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Kitzbüheler Anzeiger
06.10.2023
News  
 

„Ohne Handwerk steht alles still“

Regionale Produkte ebenso wie individuelle Designs liegen im Trend. Doch dem Handwerk fehlen Mitarbeiter – über dieses Spannungsfeld diskutierten hochkarätige Experten beim „Metall-Talk“ in Fieberbrunn.

Fieberbrunn  | Über 500.000 Zuseher verfolgen mittlerweile dank Live-Stream den „Metall-Talk“, der einmal im Jahr vom „Netzwerk Metall“ veranstaltet wird. Die fünfte Auflage ging bei Valenta in Fieberbrunn in Szene. Auf der Bühne nahmen neben Landeshauptmann Anton Mattle und Gastgeber Stefan Valenta noch Heidrun Bichler-Ripfel, Leiterin des Instituts für Angewandte Gewerbeforschung, Thomas Oberholzner, Leiter des Instituts für KMU Forschung Austria, der Bundesinnungsmeister Metalltechniker, Harald Schinnerl sowie Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Platz.

Handwerk ist in der Wirtschaft ein Riese
Der Stellenwert des Handwerks ist zwar groß – es gehört aber leider nach wie vor eher zu den „stillen“ Helden in der Gesellschaft, denn kaum einem Konsumenten ist das Ausmaß dieser Leistungen bewusst. Heidrun Bichler-Ripfel ordnet die Größenordnung ein: „240.000 Unternehmen in Österreich gehören dieser Sparte an und beschäftigen ein Drittel aller Arbeitnehmer. Würden diese nur für ein oder zwei Tage ihre Arbeit niederlegen, stünde Österreich komplett still.“ LH Anton Mattle ergänzte, dass in Tirol der Stellenwert von Gewerbe und Handwerk auch bei den Gründern besonders hoch sei. Im ersten Halbjahr 2023 wurden in Tirol 1.809 Neugründungen verzeichnet: Fast die Hälfte davon entfielen auf diese Sparte.

Zukunftsträchtig ist auch die Rolle, die das Handwerk bei der Nachhaltigkeit spielt: „Ohne Gewerbe und Handwerk können wir uns die Energiewende abschminken“, formuliert es Bichler-Ripfel.

Trotz aller Vorzüge kämpft auch diese Branche stark mit dem Mitarbeiter- und Lehrlingsmangel. Dabei haben sich „die Arbeitsbedingungen wesentlich verbessert“, unterstreicht Stefan Valenta, denn: „Schwere Arbeiten werden inzwischen hauptsächlich von Maschinen erledigt, auch die Digitalisierung hat Einzug gehalten.“ Daher forderte Valenta, dass der Faktor Arbeit entlastet wird und sich Mehrarbeit für Mitarbeiter, die das gerne möchten, auch lohnt. Gleichzeitig herrschte bei den Diskussionsteilnehmern Einigkeit darüber, dass auch die Jugend wieder an das Handwerk herangeführt werden sollte. Nach wie vor habe die Lehre gegenüber der Universität noch zu wenig Strahlkraft in den Köpfen vieler Eltern. Oder, wie es Harald Schinnerl formuiert: „Viele handwerklich begabte Jugendliche werden oftmals förmlich in die Schule gezwungen.“

Dabei können sich die Verdienstmöglichkeiten für einen guten Handwerker durchaus sehen lassen, wie Valenta ergänzt. Die Lehre an sich ist natürlich auch ein stabilisierender Faktor für die Wirtschaft. Thomas Oberholzner, Leiter des Instituts für KMU Forschung Austria, ergänzt: „Das Handwerk macht Wirtschaft widerstandsfähig. Außerdem übernimmt es eine enorme Bildungsleistung, denn mehr als 50 Prozent der Lehrlinge werden im Handwerk ausgebildet.“ Um weiterhin attraktiv für junge Menschen zu bleiben, gibt es aber mittlerweile schon innovative Konzepte.
Elisabeth Galehr

Bild: Beim Metall Talk  in Fieberbrunn diskutierte Thomas Weber (l.),  GF des Netzwerk Metall, mit LH Anton Mattle, Thomas Oberholzner, Holger Schwannecke (online), Harald Schinnerl, Stefan Valenta und Heidrun Bichler-Ripfel (v.l.). Foto: Jöbstl

 
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