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Kitzbüheler Anzeiger
Dr. Stefan Kastner, Dr

Ärztekammerpräsident Stefan Kastner (links) und der St. Johanner Arzt Peter Lidinsky informieren über die Probleme.

Kassenärzte schlagen Alarm: Versorgung am Limit

Die wohnortnahe und qualitativ hochwertige kassenärztliche Versorgung in Tirol gerät zunehmend unter Druck. Darauf machen die Verantwortlichen der Ärztekammer aufmerksam. Kassenärzte sehen sich mit einem Mangel an besetzten Stellen, steigenden Patientenzahlen, strengen Limitierungen im Honorarsystem und wachsender Bürokratie konfrontiert.

Gemeinsam mit dem St. Johanner Allgemeinmediziner Peter Lidinsky schilderte Ärztekammer-Präsident Stefan Kastner die angespannte Lage. Die seit Jahren absehbare Verschärfung sei mittlerweile in vielen Fachrichtungen deutlich spürbar und habe sich zuletzt weiter zugespitzt.

Aktuell sind in Tirol sind 29 Kassenstellen unbesetzt, darunter zwölf in der Allgemeinmedizin und 17 im fachärztlichen Bereich. Dies führt dazu, dass bestehende Ordinationen deutlich mehr Patienten versorgen müssen und Wartezeiten zunehmen.

Nach wie vor freie Kassenarztstelle
Besonders gravierend ist die Situation in einzelnen Regionen. Lidinsky berichtet aus der Praxis: „In St. Johann gibt es drei Stellen für Allgemeinmedizin, von denen eine jedoch unbesetzt ist. Zudem sind im Bezirk Kitzbühel beide Stellen für Kinder- und Jugendheilkunde unbesetzt, was zu einem zusätzlichen Problem in der Basisversorgung führt.“

Neben dem Ärztemangel erschweren auch bürokratische Anforderungen den Alltag in den Ordinationen erheblich. Dazu zählen etwa aufwendige Dokumentationspflichten, Bewilligungsverfahren und fehlende Ansprechpartner bei der Sozialversicherung, heißt es.

Ein zentraler Kritikpunkt ist das bestehende Honorarsystem. Dieses ermögliche eine ausreichende Vergütung oft nur durch die Behandlung möglichst vieler Patienten in kurzer Zeit, während zeitintensive Gespräche nur eingeschränkt honoriert werden. Auch Abrechnungsgrenzen verschärfen die Situation: Werden bestimmte Leistungszahlen überschritten, halbieren sich die Tarife, wodurch Mehrarbeit teilweise schlechter bezahlt wird.

Die Ärztekammer fordert daher Reformen seitens der Sozialversicherung. Neben einer fairen Abgeltung brauche es weniger Bürokratie und gezielte Maßnahmen zur Attraktivierung des Kassensystems. Auch der Ausbau von Primärversorgungseinheiten könne nur ein Teil der Lösung sein.

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