
Die Pirchner Orgel der Stadtpfarrkirche Kitzbühel als Mittelpunkt der Internationalen Orgelakademie.
Klingende Töne der Orgelakademie
Seit 2018 gibt es in Kitzbühel die Internationale Orgelakademie, mittlerweile höchst erfolgreich und renommiert. Der Kitzbüheler Anzeiger hat die künstlerische Leiterin Katharina Königsfeld zum Gespräch getroffen.
Wie ist die Internationale Orgelakademie entstanden?
„Es gab in Kitzbühel den Franz-Schmidt-Orgelwettbewerb, der in der Orgelwelt recht bekannt war. Dieser ist nach Wien abgewandert und danach war der Wunsch nach einer Fortführung da, da war einiges in der Schwebe. Ich selbst bin über Jahre hinweg nach Cervo gefahren, ein kleines ligurisches Dorf in Italien. Dort gibt es eine Sommerakademie, zur Vorbereitung auf Prüfungen, auf Wettbewerbe. Mein Musikprofessor und Mentor war der künstlerische Leiter. Das ist in 30 Jahre angewachsen auf über 150 Studenten auf mindestens 15 Professoren mit den Instrumenten Klavier, verschiedene Streichinstrumente und Gesang - eine Kombination aus Dozentenkonzerten, Meisterkursen, also hochqualifizierter Arbeit und Urlaub. Vom Lern- und Erfolgsstatus konnte man weit mehr mitnehmen als von so manch Standardversion solcher Akademien. Ich dachte, das könnte auch in Kitzbühel möglich sein. Die Berge, das Grün, die Sonne, die Kuhglocken – es ist ja alles inspirierend. Aber trotzdem mit dem Focus auf Weltklasseniveau Unterricht, gezielt auf dem Instrument der Orgel, weil das hier eben schon Tradition hatte. Beim Land haben wir 2017 mit der Idee offene Türen angetroffen, das war ein Riesenglück. Ein Jahr später fand die Orgelakademie dann in der Form das erste Mal statt.“
Wie sieht das Resümee nach dieser ersten Zeit aus?
„Schon damals war klar, wir werden rund fünf Jahre brauchen, um zu sehen, wie die Resonanz ist. Die Covid Jahre abgezogen, sind wir da nun und können berichten: es wird von den Studenten angenommen, diese Dreierkombi aus Dozentenkonzert, Meisterkursen und dem kleinen Wettbewerb am Schluss. Im besten Fall kann ein Student, eine Studentin noch mit Preisgeld nach Hause fahren und was im Lebenslauf stehen haben zusätzlich zum Unterricht. Und das hat sich rumgesprochen. Wir haben uns augenscheinlich einen sehr, sehr guten Ruf erarbeitet, denn wir haben dieses Jahr 15 Studentinnen und Studenten aus aller Welt mit sensationellen Lebensläufen. Wir können stolz sagen, es hat sich etabliert. Zudem hatten wir von Anfang an das Glück, dass unsere Preisträger dann in Folge andere, große Wettbewerbe gewonnen haben. Das ist das Beste, was uns passieren konnte, wir sind praktisch ein Erfolgsgarant.“

Köpfe der Internationalen Orgelakademie: Katharina Königsfeld mit Hanspeter Jöchl (vorne) und Professor Matthias Maierhofer, Professor Hannfried Lucke und Franziska Gruber (hinten von links).
Wer steht hinter der Orgelakademie?
Wir sind ein gutes, starkes Trio. Damals, als ich mir überlegt habe, wer würde in diese Version passen, hatte ich sofort Matthias Mayerhofer auf dem Schirm. Er hat damals selbst den Franz-Schmidt-Wettbewerb gewonnen, war dann in den USA Professor und ist nun Domorganist am Freiburger Münster. Er kommt aus dieser Leipziger Linie, die für die Orgelmusik wahnsinnig wichtig ist, ist einfach ein sensationeller Spieler und auch ein guter Pädagoge. Er war einfach meine Nummer eins und als er sofort zugesagt hat gedacht ich: Cool, wenn Matthias kommt, dann ist schon mal die Hälfte in trockenen Tüchern. Dann war da Hannfried Lucke, der ist Vizerektor des Mozarteums, den habe ich mich anfangs gar nicht zu fragen getraut, weil der so vielbeschäftig ist, parallel ist er künstlerischer Leiter der Sommerakademie.
Aber dann dachte ich, ich habe nichts zu verlieren und er hat zugesagt. Und das ist ein Dreamteam, jeder hat Respekt vor der Leistung des anderen, jeder unterrichtet etwas unterschiedlich und trotzdem ergibt es am Ende ein Gesamtbild für den Studenten. Wir brauchen verschiedene Aspekte aber der Grundweg passt zusammen und ich hoffe sehr, dass wir das in den nächsten Jahren noch so gemeinsam weiterführen können. Die Freude ist einfach das Wichtigste an der Musik, das geben wir alle drei weiter. Natürlich ist es Talent, wobei das ist eigentlich das Wenigste, es ist ganz viel Fleiß und Struktur, Organisation. Das muss eine Berufung sein, kein Beruf. Erst so beginnt die Musik zu leben und gerade die Orgelmusik betrifft das. Wir brauchen, dass die Orgel lebt. Wir brauchen eine Balance. Wir unterrichten hier Hochkultur, allerhöchste Fähigkeiten am Instrument, wie die Studenten dann damit weiter umgehen, kann jeder selbst entscheiden. Aber die Möglichkeiten die Orgel in Szene zu setzen sind weit größer.
Zudem darf ich nicht vergessen zu betonen, dass das alles nie ohne das ganze Team, ohne die Menschen im Hintergrund wie ein Hans Peter Jöchl von der Stadt Kitzbühel möglich wäre und nicht ohne unsere Atmosphäre.“

Das sind die Teilnehmer der internationalen Orgelakademie Kitzbühel mit ihren Dozenten und Organisatoren.
Wie sehen die Zukunftspläne aus?
Wenn wir von Kitzbühel ausgehen, kann man sagen: Ja was macht denn da so eine Orgelakademie? Aber wir dürfen mit Stolz und Recht behaupten, dass wir einen Riesenimpact für die Orgelwelt haben, weil wir eben diese Erfolgsquote haben. Da steht in vielen Lebensläufen dann Kitzbühel, Maria-Hofer-Orgelwettbewerb oder Orgelakademie Kitzbühel drin. Was jetzt nicht für Funk und Fernsehen interessant ist, aber für die Welt der Klassik und der Orgelwelt ist es das. Mein Wunsch, meine Vision wäre es ein bisschen am Rahmenprogramm zu arbeiten, dass wir diese Dozentenkonzerte vielleicht noch ausbauen. Sodass wir vielleicht – und dann kommen wir jetzt in eine Kitzbühel-Vision – dann auch Gäste haben, die wegen der Orgelakademie anreisen. Die wissen, da findet Orgelmusik auf Weltklasseniveau statt. Aber um das machen zu können müssen wir sicher sein, dass wir die Basis dessen auf hohem Niveau durchführen können. Und da darf ich nicht vergessen mich für die große Unterstützung zu bedanken. Der Rotstift wird immer strenger angesetzt. Ich glaube, dass Kultur in jeder Form, die Live-Atmosphäre und Emotion, die brauchen wir auch gesellschaftlich. Es gibt viel zurück, es gibt ein Miteinander.“
Der Königin der Instrumente kann man im Rahmen des Maria-Hofer-Wettbewerb am Donnerstag, 30. Juli um 20 Uhr an der großen Metzler Orgel in der Pfarrkirche in Hopfgarten live erleben. Das Finale findet am Samstag, 1. August um 17 Uhr an der Pirchner Orgel in der Stadtpfarrkirche Kitzbühel statt. Das Publikum ist eingeladen neben der internationalen Fachjury abzustimmen und über die Vergabe des Publikum Preises mitzuentscheiden. Der Eintritt ist frei, eine sensationelle Gelegenheit, die man nicht verpassen sollte.
Achtung Programmänderung
Am Freitag, 31.7. um 20.00 Uhr findet an Stelle des „Alle Register“ Konzertes ein Liederabend „Quintessenz“ mit Starsopranistin Claire Elizabeth Craig, begleitet am Klavier von Katharina Königsfeld, statt.