieß das neue Konzept für die Kellerwiese auf offene Ohren. Dass dem Wunsch der Oppositionsparteien gemäß nicht nur Personalunterkünfte, sondern auch Einheimischenwohnungen entstehen, sei ein Mehrwert für die Kitzbüheler Bevölkerung. Für den angespannten Wohnungsmarkt werde das neue Kellerwiesen-Projekt eine Entlastung bringen, sind die Sozialdemokraten überzeugt.
Die Warteliste im städtischen Wohnungsamt ist lang – aktuell seien 338 Wohnungssuchende vorgemerkt, wie Referentin Hedi Haidegger (VP) erklärte.
„Wir fordern zuerst eine Bedarfserhebung. Die UK wird daher an der Abstimmung nicht teilnehmen.“
Traudi Nothegger, UK-Stadträtin
UK-Stadträtin Gertraud Nothegger forderte hingegen eine Bedarfserhebung und fragte: „Braucht Kitzbühel überhaupt derart viele neue Wohnungen?" Sie verwies gleichzeitig auf weitere Siedlungsprojekte, die sich bereits in der Warteschleife befinden.
Teil von Kitzbühels Wohnbau-Offensive
Stadtchef Klaus Winkler stellte unmissverständlich klar: „Derzeit stehen 184 Einheiten vor der Realisierung, darunter 40 Einheiten am Hausstattfeld, weitere 47 am Malernweg und eben diese 97 auf der Kellerwiese.“
„In Kitzbühel wurde Wohnraum für 400 Familien geschaffen. Weitere 184 Einheiten sind im Entstehen.“
Klaus Winkler, Bürgermeister Kitzbühel
Abriss und Neubau von zwei Objekten durch die NHT seien Zukunftsmusik, ebenso die Errichtung eines Vier-Familien-Wohnhauses in Sonngrub, teilte er auf Anfrage dem Kitzbüheler Anzeiger mit. Insgesamt, so der Bürgermeister stolz, habe die Stadt Kitzbühel in den vergangenen 20 Jahren Wohnraum für rund 400 Familien geschaffen.
Das Abstimmungsergebnis spiegelt die Widersprüchlichkeit der Meinungen wider: 14 Mandatare gaben grünes Licht, zwei enthielten sich. Die drei UK-Gemeinderäte verweigerten die Stimmabgabe.