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Aktuell 12. November 2020 3 Anfang der Woche machte bereits die Aussicht auf einen baldigen Impfstoff gegen Corona die Runde. Dr. Josef Penninger forscht indessen an einem Me- dikament für P atienten, die bereits mit dem Co- vid-19-Virus infiziert sind. Im Interview verrät er dem Kitzbüheler A nzeiger den Forschungsstand. Bezirk, Wien |  Wann k ann man mit einem Medikament gegen Covid-19 rechnen? Es gibt schon sehr viele An- sätze. U nser Medikament wird gerade getestet. Wir sind im Spätstadium der Rekrutierung. Weihnachten, Januar, wenn alles gut geht sollten die Da- ten vorliegen. Natürlich w er- den viele andere Medikamente auch getestet. Ist der Ansatz dabei immer derselbe? Unser Ansatz ist, wie wir glau- ben, einer der rationalsten, weil das Virus dabei blockiert wird, bzw. der lösliche Rezeptor. S o kann das Virus nicht ausmutie- ren. Und zweitens schützt eine Enzymfunktion die Organe – unser Medikamentenkandi- dat sollte vor Lungenversagen schützen, er s chützt a ber auch das Herz, die Nieren und die Blutgefäße. Kann man ACE2 auf natür- lichem Wege stärken? Manche Leute versuchen das, es ist durchaus ein interessan- ter Ansatz. Wie sieht es aus mit einem Impfsto ? Was ich höre, w erden wahr- scheinlich die ersten Daten bald herauskommen. Vielleicht wird bis Weihnachten sogar ein Impf- stoff zugelassen sein. Die Frage wird dann halt sein: Wie sehr schützen die I mpfstoffe, wie oft muss man sie geben, wie lang- fristig halten sie? Wenn wir wieder auf das Me- dikament zu sprechen kom- men: Sollte das Virus mutie- ren – schützt d er Wirksto dann trotzdem noch? Absolut, das wirkt unabhän- gig davon. Da wir ACE2 einset- zen, um das Virus zu blockie- ren, kann das Virus hier nicht herausmutieren. Wie ist die langfristige Per- spektive, wie sich Covid-19 entwickelt? Es kann schon gut sein, dass wir trotz guter Impfstoffe ler- nen müssen, damit zu leben. Es wird zudem eine Zeit dauern, bis die Impfungen alle bei uns ankommen. Die Frage ist natür- lich: Wie lange ist der Schutz, dass man sich nicht neu infizie- ren kann? Wir haben ja schon Coronaviren, mit denen wir le- ben müssen – die v erursachen Schnupfen. Von dem ist ja be- kannt, dass man sich nach sechs bis zehn Monaten neu anste- cken kann, und zwar mit dem selben Virus. Ich glaube, das Covid-19-Virus wird noch län- gere Zeit mit uns sein. Was bei Covid-19 au ällig ist: Manche Menschen ent- wickeln sehr schwere Symp- tome, manche jedoch über- haupt keine. Wie lässt sich das erklären? Das weiß k einer, warum die einen nur einen leich- ten Schnupfen bekommen, und rund 10 Prozent mit ei- ner schweren Lungenreaktion kämpfen. W as wir wissen: Es gibt einige genetische Fakto- ren, die die Anfälligkeit regulie- ren, Blutgruppen zum Beispiel. Blutgruppe 0 ist in diesem Zu- sammenhang anscheinend bes- ser. Das ist eine ganz wichtige Frage, zu wissen, wer es schwe- rer bekommen wird. Dann können die Ärzte entscheiden: ‚Sie haben zwar das Coronavi- rus aber mit Ihren Biomarkern im Blut gehen Sie ruhig heim und in fünf T agen ist es vorbei‘. Eine andere Person muss hin- gegen sofort ins Krankenhaus gebracht und entsprechend be- handelt werden. Könnte es sein, dass auch hier ACE2 eine Rolle spielt? Das könnte dazu b eitragen, ist aber sicher nicht die einzige Erklärung. Bei der Grundlagen- forschung von ACE2 sind wir schon ziemlich weit und wis- sen, was es alles kann. Die Frage wird sein: Inwieweit schützt es wirklich die Organe vor Co- vid-19? Ich persönlich g laube, man sollte schon frühere S ta- dien der Erkrankung behandeln, damit die Patienten schon von Anfang an geschützt w erden. Was kann man grundsätz- lich tun, um sich besser ge- gen eine mögliche I nfektion zu wappnen? Das Übliche: G esund leben. Aber auch dann kann es einen treffen. Dieses Virus haben wir als Menschheit noch nicht gese- hen. Deswegen ist es so gefähr- lich. Man muss auch ganz klar sagen: Es ist nicht die Grippe. Es kann auch sein, dass lang- fristigere Folgeerscheinungen auftreten werden. Die Leute müssen a ufhören, das zu v er- gleichen. Die Sorge war und ist noch immer, dass keiner von uns wirklich eine Immunität hat. Das Virus hat das Poten- zial für eine P andemie, weil 30 bis 40 Prozent der Erkrankten keine bis leichte Symptome ha- ben. So wird das Virus verbrei- tet, da kann auch keiner was dafür. Elisabeth Galehr Interview: Dr. Josef Penninger forscht an einem Medikament gegen Covid-19 Im Wettlauf gegen die Pandemie Dr. Josef Penninger bzw. das Unternehmen Apeiron entwickelt schon seit einiger Zeit ein Medikament, das auf der Funktion von ACE2 aufbaut. Foto: IMBA/Tkadletz Daten & Fakt en ACE2 und seine Wirkung Bezirk, Wien | Das Enzym ACE2 steht im Mittelpunkt von Josef Penningers Forschungsansatz: Es ist quasi die Andockstelle des Coronavirus, gleichzeitig hemmt Covid-19 die ACE2-Aus- schüttung im Körper, was zu teilweise schweren Reaktionen in der Lunge und anderen Or- ganen führen kann. P ennin- ger und sein Team im Bio- tech-Unternehmen Apeiron versuchen mit ihrem Medi- kament die schweren Folgen einer Infektion mit Sars-CoV-2 zu verhindern. Zur Person Über Josef Penninger Wien | Der in Gurten (OÖ) g e- borene, renommierte Genetiker studierte in Innsbruck Medizin. Er ist derzeit Direktor des Life Sciences Institute (LSI) an der University of British Columbia.
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