30.08.2018
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Neue Ära für das Kino Mittersill

Sogenannte Blockbusters (aktuelle,  kommerziell erfolgreiche Filme)  wird man  im Mittersiller Kinoprogramm  in Zukunft vergeblich suchen: Statt auf Mainstream setzt man hier künftig auf anspruchsvolle Filmkunst. „Wir wollen und müssen ein Programmkino sein. Eine Alternative  zu den großen Kino-Centern in den Ballungsräumen“, erläutert Eigentümer  Josef Schnöll, der das Kino mit Gattin Gabriele bereits in dritter Generation führt und den Betrieb  Ende Juni wieder aufgenommen hat.  Jeden Freitagabend, jeden  Samstag sowie an den Nachmittagen und Abenden von Sonn- und  Feiertagen heißt es seither wieder „Film ab!“.  
 
Das Mittersiller Kino in der Hand der Familie Schnöll – seit 1927

Das Kino  ist seit mehr als neun Jahrzehnten eine Mittersiller Institution. Mit  der Familiengeschichte der Schnölls ist es untrennbar verflochten. 1927 haben Josef Schnölls Großeltern Felix und Theresia Schnöll  die ersten und einzigen Tonlichtspiele im Oberpinzgau gegründet. Nach anfänglichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten (Weltwirtschaftskrise 1928) konnte das Kino durch großen Einsatz und viel Fleiß bis in die 1960er-Jahre erfolgreich betrieben werden. 

Kino Mittersill in früheren Jahren

Der Oberpinzgauer Bevölkerung wurde mit dem Kino ein sogenanntes „Theater auf dem Lande“ geboten,  der Zugang in die Traumwelt des Films  zu leistbaren Preisen möglich gemacht. Auf einem Programmplakat aus dem Jahr 1952  steht zu  lesen: „Lichtspiele Mittersill – bieten Unterhaltung und Zerstreuung.“

In den 1960er-Jahren übergaben die Gründer  ihr kleines Filmtheater an Sohn Josef, dem Vater des heutigen Eigentümers, der das Kino  bis zu seinem plötzlichen Tod 1974 weiterführte; Witwe Hilde Schnöll übernahm fortan die Leitung des Betriebes, den sie 1985 in die Hände von Josef und Gabriele Schnöll legte. Die Seniorchefin packte trotzdem weiter mit an, saß an der Kinokasse und verkaufte Eintrittskarten.

Die Schnölls trotzten dem allgemeinen Kinosterben

Nach den Höhenflügen in der Nachkriegszeit ging es mit den Kinos allgemein bergab.  Das vermehrte Aufkommen des Fernsehens in den 1960er-Jahren, der Video-Boom in den 1980er-Jahren sowie ein verändertes Freizeitverhalten und der damit verbundene massive Besucherschwund setzte allen Lichtspieltheatern stark zu. Es wurde wirtschaftlich schwierig. Manche Kinos schlossen ihren Betrieb, während im urbanen Raum  Kinokomplexe  mit Gastronomie- und Shoppingangeboten entstanden.

Im Mittersiller Kino  fanden allen Schwierigkeiten zum Trotz  weiterhin Filmvorführungen statt.  „Wir haben unseren persönlichen Einsatz  verstärkt,  obwohl sich der Kinobetrieb finanziell immer weniger rechnete“, schildert Josef Schnöll, im Hauptberuf Steuerberater.  „Doch unsere Leidenschaft für das Kino und die Tradition haben überwogen.“ Erst das Jahrhunderthochwasser von 2005 versetzte dem  Lichtspieltheater den  Todesstoß: Die Räumlichkeiten des Kinos samt dem angeschlossenen Gastronomiebetrieb waren durch die Fluten zur Gänze zerstört.

„Mit den großen Kino-Centern kann unser Landkino nicht konkurrieren“

Trotz aller Überlegungen, den unbrauchbar gewordenen Kinosaal in Wohnungen umzubauen oder sogar abzureißen,  habe er  die  Wiederbelebung des Kinos nie aus den Augen verloren, erzählt Josef Schnöll. Die  Entscheidung, die mehr als 90-jährige  Familientradition fortzusetzen, sei letztlich sehr persönlich und  emotional behaftet. „Das Kino ist für uns eine Herzensangelegenheit“.  

Eigentümer Josef Schnöll mit Gattin Gabriele

Mit dem neuen, multifunktionalen Kinosaal und seinen vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten soll  außerdem eine Kulturstätte in der Region geschaffen werden, die mit einem  breitem Spektrum an guten Filmen, Lesungen, Theater-, Kleinkunstund Musikaufführungen oder auch monatlichen Live-Übertragungen aus den berühmten Opernhäusern der Welt aufwarten kann. „Kultur bringt die Menschen noch zusammen“, sind die Schnölls, die die Gründung eines Kulturvereines anstreben, überzeugt.

Aufgrund der Bevölkerungsanzahl und der großen Investitions- und jährlichen Betriebskosten ist die  Wirtschaftlichkeit eines Kinos in Mittersill freilich fast nicht gegeben, das ist Josef Schnöll  bewusst. „Es muss zumindest ein kostenneutrales Ergebnis erwirtschaftet werden, eine sogenannte  ‚schwarze Null‘.“

Modernste Technik mit 3D und Dolby Surround

Seit 2005 hat sich viel verändert: Im Kino der Schnölls hat nun das digitale Zeitalter Einzug gehalten und die  alten, voll funktionsfähigen 35 mm-Projektoren  samt Filmrollen aus dem Jahr 1960  wurden durch einen digitalen Projektor  mit 3-D-Technik samt Dolby Surround 7.1  ersetzt.  Eine Bühne mit  voll ausgestatteter Bühnentechnik sowie eine flexible Bestuhlung  vervollständigen das multifunktionale Konzept – selbst ein Kindergeburtstag mit Wunschfilm wird nun möglich.

Die Kinobar, ein dem Saal angeschlossener Gastronomiebetrieb mit 40 Sitzplätzen, wurde komplett erneuert. Doch hier fehlt noch der Betreiber, wie die Schnölls bedauern. Bewerbungen sind unter pension-schnoell@sbg.at willkommen. Alexandra Fusser

 
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