
Isabell Huter, Geschäftsführerin der Musik Kultur St. Johann erzählt über ihre Erfahrungen und Zukunftspläne als Geschäftsführerin des Kulturvereines.
Isabell Hutter lebt für die Kultur im Bezirk
Neue Formate, frische Impulse und die Weiterentwicklung bewährter Reihen: Isabell Huter spricht im Interview über Veränderungen und neue Schwerpunkte beim Kulturverein MuKu St. Johann.
Wie war das erste Jahr an der Spitze?
Im Großen und Ganzen war das Jahr sehr erfolgreich – sowohl für das ganze Haus insgesamt als auch in Bezug auf die Zuschauerzahlen und die Formate, die wir teilweise neu eingeführt haben. Wir sind sehr zufrieden. Für mich persönlich ein sehr intensives und arbeitsreiches Jahr.
Wir haben eine neue Konzertschiene eingeführt, die „upbeat explosion“. Diese bewegt sich im Ska-Punk-Bereich und wird gemeinsam mit Stefano Santagata umgesetzt. Das Angebot wurde auch durch die Kooperation mit der Homebase sehr gut angenommen. Das Format ist neu, hat sich sehr bewährt und wir werden es auch weiterführen. Geplant sind künftig zwei Veranstaltungen.
Was sich noch getan hat: die „Jam Nights“ sind zurück in der Alten Gerberei, zusammen mit Gordy & Friends. Das war auch ein Experiment, wir wollten sehen, ob es für uns umsetzbar ist. Das hat auch super funktioniert. Nur ein paar Termine weniger wird es geben, da das Programm insgesamt sehr dicht ist. Aber wir sind froh, jungen Musikern wieder die Möglichkeit zu geben auf einer Bühne aufzutreten und sich auszuprobieren. Es ist uns sehr wichtig, dass dieses Format bestehen bleibt. Weiters arbeiten wir wieder mehr mit der Musikschule zusammen.
Bei MuKu selbst hat sich im Jahresprogramm nicht so viel getan, es ist konstant geblieben. Die Kinoschiene „Sommerkino Lunaplexx“ war leider wettertechnisch nicht so erfolgreich, aber das hast du nicht in der Hand. Die frei improvisierte Jazzschiene wird weiterhin – heuer noch unter der Kuratierung von Hans Oberlechner – fortgeführt.
Neue Formate im Programm
Mir ist es als Geschäftsführerin wichtig, noch mehr in die Breite zu denken. Es gibt zum Beispiel einzelne Klassikkonzerte und eine Ballettaufführung – das hatten wir noch nie.
Am 10. Dezember findet ein Konzert mit Voodoo Jürgens statt. Mit dem Theater „praesent“ sind wir im Gespräch, da wird es wahrscheinlich ebenfalls ein Stück im Dezember geben, damit ist mir wichtig im feministischen Bereich etwas zu tun.
Natürlich geht das alles nur step-by-step. Es ist auch immer eine Geldfrage. Die Personen, die bei uns mitarbeiten sind immer ehrenamtlich involviert, das passt oft nicht in deren Arbeitszeit und da müssen wir darauf achten, dass das nicht zu sehr ausufert.
Die Asphalt!-Konzerte mit jungen Newcomer-Bands fanden im letzten Jahr regelmäßiger statt und kamen sehr gut an, besonders bei jungen Menschen im Bezirk. Das führe ich so weiter – mit dem Gedanken, ein möglichst breites Publikum anzusprechen.
Klar, man interessiert sich nicht für alles, aber es gibt für jeden Geschmack etwas. Wir hören auch öfter von Veranstaltungs-Kollegen, dass es nicht zwingend so ist, dass sie in den Städten mehr Publikum bei den Konzerten haben. Ich finde es beeindruckend, dass St. Johann und Umgebung so ein starkes Publikum hat, welches wirklich regelmäßig zu Konzerten geht. Das stimmt mich sehr zuversichtlich für die Zukunft.
Speziell auch in der jetzigen Zeit sehe ich es als unsere Aufgabe, gerade als Kulturinitiative am Land, diversen negativen Entwicklungen gegenzusteuern.
Sei es im Kino oder bei Konzerten, du beschäftigst dich mit etwas Gutem, denkst anders über Dinge nach und kommst raus aus diesem „Alles ist negativ“.
Gab es etwas, was du ganz anders machst?
Was ich dieses Jahr einführen werde, ist, dass wir zwei Wochen verteilt im Jahr spielfrei haben. Das haben wir im Moment nicht, in den letzten paar Jahren hat sich das Programm sehr erweitert – wir sind am Höchststand, es wird immer mehr und ich will nichts komplett weglassen aber etwas eingrenzen oder kompakter gestalten. Das würde ich gerne probieren, ich weiß aber nicht, ob es funktionieren wird.
Analoger Kinoprojektor wird wiederbelebt
Eine spannende, ganz neue Geschichte war im Vorjahr auch die Wiederbelebung des analogen Kinoprojektors in Kooperation mit dem Diametrale Filmfestival. Das ist auch ein Zukunftsprojekt. Das Leo Kino in Innsbruck hat einige Filme dafür im Verleih. Es sind nicht mehr viele von diesen Projektoren im Umlauf. Neben uns verfügen das Leo Kino in Innsbruck und DAS KINO in Salzburg über solche Projektoren. Es ist einfach ein anders Feeling, ein anderes Bild. Das wäre noch etwas, was mir am Herzen liegen würde.
So eine Kulturinitiative hat im Grunde kaum Grenzen, nur Zeit und Geld sind oft Grenzen.
Wie waren die Reaktionen auf den Geschäftsführerwechsel?
Manche Termine mache ich noch mit Hans gemeinsam – er hat den Job 30 Jahre lang gemacht. Aber ich wollte einen Neustart, und das ist uns glaube ich auch gelungen.
Auch wenn sehr vieles gleich bleibt, ist es trotzdem ein neues Team. Hans ist seine Person, ich bin meine Person und das passt so, wir arbeiten gut zusammen, aber jetzt ist es einfach anders.
Ich war lange nicht in St. Johann, sondern mehr im Ausland, und deshalb nicht so involviert. Deswegen gibt es mir gegenüber, glaube ich, wenig Vorurteile. Das ist meine Chance.