26.11.2021
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Suchtmittel-Konsum wird mehr

Die Suchtberatung und der Verein BIN haben jetzt ihre Kräfte gebündelt und haben sich unter dem Namen„Suchthilfe Tirol“ zusammengeschlossen. Die Beratungszahlen steigen stetig an.

Kitzbühel | Vergangene Woche berichteten die Berater der Suchthilfe Tirol, Armin Dag, Josef Obermoser und Elke Prem, die in Kitzbühel und St. Johann Klienten betreuen, über ihre Erfahrungen der letzten Monate. Vor rund einem Jahr haben sich die Suchtberatung Tirol sowie der Verein BIN zusammengeschlossen und firmieren seither unter dem Namen „Suchthilfe Tirol“. Und der Name ist Programm – derzeit wird über 200 Klienten geholfen in ein suchtfreies Leben zurück zu kehren. Finanziert wird die Einrichtung vom Land Tirol, teilweise auch von der Österreichischen Gesundheitskasse. Die Berater helfen nicht nur psychisch, sondern auch in bürokratischen Dingen. Hilfe finden auch die Angehörigen.

Vier Fünftel änderten Konsumverhalten
Gerade in der Pandemiezeit sei das Risiko einer Suchterkrankung gestiegen. „Insgesamt werden aber während der Pandemie mehr Suchtmittel konsumiert“, berichtet Wolfgang Sparber, Geschäftsführer der Suchthilfe Tirol „vier Fünftel der Befragten gaben an, dass sich ihr Konsumverhalten geändert hat.“ Als Gründe für das veränderte Konsumverhalten werden der Wegfall von sozialen Kontakten, Ängste, Sorgen und Langeweile genannt. „Insgesamt ist das Problembewusstsein in Bezug auf ihr Suchtverhalten während der Pandemie bei unseren Klienten gestiegen“, weiß Sparber.

„Man hat kein Problem und wenn man ein Problem hat, dann redet man nicht darüber“ das sei die Einstellung vieler Menschen im Bezirk Kitzbühel. Und hier setzten die Berater auch an. „Alkohlsucht ist zwar eine schwere Krankheit, die gute Nachricht ist jedoch, dass sie gut behandelbar ist und man mit entsprechender Nachsorge auch clean bleiben kann“, so Berater Armin Dag. Oft stehen persönliche Probleme hinter einem Suchtproblem, es können aber auch körperliche und psychische Erkrankungen sein. Zugenommen hat zuletzt die Spielsucht, weiß Berater Josef Obermoser. Auch hier sei eine Beratung und Behandlung extrem wichtig.

Mixtur an Süchten
„Oftmals kommt es auch zu einer polytoxischen Mixtur der Süchte. Das heißt, ein Klient konsumiert Alkohol, Drogen und Medikamente gleichzeitig. Im Bezirk gibt es übrigens auffällig viele Kokainabhängige, wobei da meist auch finanzielle Schieflagen dazukommen.

Suchtprobleme sind gut behandelbar
„Lassen die Betroffenen Hilfe zu, dann sind Suchtprobleme sehr gut behandelbar und die Erfolgschancen sind hoch“, sind sich die Berater einig. Das Trio versucht Betroffenen und ihren Angehörigen in Einzelgesprächen oder Gruppen zu helfen. Die Berater sehen die Zusammenlegung der Suchtberatung übrigens sehr positiv. „Es gibt nun eine Anlaufstelle für alle, eine gemeinsame Telefonnummer und mehr Beratungsangebot“, betont Elke Prem. Margret Klausner

Bild: Die Berater Armin Dag, Josef Obermoser und Elke Prem mit Suchthilfe-Tirol-Geschäftsführer Wolfgang Sparber (v.l.) vor den Räumlichkeiten am Kitzbüheler Rennfeld. Foto: Klausner

Vermerkt - 204 Klienten betreut
Das Team der Suchthilfe im Bezirk Kitzbühel betreut derzeit 204 Klienten (56%  Männer, 44% Frauen). Der Schwerpunkt liegt auf Alkohol (156 Klienten) und Drogen (52). Pathologisches Glücksspiel, Medikamente, Nikotin, PC-/Internet- und Kaufsüchte sind ebenfalls Thema.

Im Bezirk sind rund 3.250 Menschen alkoholkrank, etwa 6.500 weitere zeigen bereits missbräuchliches Verhalten. Rund 30 bis 40 Prozent der Erwachsenen im Bezirk hatten laut Schätzungen bereits Konsumerfahrungen mit Cannabis.   Allerdings konsumiert nur ein Bruchteil davon regelmäßig illegale Drogen und bei nur einem  Prozent entwickelt sich ein Suchtverhalten bzw. eine Abhängigkeit.

 
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