
Derby-Fluch gebrochen: St. Johann schlägt Kitzbühel
15 Jahre lang musste der SK St. Johann auf einen Sieg im Bezirksderby gegen den FC Kitzbühel warten. Am Samstagnachmittag war es endlich so weit: Vor rund 900 Zuschauern im Koasastadion feierten die Hausherren einen umjubelten 2:0 Erfolg gegen den Nachbarn aus Kitzbühel. Bei windigen und kalten Bedingungen wurde der „Saints Clásico“ zu einem besonderen Fußballnachmittag, an dem sich die St. Johanner für eine disziplinierte Mannschaftsleistung belohnten.
Die Vorzeichen versprachen bereits im Vorfeld Spannung. Die vergangenen beiden direkten Duelle waren jeweils mit einem Unentschieden zu Ende gegangen, davor hatte meist der FC Kitzbühel die Oberhand behalten. Diesmal sollte die lange Durststrecke der St. Johanner jedoch ein Ende finden.

Ein Derby mit besonderer Atmosphäre
Trotz der ungemütlichen Witterung ließen sich rund 900 Fußballbegeisterte das prestigeträchtige Duell nicht entgehen. Auch Kitzbühels Bürgermeister Dr. Klaus Winkler sowie St. Johanns Bürgermsiter Mag. Stefan Seiwald waren unter den Besuchern und übernahmen gemeinsam mit Matchsponsor Peter Seiwald den Ehrenanstoß.
Ein gemeinsames Mannschaftsfoto beider Teams bildete den Auftakt zu einer Begegnung, die nicht nur aufgrund der geografischen Nähe von besonderer Bedeutung war. Denn obwohl beide Vereine aus dem Bezirk Kitzbühel stammen, unterscheiden sich ihre bisherigen Erfahrungen in der Regionalliga West deutlich.
Während der FC Kitzbühel bereits seit Jahren auf diesem Niveau vertreten ist, bestreitet der SK St. Johann seine erste Saison in der Regionalliga West. Ein Blick auf die Spieler verdeutlicht diesen Unterschied. St. Johanns Maximilian Seeber ging mit 13 Regionalliga-Einsätzen in das Derby, während Kitzbühels Raul Baur bereits 109 Spiele auf diesem Niveau absolviert hatte. Auf dem Platz sollten diese Erfahrungswerte allerdings keine entscheidende Rolle spielen.
Die Anfangsphase war von gegenseitigem Abtasten geprägt. Beide Mannschaften agierten konzentriert und versuchten zunächst, keine Fehler zu machen. St. Johann stand defensiv gut organisiert und ließ den Gästen aus Kitzbühel nur wenig Raum. Gefährlich wurde es für die Hausherren hauptsächlich nach Einwürfen und Freistößen. Aus dem laufenden Spiel heraus konnten sich beide Teams kaum klare Torchancen erarbeiten.

Bereits in der 17. Minute musste Kitzbühel personell reagieren. Benedikt Huber verließ das Feld, für ihn kam Tim Feichtner in die Partie. Aufseiten der St. Johanner wurde in der 26. Minute Thomas Herwig durch Florian Schuler ersetzt.
Bis zur Halbzeit blieb es beim torlosen Unentschieden. Die rund 900 Zuschauer hatten zwar noch keine Tore gesehen, dafür aber eine intensive und umkämpfte Derbybegegnung.
Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild. St. Johann agierte nun zielstrebiger, suchte häufiger den Weg nach vorne und versuchte, die Räume hinter der Kitzbüheler Defensive zu nutzen. Bereits in der 48. Minute wurden die Hausherren dafür belohnt. Elias Prosic erzielte das 1:0 und brachte das Koasastadion erstmals an diesem Nachmittag zum Beben.
Für Kitzbühel war der Rückstand ein Weckruf. Trainer Michael Baur versuchte mit personellen Veränderungen neue Impulse zu setzen und brachte in der 64. Minute Stefan Lauf und Roland Quehenberger ins Spiel. Die Gäste bemühten sich in der Folge um den Ausgleich, doch St. Johann blieb defensiv stabil. Die Mannschaft von Trainer Norbert Frey hielt die Abstände eng und arbeitete geschlossen gegen den Ball.
In der 76. Minute brachte Frey mit Christian Pauli und Benedikt Seeber zwei frische Kräfte. Besonders die Einwechslung von Pauli sollte sich als goldrichtig erweisen. Zehn Minuten nach seiner Einwechslung war der Offensivspieler zur Stelle und erzielte in der 86. Minute das viel umjubelte 2:0. Nach einer gelungenen Vorarbeit vollendete Pauli und sorgte damit für die Entscheidung.
Spätestens jetzt war die Freude bei den St. Johanner Anhängern riesengroß. Nach 15 Jahren ohne Derbysieg war der lang ersehnte Erfolg zum Greifen nahe.
Kitzbühel versuchte zwar noch einmal alles, konnte die gut organisierte Defensive der Hausherren aber nicht mehr überwinden. Nach dem Schlusspfiff kannte der Jubel bei Spielern, Betreuern und Zuschauern keine Grenzen mehr.

Frey: „Hut ab vor dieser Leistung“
St. Johanns Trainer Norbert Frey zeigte sich nach der Partie entsprechend zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft. „Heute hat es für uns geklappt, weil wir gut organisiert waren und die Mannschaft den Matchplan hervorragend umgesetzt hat. Wir waren bereit, die Wege zu gehen, sowohl nach hinten als auch nach vorne“, erklärte der Trainer.
Besonders die Entwicklung nach dem Seitenwechsel hob Frey hervor. „In der ersten Halbzeit war es ein bisschen ein Mittelfeldspiel von beiden Mannschaften. Kitzbühel wurde hauptsächlich durch Einwürfe und Freistöße gefährlich. Aus dem Spiel heraus hat sich keine Mannschaft große Chancen erarbeitet.“
Für die zweite Hälfte hatte sich St. Johann mehr Offensivdrang vorgenommen. „Wir haben gesagt, dass wir in die Tiefe und nach vorne gehen wollen. Das hat die Mannschaft über die gesamten 95 Minuten diszipliniert umgesetzt. Jeder ist nach vorne und nach hinten gegangen, jeder hat die richtige Einstellung gezeigt. Hut ab vor dem, was die Jungs heute geleistet haben.“
Auch die Windverhältnisse spielten in den Überlegungen des Trainerteams eine Rolle. „Unser Plan war, dass uns der Wind in der zweiten Halbzeit unterstützt. Das ist uns zugutegekommen.“
Ein Sonderlob für den Torschützen zum 2:0 wollte Frey dabei nicht aussprechen, sondern betonte die geschlossene Mannschaftsleistung. „Wichtig waren alle Spieler. Pauli hat natürlich das Sahnehäubchen draufgesetzt, aber auch die Vorarbeit war ausgezeichnet. Wir haben sowohl das 1:0 als auch das 2:0 unbedingt gewollt.“

Kitzbühel-Kapitän Winter blickt nach vorne
Auf der anderen Seite war die Enttäuschung nach der Niederlage naturgemäß groß. Besonders für die erfahrenen Kitzbüheler schmerzte es, ausgerechnet im Bezirksderby ohne Punkte die Heimreise antreten zu müssen. „Eine Derby-Niederlage tut natürlich besonders weh“, erklärte Kapitän Viktor Winter nach der Partie. „Wir haben meiner Meinung nach in der zweiten Halbzeit noch einmal alles probiert, aber mit dem Treffer von Christian Pauli war das Match dann leider entschieden.“
Lange wollte Winter jedoch nicht bei der Niederlage verweilen. „Das ist extrem bitter, aber jetzt heißt es, daraus zu lernen, nach vorne zu schauen und volle Attacke auf Lochau.“
Beide Bezirksvereine mit positiver Zwischenbilanz
Drei Runden stehen in der Regionalliga West noch auf dem Programm, ehe es in die Winterpause geht. Trotz des Derbyergebnisses können beide Vereine aus dem Bezirk bereits jetzt auf eine erfreuliche bisherige Saison zurückblicken.
Der FC Kitzbühel liegt aktuell auf dem vierten Tabellenplatz und gehört damit weiterhin zur Spitzengruppe der Liga. Nur drei Punkte dahinter befindet sich der SK St. Johann auf Rang sieben. Gerade für den Regionalliga-Neuling ist das eine beachtliche Zwischenbilanz.
Am kommenden Samstag wartet auf beide Mannschaften bereits die nächste Herausforderung. Kitzbühel empfängt den SV Lochau zum Heimspiel, während St. Johann nach Hohenems ins Ländle reist. Der 2:0 Erfolg im Bezirksderby dürfte den St. Johannern dabei zusätzlichen Rückenwind geben. Für Kitzbühel gilt es hingegen, die Niederlage rasch abzuhaken und wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden.