Kitzbüheler Anzeiger
08.01.2021
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KMUs mit bangem Blick in die Zukunft

Die Corona-Pandemie und alle ihre Unwägbarkeiten stellen eine enorme Belastung für die Klein- und Mittelbetriebe dar, was die Sicherung der Liquidität betrifft. Eine Studie des Beratungsunternehmens „Finanzombudsmann“ zeigt auf, dass der Großteil der Unternehmen mit Bangen auf 2021 und 2022 blickt.

Bezirk | Das Rückgrat der heimischen Wirtschaft sind die Klein- und Mittelbetriebe (KMU). Wie eine Umfrage des Beratungsunternehmens „Finanzombudsmann“ ergab, erweisen sich die Corona-Hilfen des Bundes zwar als notwendig zur Absicherung der Liquidität, gleichzeitig ist zu befürchten, dass sich die Stundungen und Haftungen als Schuldenfalle aufbauen. Insgesamt wurden 985 österreichische KMUs dafür befragt. 78 Prozent davon machen sich Sorgen über die Zahlungsfähigkeit ihres Betriebes im Jahr 2021. „Unsere Studien haben gezeigt, dass 2021 bis 2022 bis zu 100.000 österreichische KMUs in ihrer Existenz gefährdet sind. Auch der dritte und weitere drohende Lockdowns werden als Multiplikatoren kommender Insolvenzwellen noch lebensbedrohender für die KMUs“, analysiert Gerald Zmuegg („Finanzombudsmann“).

Bei der Frage, welche Hilfsmaßnahmen besonders stark von den Unternehmen genutzt wurden, stehen die Kredite mit ÖHT- bzw. AWS-Haftungen an erster Stelle. Aber auch das Instrument der Kurzarbeit kam bei den betroffenen Betrieben stark zur Anwendung. Von großer Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Liquidität waren übrigens auch die Steuerstundungen.
Die Stimmung unter den Betrieben im Bezirk – vor allem den touristischen – beschreibt der Obmann der Wirtschaftskammer Kitzbühel, Peter Seiwald, als „überraschenderweise nicht so schlecht, wie man annehmen könnte.“

Seiwald: „Holt euch, was euch zusteht“
Ein Grund dafür sei, dass gerade im Tourismus sehr vorausschauend gedacht und geplant werde. Positive Beispiele dafür, wie man im Lockdown dennoch weitermachen könne, sieht Seiwald beispielsweise in den Abhol- und Lieferservices heimischer Unternehmen. Seiwald weist darauf hin: „Diese Zusatzeinnahmen schmälern übrigens keine Förderungen.“
Dennoch erhielten die Betriebe gerade Anfang der Woche neuerlich einen enormen Dämpfer durch die Diskussion über das „Freitesten“ und die damit verbundende Verlängerung des Lockdowns. Und: „Natürlich trifft es manche Betriebe enorm, vor allem die, die in die Qualität investiert haben.“ Denn wer vor Kurzem in die Infrastruktur investiert hat, hatte naturgemäß verminderten Umsatz, der sich dann wieder auf die Betrachtung für die Umsatzentschädigung niederschlägt.

Peter Seiwald wirft noch ein weiteres Schlaglicht auf die Thematik: „Es zeigt sich, dass im Bezirk bzw. auch in Tirol immer noch prozentuell gesehen deutlich weniger Anfragen von Unternehmern für Unterstützungsleistungen gemacht werden“. Die Zahl der Ansuchen liege rund 10 Prozent unter dem Österreichschnitt. Dass sich die Unternehmer im Bezirk nicht das holen, was ihnen zusteht, kann Seiwald nicht nachvollziehen: „Die anderen holen es sich ja auch. Mein Aufruf ist daher ganz klar: Die Betriebe sollen sich nicht scheuen, über ihre Steuerberater Förderungen und Unterstützungen zu beantragen.“ Dabei müsse man nicht allein auf die Kredite etc. setzen. Ein gutes Mittel für Betriebe sei unter anderem die Investitionsprämie des Bundes, die sich zum Erfolgsmodell entwickelt hat.

Auch Peter Seiwald rechnet mit einem Anstieg der Insolvenzen durch die Rückzahlungen, die im Laufe des Jahres 2021 zwangsläufig erfolgen müssen. Aber: Erstens könne man Teilzahlungen leisten, was z.B. die Steuerstundungen betrifft und abschließend sagt Seiwald: „Ich möchte noch anmerken, dass ich der Sommersaison im Tourismus optimistisch entgegen schaue, vor allem, weil Flugreisen zunächst vermutlich nur erschwert möglich sein werden.“ Elisabeth Galehr

Bild: Die Unterstützungen des Bundes werden im Bezirk weniger beantragt als anderswo. Symbolfoto: Pexels/Spiske

 
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