10.10.2022
News  
 

Unvergessener „Knochendoktor“

Durch Jahrzehnte war der Unfallchirurg eine medizinische Kapazität, aber auch ein unauffälliger, hoch geachteter Mitbürger.

Kitzbühel | Der Unfallchirurg Dr. Hubert Weitlaner, der im früheren Sanatorium Dr. Waldemar Hohenbalken eine eigene Praxis führte und ab 1992 mit einem Schwiegersohn und den Töchtern in der neu gebauten  Tagesklinik tätig war, erreichte ein hohes Alter und bleibt als Persönlichkeit in Erinnerung. Er war mit seinem Leben, seiner Arbeit und mit seinem Zielort Kitzbühel zufrieden.

Nach der Matura Krieg und Gefangenschaft
Weitlaner, Jahrgang 1925, erlebte und erlitt in fast einem Jahrhundert das Schicksal seiner Generation mit. Als Sohn eines Försters und der Postchefin kam er in der Hinterriß zur Welt. Weil die Hebamme im Winter nicht in das abgeschlossene Karwendeltal kommen konnte, war sein Geburtshelfer der Dorfpfarrer, der freilich eine ausreichende medizinische Ausbildung aufwies.

Die Volksschulzeit erlebte der aufgeweckte Bub in Kramsach. Dann nahm der Großvater, der Arzt in Zams war, die Ausbildung in die Hand, um auch aus Hubert einen Arzt zu machen. Er kam an die bekannte Stella Matutina in Feldkirch und nach deren Auflösung in die Oberschule in Hall, das ehemalige Franziskanergymnasium. Der Studienbeginn musste aufgeschoben werden, denn nun folgten Arbeitsdienst und eine Pionierausbildung. Nach dem Einsatz im Partisanengebiet in Jugoslawien folgten Jahre in der Kriegsgefangenschaft im ehemaligen Ostpreußen. Hubert Weitlaner wurde durch die Unterstützung einer jungen russischen Ärztin und wegen der mutigen Hilfe, die er Mitgefangenen unter Lebensgefahr leistete, buchstäblich am Leben erhalten.
Als er 1947 entlassen wurde, wog der 1,98 m große, 22 Jahre alte Mann nur mehr 37 kg. Es dauerte ein Jahr, bis er körperlich in der Lage war, das Medizinstudium in Innsbruck zu beginnen.

Ausbildung bei Dr. Lorenz Böhler
Nach Rekordzeit promovierte er 1953, wurde Turnusarzt in Zams und konnte bei dem international bedeutenden Prof. Lorenz Böhler in Wien die Facharztausbildung absolvieren. Es ist heute unvorstellbar, war aber damals eher Routine: Dr. Weitlaner leistete im Preyerschen Kinderspital Nachteinsätze – gegen Kost und Logis.
Der Start in Kitzbühel war im alten Stadtspital, wo er mit Dr. Georg Plahl tätig war. Nach dem Tod von Dr. Hohenbalken führte er die eigene Praxis als Unfallchirurg, errichtete die Tagesklinik und war bis ins 75. Lebensjahr aktiv dort tätig. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz, der Bergrettung und dem damals personell starken Pistenrettungsdienst wurde er der Mann für Schulung und Ausbildung und als Notarzt, leitete aber auch Erste-Hilfe-Kurse für Erwachsene und in Schulen.

Der begeisterte Sportler war auch beim Hahnenkammrennen im Einsatz. Die berufliche Inanspruchnahme zwang ihn, die sportlichen Aktivitäten zurückzustellen. Skifahrer blieb er bis ins 80. Lebensjahr.

Grobe Sprüche, feine Hände
Noch Jahrzehnte nach seinem Ausscheiden aus dem Beruf sind die „groben Sprüche“ und die feinen Hände des „Knochendoktors“ ein Begriff und viele blieben ihm dankbar verbunden. Der Spruch „Sei nicht so wehleidig“, angewendet für alle Altersgruppen, ist legendär.
Die Familie spielte für den Mediziner, der mit mehreren Geschwistern aufgewachsen war, eine große Rolle. Rosa Gasteiger aus Rattenberg wurde seine Lebensfrau, die nicht nur für die Töchter Michaela, Marion und Simone da war, sondern ihn auch in der Verwaltungsarbeit entlastete. Es war ein schrecklicher Schlag für die Familie, dass die großartige Frau und Mutter im Jahr 1981 Opfer eines Verkehrsunfalls wurde. Dr. Weitlaner widmete viel Zeit den sechs Enkeln. Das Familienleben hielt der begeisterte Filmer und Regisseur über Jahrzehnte fest. Seine Lieblingsmotive waren die Berge des „Kaisers“ und der Schwarzsee, im Alter führten ihn Reisen bis in den Süden Afrikas. Nach einem bescheidenen, erfüllten Leben ist der „Knochendoktor“ verstorben. Ehre seinem Andenken. H.W.

Bild: Medizinalrat Dr. Hubert Weitlaner war ein geschätzter „Knochendoktor“. Foto: Privat

 
Kontakt
Tel.: +43 (0) 5356 6976
Fax: +43 (0) 5356 6976 22
E-Mail: info@kitzanzeiger.at
Virtuelle Tour
Rundblick - Virtual Reality
Werbung
 
Zurück Aktuelle Gemeinde Archiv Suchen