
Waidring um 1840.
Waidrings Geschichte reicht weit zurück
Schon zur Römerzeit lag das Leukental in einem Grenzbereich, nämlich zwischen den Provinzen Rätien und Noricum. Es gehörte zum Landbezirk – heute würde man wohl sagen „zur Bezirkshauptmannschaft“ – von Juvavum (Salzburg). Das Gebiet umfasste das heutige Bundesland Salzburg nördlich des Tauernhauptkamms, das ganze Land östlich des Inns von Wörgl bis zum Zusammenfluss von Inn und Salzach bei Braunau, das Innviertel, das Mondseeland, den Attergau und Teile des steirischen Ennstales. Es bildete während des frühen Mittelalters die Basis für die Entstehung der Diözese Salzburg.
Wichtige Verbindung über den Pass Strub
Schon damals war die Verkehrsverbindung von Salzburg über den Pass Strub ins Inntal und später zum „Lanndt- und Erzstift Salzburg“ von Bedeutung. Wie überall an den späteren „Haupt- und Poststraßen“ entstand auch an der Reichenhaller oder Tiroler Straße (B 1 und B 178) im Zweimeilenabstand (eine deutsche Meile misst 7,5 km), also alle 15 km, eine größere Ortschaft: Salzburg – Reichenhall – Unken – Lofer/Waidring – St. Johann im Leukental. Hier schuf man Tavernen und später Poststationen, weil in diesen Abständen Reisende Mittagsrast hielten oder ein Nachtlager suchten.
Mit Übernahme des Herzogtums der Bayern durch die Agilolfinger im späten 6. Jahrhundert setzte die christliche Missionierung von Norden her ein. Regensburg, Passau und Freising sollten das Alpenvorland der römischen Kirche zuführen. Das Leukental scheint von Passau aus erschlossen worden zu sein, wie das Stephanspatrozinium in Kirchdorf vermuten lässt. Bei der karolingischen Einteilung im 9. Jahrhundert wurde die Grafschaft im Leukental aber dem Bischof von Regensburg übergeben.
Holz aus Waidring für 20 Salzpfannen
Um 700 hatte der hl. Rupert begonnen, von Salzburg aus den Südosten Europas zu missionieren. Als wirtschaftliche Basis dafür erhielt er von den Bayernherzogen großen Grundbesitz, umfangreiche Waldungen und 20 Salzpfannen in Reichenhall geschenkt. Zum Betrieb der Salzpfannen benötigte man viel Holz.
Lange Teil der Diözese Chiemsee
Deshalb erhielt jeder Salzpfannenbesitzer Waldanteile im Einzugsbereich der Saalach mitübereignet, um betriebsfähig zu sein. Einer solchen Schenkung verdanken wir die erste urkundliche Nennung von Waidring (Waitheringin).
Graf Gebhard von Burghausen übergab Anfang Jänner 1147 als Vogt dem Doppelkloster St. Peter in Salzburg seinen Salinenanteil in Reichenhall im Tausch gegen ein Gut in Landshut. Zu diesem Salinenanteil gehörten ein Viertelhof und eine Hube, sowie der sechste Teil des Waldes zu Waidring. Überliefert ist diese Eintragung in lateinischer Sprache im Verbrüderungsbuch von St. Peter, das 774 von Bischof Virgil begonnen worden war.
Im Jahr 1216 gründete der Erzbischof von Salzburg innerhalb seiner eigenen Erzdiözese das Bistum Chiemsee und wies dem Bischof das Gebiet vom Chiemsee bis Jochberg und vom Pass Strub bis zum Inntal zu. Der Bischof hatte keine eigene Kathedralkirche, residierte als Weihbischof in Salzburg und hatte in St. Johann im Leukental eine „Pastoralresidenz“. Das Bistum Chiemsee bestand bis in die Napoleonische Zeit.
Dr. Friederike Zaisberger (Salzburg) verfasste einen übersichtlichen Beitrag für „850 Jahre Waidring“, der hier verkürzt nachgedruckt wird.