
Wintertouristen am Waidringer Dorfplatz (um 1930).
Rudi Manesch dokumentiert Waidrings Geschichte
Die Gemeinde Waidring gestaltete das Jahr 1997 zu einem großen Jubiläumsjahr. Anlass war die Erinnerung an ein 850 Jahre altes Schriftstück im Archiv der Erzabtei St. Peter in Salzburg. Dort ist ein 1147 erfolgter Grundtausch festgehalten, in dem erstmals „Waitheringin“ genannt wurde.
Nun sollte an die Bedeutung des Dorfes an einer in Krieg und Frieden wichtigen Passstraße mit Handwerksbetrieben ebenso erinnert werden wie an die ungewöhnlich frühe Entwicklung als Sommerfrische- und Erholungsort schon ab 1870.
Ein Höhepunkt der Feiern war der historische Festzug im August mit 37 Gruppen. Viele Vereine dokumentierten mit großem Fleiß und Begeisterung die Entwicklung in der Land- und Forstwirtschaft, im Verkehrswesen, in Tourismus und Gewerbe, im Gesellschaftsleben und im Sport und die Bedeutung der Grenzfestungen im Pass Strub.
Bei der Vorbereitung waren Rudolf Manesch und Hans Steiner bei Familien und Vereinen unterwegs, um alte Fotos aufzuspüren. In Dachböden und Abstellräumen fand man alte Aufnahmen, die nur mehr schwer zuzuordnen waren. Der Aufruf war sehr erfolgreich: Familien und Vereine stellten Fotos zur Verfügung und erhielten nicht nur neue Abzüge, sondern auch Hinweise zu Personen und Themen.
Bildband über „850 Jahre Waidring“
Als Anerkennung für die Mitarbeit bei dem umfangreichen Programm des Jubiläumsjahres brachte die Gemeinde den Bildband „850 Jahre Waidring“ heraus, in dem alle Aktivitäten zusammengefasst wurden.
Die Dokumentation wurde von der Bevölkerung bestens aufgenommen und war bald vergriffen. Ortschronist Hans Steiner, Rudi Manesch, Gottfried Rier, Klaus Kogler und Martin Weicker hatten das Gemeinschaftswerk geschaffen. Die Salzburger Historikerin Dr. Friederike Zaisberger lieferte einen Überblick über Waidring im Dreiländereck.

Blick in das „Koglergassl“ (heute Pillerseestraße) gegen die Steinplatte, links hinter dem Diechtlerbauer, vorne Badhaus und Dorfschmied, rechts „beim Wagner“ (Wohnhaus und Werkstätte). Aufnahme um 1910.
Der Erfolg des 110 Seiten starken Buches führte zu Überlegungen für eine Fotochronik, in der die Entwicklung des Dorfes ab dem Beginn der Fotografie im Mittelpunkt stehen sollte. Wieder wurde auf Textabhandlungen verzichtet. Es konnten bemerkenswerte Details und Darstellungen ab dem in Waidring frühen Beginn der Fotografie aufgespürt werden.
In der Pionierzeit standen hauptsächlich Menschen im Mittelpunkt und wurden Familienfeste im Bild festgehalten. Auf Namen und Aufnahmezeitpunkte wurde weitgehend verzichtet.
In Waidring hielt man schon am Ende des 19. Jahrhunderts die Bereiche Tourismusentwicklung, Hochzeiten und Jubiläen, den Bau der Wasserversorgung oder das Schadensausmaß nach Naturkatastrophen fest. Die Sommerfrischler schätzten den Postkartenverlag, den der „Kramer“ Kaufmann und Fotograf Kommerzialrat Sepp Kienpointner (1889 – 1961) an seine Gemischtwarenhandlung angeschlossen hatte. Dieser „Bilderschatz“ wurde vom Enkel Heinz Kienpointner aus dem Nachlass der Gemeinde übergeben.

Die Autoren (v.l.): Martin Weicker, Gotttfried Rier, Klaus Reiter, Hans Steiner und Rudi Manesch.
Waidring in vielen ungewöhnlichen Bildern
Die Arbeiten an dem zweiten Buch übernahm wieder das bewährte Team um den Ortschronisten Hans Steiner. Nach etwa zweieinhalb Jahren mühevoller, präziser Kleinarbeit konnten er, Rudolf Manesch, Klaus Reiter, Gottfried Rier und Martin Weicker das Buch „Waidring in Bildern – Altes und Neues“ vorlegen. Rudi Manesch lieferte altes und zum Vergleich ergänzendes aktuelles Bildmaterial.
Rudolf Manesch, Jahrgang 1946, Sohn des Gemeindesekretärs Franz Matthias Manesch und seiner in der Dorfgemeinschaft ebenfalls engagierten Frau Maria, wuchs in das Vereinsleben hinein. Als aktiver Fußballer war er Mitgründer des Sportclubs und wirkte dann auch im Triathlonverein. Die kaufmännische Lehre beim Sägewerk Fritz Klausner in St. Johann war der Start in eine lange Berufslaufbahn. Manesch arbeitete zwanzig Jahre im Raiffeisensektor (Bank und Lagerhaus), war dann zehn Jahre selbstständig tätig und ist seit 30 Jahren bei der Waidringer Bergbahn. Außergewöhnlich ist, dass er in „Altersteilzeit“ noch immer dabei ist.
Als Lehrling begeisterte er sich für das Fotografieren. Dankbar erinnert er sich an die Beratung und Unterstützung durch das Kitzbüheler Fotohaus des bekannten Fotokünstlers Wilhelm Angerer, besonders unter seinem Betriebsnachfolger Kurt Lazzari. Er ist seinem Hobby treu geblieben und verwaltet inzwischen ein Archiv von etwa 15.000 Aufnahmen, die zum größten Teil digitalisiert sind.

Gratulation zum 60. Geburtstag von Landtagspräsident Johann Obermoser (1954), der Jubilar mit den „Gedichtaufsagern“ Viktor Olivier und Maria Manesch, rechts Bürgermeister Peter Hechenbichler.
Dokumentation des Dorfgeschehens
Im Jahr 1973 übernahm Manesch eine besondere Aufgabe. Er dokumentiert seither bei Vereinsfesten die Ausrückungen der Freiwilligen Feuerwehr, der Musikkapelle, der Schützenkompagnie, der Veteranen und das Leben der Sportvereine. Er liefert Fotos von Feiern in der Kirche, hält den Verlust von Bauten fest, zeigt die Erneuerungen von kommunalen Einrichtungen und die wirtschaftlichen Investitionen. Erinnerungen von Familien und Vereinen wurden vor dem Verfall oder der Vernichtung bewahrt und sind ein gesicherter Teil der Dorfgeschichte.
Damit sind die schwierigen Jahre der Weltkriege, der Wiederaufbau, die Entwicklung des Fremdenverkehrs, viele Neu- und Umbauten, aber auch das so wichtige kirchliche Leben und das reiche Vereinsgeschehen festgehalten.
Für den kleinen „Kultur-Führer“, der vom Kulturausschuss aufgelegt wurde, arbeiteten Klaus Kogler und Rudi Manesch zusammen.
Ein besonderes Ereignis sind die Vortragsabende über interessante lokale Themen und Persönlichkeiten, die Hans Steiner und Rudi Manesch gestalten.

Die Postautolinie St. Johann – Lofer – Bad Reichenhall hatte eine „Eilfahrtlinie“. Im Bild die Haltestelle vor dem Gasthaus Post (1911).

Das „Derlerhaus“ von Christian Soder, Bauernhaus mit Gemischtwarenhandlung, im Dorfzentrum (Aufnahme 1904).