
Die inzwischen selten gewordenen Mauersegler sind oft Patienten in der Auffangstation.
Hitze wird für Jungvögel zur Gefahr
Die anhaltenden Hitzeperioden stellen auch die Mitglieder des Tierschutzverein Kitzbühel vor neue Herausforderungen. Immer häufiger müssen verletzte oder geschwächte Jungvögel versorgt werden.
Gleichzeitig erlebt Obfrau Inge Rauchenecker aber auch viel Unterstützung – von engagierten Pflegefamilien, selbstlosen Tierärzten und vor allem von Kindern und Jugendlichen, die sich mit großem Einsatz für den Tierschutz engagieren. Wenn die Temperaturen unter Hausdächern auf weit über 40 Grad steigen, geraten viele Vogelnester zur Hitzefalle.
„Die Jungvögel springen aus lauter Hitze oft viel zu früh aus dem Nest. Finden sie nicht rasch Hilfe, haben sie kaum eine Überlebenschance“, erklärt Rauchenecker. Besonders in den vergangenen Wochen sei die Zahl der gefundenen Nestlinge deutlich gestiegen. Mittlerweile handle es sich bereits um die zweite Brut des Jahres.

Dieser kleine Spatzen-Nestling wurde gefunden und dank der raschen Hilfe einer Tierfreundin gerettet.
Engagierte Helfer im Einsatz
Die Aufzucht der kleinen Vögel verlangt viel Erfahrung und Zeit. Nestlinge müssen – ähnlich wie in der Natur – von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang etwa jede Stunde mit Insekten gefüttert werden. „Das ist für Berufstätige praktisch unmöglich“, erklärt die Obfrau.
Deshalb ist der Verein auf engagierte Helfer angewiesen. Eine wichtige Stütze ist Martina Hasenauer, die „Vogelmama“ aus Kirchberg. Sie kann alle Vogelarten identifizieren und trägt mit ihrem großen Fachwissen entscheidend zur Vogelrettung bei.
Georg und Renata aus Kitzbühel kümmern sich um die Jungvögel während ihrer ersten Lebenswochen, ehe diese zu Vanessa nach Erpfendorf übersiedeln. Dort lernen sie in einer großen Außenvoliere zu fliegen und selbstständig Nahrung aufzunehmen, bevor sie wieder in die Freiheit entlassen werden.
Für Mauersegler und Greifvögel stehen weitere spezialisierte Pflegeplätze zur Verfügung. Auch junge Sperber werden fachkundig aufgezogen und auf ihre Auswilderung vorbereitet.
Allein die Versorgung der Vögel verursacht hohe Kosten. Rund 800 Euro pro Monat gibt der Verein derzeit für Heimchen, Mehlwürmer und weiteres Futter aus. Regelmäßig wird auch tierärztliche Hilfe benötigt. Dabei kann sich der Tierschutzverein auf die Tierärztinnen Cornelia Z’Berg aus Kitzbühel und Jutta Strele aus Westendorf verlassen.
„Unser großer Dank gilt allen, die uns unterstützen – den freiwilligen Helfern, die unzählige Stunden in die Pflege und Aufzucht investieren, ebenso wie Ärztin Z’Berg, die alle Wildtiere kostenlos behandelt, und Strele, die uns in Notfällen auch am Wochenende jederzeit zur Seite steht. Ohne dieses gemeinsame Engagement wäre unsere Arbeit nicht möglich“, betont die Obfrau.
Was tun, wenn ein Jungvogel gefunden wird? Wichtig sei vor allem, dass Finder nicht selbst versuchen, Jungvögel aufzuziehen. „Viele Arten brauchen ausschließlich Insekten. Wasser oder falsches Futter können lebensgefährlich sein“, warnt Rauchenecker. Wer einen hilfsbedürftigen Vogel findet, sollte ihn vorsichtig sichern, warm halten und möglichst rasch den Tierschutzverein oder eine Wildtierstation verständigen.

Auch Greifvögel wie dieser Sperber werden aufgezogen und wieder ausgewildert.
Des einen Glück, des Tieres Unglück
Hochzeitstauben sind kein tierfreundlicher Brauch. Inge Rauchenecker appelliert daher eindringlich, bei Hochzeiten auf das Freilassen weißer Tauben zu verzichten. Die eigens dafür gezüchteten Tiere kennen viele Gefahren nicht und werden nach dem Auflassen häufig Opfer von Greifvögeln oder anderen Angriffen.
„Ein Brauch, der Glück bringen soll, darf nicht mit dem Leid eines Tieres verbunden sein“, betont sie. Mehr Informationen zum Tierschutzverein Kitzbühel gibt es im Internet und tierschutz-kitzbuehel.at abrufbar oder unter der Tel. 0664/8600 636. Inge Rauchenecker und ihre Mitstreiter freuen sich natürlich auch über Spenden.
Kinder für Tierschutz begeistern
Neben der täglichen Hilfe für Tiere ist dem Tierschutzverein Kitzbühel auch die Bewusstseinsbildung bei jungen Menschen ein wichtiges Anliegen. Besonders beeindruckt zeigte sich die Obfrau vom TSV Kitzbühel Inge Rauchenecker von einem Projekt von Schülern am Gymnasium St. Johann.
Schülerinnen verkauften selbstgemachte Waffeln und spendeten den Erlös von 150 Euro an den Tierschutzverein. Zwei Schüler organisierten sogar beim Reither Dorffest ein Dosenwerfen und sammelten dabei mehr als 500 Euro für den Verein.

Der Tierschutzverein lud Kinder und Jugendliche zu einem Ausflug zum Gut Aiderbichl ein.
Einladung zum Gut Aiderbichl
Auch die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist dem Tierschutzverein Kitzbühel ein großes Anliegen. Deshalb finanzierte der Verein auch heuer eine Fahrt zum Gut Aiderbichl und lud dazu Kinder der Montessori-Schule in St. Johann sowie der Mittelschule Kitzbühel ein.
Dort können die Kinder zahlreiche gerettete Tiere kennenlernen und mehr über deren Geschichten erfahren. „Die Kinder sind unglaublich wissbegierig. Man muss ihnen nur spannende Themen näherbringen“, sagt Rauchenecker. Der Verein sehe darin eine wichtige Investition in die Zukunft: „Die Kinder sind die Tierschützer von morgen.“

Franz Josef und Mattheus vor ihrer Hütte am Reither Dorffest.
Hilfe weiterhin notwendig
Trotz aller Herausforderungen blickt der Tierschutzverein Kitzbühel positiv in die Zukunft. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung sei groß. Gleichzeitig bittet sie alle Tierfreunde, den Verein weiterhin zu unterstützen – sei es durch Spenden, Pflegeplätze oder einfach dadurch, verletzte Tiere rasch zu den zuständigen Stellen zu bringen. Denn oft entscheiden wenige Stunden über Leben und Tod.
„Ohne tierliebende Menschen, die uns finanziell oder durch ihren persönlichen Einsatz unterstützen, könnten wir diese wichtige Arbeit nicht leisten“, betont Inge. „Jede Hilfe kommt unmittelbar den Tieren zugute und trägt dazu bei, dass wir auch weiterhin für sie da sein können.“

Mattheus übergab die Spenden des Projektes „Dosenwerfen“ an Inge Rauchenecker.