15.02.2022
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Von Oberndorf nach Dreizehnlinden

Die Verbindungen des „Boandlrichters“ in Goisern mit seiner Heimat blieben aufrecht. Er war mehrmals Pate in der kinderreichen Familie seines Bruders Johann, Bauer zu Trattberg in Oberndorf. Zwei Trattberg-Töchter arbeiteten länger im Haushalt und in der „Ordination“ in Goisern mit.
Anna Oberhauser, geboren am 1. Dezember 1893 in Oberndorf, heiratete 1921 den Ertlbauern in Dorfgastein. Die „Eschtlin“ wurde als Heilerin bekannt. Man suchte sie bei Beinbrüchen, Verletzungen aller Art, „offenen Füßen“ und Ekzemen auf. Sie verlangte nur ein geringes Entgelt oder heilte um ein „Vergelt’s Gott“.

Nichte Anna wurde Heilerin
Anna Fletzberger wurde dreizehn Mal vor das Gericht zitiert und zweimal zu einer Haftstrafe verurteilt. Nach Verbüßung der ersten Strafe wurde sie von der Musikkapelle Hofgastein im Triumphzug abgeholt. Danach hatte sie mehr Patienten als vorher. Einige Zeit praktizierte sie auch in Hallein. Sie fuhr einmal pro Woche mit dem Frühzug der Tauernbahn in die Stadt, behandelte die Patienten in einer Bauernstube und kehrte am Abend mit dem letzten Zug heim. Während des Zweiten Weltkrieges betreute sie auch Kriegsverletzte. Sie wird als sehr ruhige, empfindsame und auf die Patienten Ruhe ausstrahlende Frau beschrieben. 1948 erhielt sie ein Ehrendiplom des Kuratoriums für Naturärzte. Eine Tochter hatte viel von der Mutter abgeschaut, wendete ihr Können aber nur in der Familie an.

Der Aufenthalt von Katharina, der jüngsten Tochter zu Trattberg, ist durch eine Photographie aus dem Goiserer Atelier Gottfried Leitner nachgewiesen, das sie mit ihrer Schwester Anna zeigt. Die älteste Tochter der Bauernfamilie zu Trattberg, Elisabeth (Lisi), geboren am 11. Juni 1892 in Oberndorf, war schon vor den Schwestern in Goisern.
Auch sie arbeitete in Haushalt und Praxis mit, entschloss sich aber zur Rückkehr nach Oberndorf. Sie heiratete Anton Stöckl, Höllerer Toni, mit dem sie das kleine Bauerngut „Schöberl“ bewirtschaftete. Die Familie hatte sieben Kinder.

Neue Heimat in Dreizehnlinden
Wegen der wirtschaftlichen Not in der Zwischenkriegszeit entschloss sich die Familie zur Auswanderung in die Genossenschaftskolonie „Dreizehnlinden“ im brasilianischen Urwald.
Josef Stöckl, Gärtner aus Oberndorf, war schon beim ersten Transport mit dem ehemaligen Landwirtschaftsminister Andreas Thaler (1933) mitgereist, Anton, Georg und Ludwig Stöckl folgten 1934, die Eltern, Elisabeth, und die Zwillinge Gertraud und Sebastian (Jahrgang 1926), verließen 1935 die Heimat.

„Schöberl“ verkauften sie an den Kitzbüheler Lehrer Ignaz Schiechtl, um die Fahrtkosten aufbringen zu können. Der älteste Sohn Johann, der als Hufschmied außerhalb der Landwirtschaft tätig war, blieb in der alten Heimat. Elisabeth Stöckl starb 1961 in Dreizehnlinden. Die Oberhauser sind eine erfolgreiche Großfamilie in Dreizehnlinden (Treze Tilias) geworden. Schriftleitung: Hans Wirtenberger

Bild: Anna (sitzend) und Kathi Oberhauser auf einem Photo aus dem Atelier Gottfried Leitner in Goisern.

 
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