19.10.2021
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„Schiffsairbag“- Patent ist durch

Am Computer im heimischen Wohnzimmer entwickelte der Kirchberger Franz Pletzer ein System, um Menschen bei Schiffsunglücken vor dem Ertrinken zu retten. Diese Woche wird das Patent veröffentlicht.

Kirchberg | Mit einer Entwicklung lässt jetzt der Kirchberger Franz Pletzer aufhorchen. Mit der Veröffentlichung eines Patents über eine von ihm entwickelte Erfindung erfüllt sich für den 66-jährigen Pensionisten ein großer Traum. Am heimischen Computer hat der Tüftler ein Rettungssystem für Schiffe entwickelt. Ähnliche Entwicklungen gibt es zwar schon aus China, Japan und auch Spanien. Diese Systeme sind aber eher für die Marine und nicht für die zivile Binnenschifffahrt. Und es gibt, so hat Pletzer in Erfahrung gebracht, hier zwar Pläne, aber noch keine Konstruktion.
Der Kirchberger hat jahrzehntelang als Bohrmeister für eine heimische Firma gearbeitet. Bohrungen nach Erdwärme gehörten da ebenso dazu, wie die Suche nach Grundwasser. Auch beim Neubau des Innsbrucker Bahnhofes war er bei den Probebohrungen mit dabei.

Schiffsunglück war Auslöser für Erfindung
Mit Eintritt in die Pension suchte sich Pletzer dann neue Aufgaben. Und es war ein dramatisches Unglück, das ihn auf den Gedanken brachte, sich mit Schiffen zu befassen. Am späten Abend des 29. Mai 2019 erreignete sich auf der Donau in Budapest ein dramatisches Schiffsunglück. Das 27 Meter lange Ausflugsschiff „Hableany“ (Anm.: Nixe) sank innerhalb von sieben Sekunden auf Grund. Grund war die Kollision mit einem größeren Flusskreuzfahrtsschiff. 33 Gäste aus Südkorea sowie zwei Besatzungsmitglieder befanden sich am Schiff – nur sieben Personen überlebten. „Ich konnte nicht verstehen, dass es hier keine Möglichkeit gibt, um das Sinken zu verhindern“, erzählt Pletzer.

“Konnte nicht verstehen, warum es nichts gibt, um das Sinken zu verhindern.“
Also setzte er sich an seinen Schreibtisch und begann zu tüfteln. Das Ergebnis ist ein hochkomplexes Airbag-System. Umsetzbar, sagt Pletzer, ist seine Erfindung für Ausflugsschiffe auf Flüssen und Seen, aber auch für Yachten und Motorboote.
Derzeit gibt es die Pläne zwar nur auf dem Computer, wenn jedoch das Patent veröffentlicht ist, will der Kirchberger natürlich einen Schritt weitergehen. Er habe bereits Kontakt mit einer Firma in Innsbruck aufgenommnen, die auf 3D-Simulationen spezialisiert ist, um seine Erfindung auch praktisch auszuprobieren.

Patentanmeldung mit viel Aufwand verbunden
Allerdings, so erzählt er, sei die Anmeldung des Patents auch mit einem finanziellen Aufwand verbunden gewesen, der für ihn als Pensionist nicht zu stemmen gewesen wäre. Daher habe er sich um Unterstützung an die Wirtschaftskammer gewandt. Dort habe man sich dem auch aufgeschlossen gezeigt, freut er sich.
Aufgrund der Corona-Pandemie hat es über ein Jahr gedauert, bis sein Patent jetzt veröffentlicht werden konnte. Am 15. Oktober ist es aber endlich soweit. Sobald er das Patent in der Tasche hat, kann Pletzer dann auch seine Erfindung verkaufen, auch wenn es ihm hauptsächlich um das Retten von Menschenleben geht, wie er betont. Margret Klausner

Bild: Der Kirchberger Franz Pletzer hat auf seinem Computer einen „Schiffsairbag“ für Ausflugsschiffe oder auch Motorboote entwickelt. Jetzt hat er das Patent angemeldet. Foto: Klausner

Daten & Fakten - So funktioniert das System
In den Schiffsrumpf werden Boxen, in denen sich Ballone – also Airbags – befinden eingebaut. Bei Eintretten von Wasser in den Schiffsrumpf geben eigene Steuerungen den Impuls an diese ab.In wenigen Sekunden blasen sie sich auf und füllen die unter der Wasserlinie liegenden Räume, ähnlich einer Luftblase. Damit soll weiteres Hereinströmen von Wassermassen unterbunden werden und so das Sinken des Schiffes verhindern.
Die Erfindung Franz Pletzers funktioniert autark von externen Energiequellen, außerdem benötigt es zum Auslösen keine menschliche Hand. Im Falle eines Unfalls geschieht hier alles vollautomatisch. mak

 
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