Kitzbüheler Anzeiger
04.07.2022
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LR Beate Palfrader nimmt Abschied

Nach der Ankündigung LH Platters, nicht mehr bei den Wahlen im Herbst antreten zu wollen, hat sich jetzt auch LR Beate Palfrader zum Rückzug entschieden.

Kitzbühel, Innsbruck | Seit 14 Jahren sitzt LR Beate Palfrader auf der Regierungsbank als „unsere“ Landesrätin. Jetzt zieht sich die 63-Jährige, die lange Jahre in Hopfgarten gelebt hat, aus der Politik zurück. Im Gespräch mit dem Kitzbüheler Anzeiger zieht sie Bilanz:

Haben Sie schon länger Rücktrittsgedanken oder wurden diese erst mit der Ankündigung LH Platters konkret?
Grundsätzlich übe ich mein Amt immer noch sehr gerne aus. Ich habe mit Bildung, Kultur, Arbeit und Wohnen umfangreiche Ressorts zu verantworten. Und gerade die letzten zwei Jahre waren sehr fordernd. Zudem hat mich schon auch belastet, dass alle Politikerinnen und Politiker gerne in einen Topf geworfen und mit Vorwürfen konfrontiert werden, die einfach nur auf einzelne zutreffen. Insgesamt hätte ich mir gewünscht, dass LH Günther Platter unsere Partei in die nächste Wahl führt. Durch seine überraschende Erklärung, nicht mehr zur Verfügung zu stehen, hat auch bei mir ein intensiver Nachdenkprozess eingesetzt. Nach einer Woche habe ich mich dann entschieden, nicht mehr anzutreten. LH Platter hat mich immer unterstützt und mich meine Ideen umsetzen lassen, die auch durchaus mutig waren. Daher war der bevorstehende Rückzug des Landeshauptmanns ein wesentlicher Faktor für mich, nicht zu kandidieren.

Sie haben Ihre politische Karriere im Bezirk gestartet. Wer oder was hat Sie damals in die Politik gezogen?
LH Günter Platter hat mich vor 14 Jahren angerufen und mich gefragt, ob ich als Landesrätin für Bildung und Kultur zur Verfügung stehe. Das sind Themenbereiche, für die ich seit jeher brenne und die mich von klein auf begleiten. Zum einen bin ich seit über 35 Jahren Lehrerin, zum anderen waren und sind Kunst und Kultur ein wichtiger Teil meines Lebens. Es sind ganz wunderbare Ressorts und ich konnte mir sehr gut vorstellen, in diesen Bereichen auch politisch tätig zu sein und zu gestalten. Drei Tage später war ich Landesrätin.

Vor rund drei Jahren haben Sie Ihren Hauptwohnsitz nach Innsbruck verlegt, sind aber nach wie vor das Sprachrohr des Bezirks. Wie konnten Sie das umsetzen?
Ich habe ja schon seit 2009 eine Wohnung in Innsbruck. Ich bin aber der Meinung, dass man das Herz für einen Bezirk nicht verliert, nur weil man woanders seine Wohnung hat. Der Bezirk Kitzbühel war und ist mir immer ein besonderes Anliegen. Fest steht aber auch, dass für mich als Landesrätin das Interesse des ganzen Landes im Vordergrund steht.

Was sehen Sie als Ihre größten Erfolge an?
Da gibt es natürlich vieles in dieser Zeit, allen voran die Beschlussfassung des Tiroler Kinderbildungs- und Kinderbetreuungsgesetzes, die dem Bereich der Elementarpädagogik einen ordentlichen Schub gegeben hat. In Summe stellt das Land hier mittlerweile über 100 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Am Herzen liegen mir auch die Schulbibliotheksoffensive und die Einführung des Musikschullehrerdienstrechts. Um Schulen mit digitaler Infrastruktur auszustatten, hat das Land sieben Millionen Euro investiert, und auch Sommerschulangebote waren ein Schwerpunkt. Im Bereich Kultur wurde in dieser Zeit sehr viel in die Infrastruktur investiert, neue Kulturzentren wie das Haus der Musik wurden umgesetzt. Doch auch im Bereich Wohnen ist sehr viel geschehen.

Sie sind der ÖVP immer treu geblieben, aber ganz konfliktfrei war die Beziehung vor allem zur Bundes VP nicht, oder?
Ich stehe hinter den christlich-sozialen Grundwerten der ÖVP, leider habe ich diese in der türkisen Bewegung das eine oder andere mal vermisst. Gleichzeitig war ich nicht einverstanden mit den türkisen Zentralisierungsbestrebungen. Die Entscheidungsmacht ist zunehmend Richtung Wien gewandert, die Bundesländer wurden entsprechend geschwächt. Das hat man nicht gerne gehört in der eigenen Partei. Ich war da eine einsame Ruferin, bin aber meiner Linie immer treu geblieben. Ich habe meinen Eid auf die Verfassung und nicht auf ein Parteiprogramm geleistet.

Als Sie in die Politik eintraten, waren Sie Direktorin der Tourismusschulen in St. Johann. Sind Sie das offiziell immer noch?  
Ich bin als Direktorin dienstfrei gestellt, zahle meine Beiträge in die Pensionsversicherung aber all die Jahre normal ein. Ein Rückkehrrecht habe ich prinzipiell, aber wohin mich mein Weg nun führt, wird sich erst in ein paar Monaten entscheiden. Es gäbe viele spannende Aufgaben im Bildungsbereich.

Werden wir Sie trotz ihres Abschieds aus der Politik noch öfter im Bezirk sehen oder zieht es Sie jetzt ganz ins Außerfern?
Mein Hauptwohnsitz ist in Innsbruck. Ich habe im Bezirk Kitzbühel viele langjährige Weggefährten und gute Freunde, daher wird man mich sicher auch in Zukunft noch oft in Kitzbühel antreffen – dann eben in anderer Position.
Margret Klausner, Foto: Land Tirol

 
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