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Kitzbüheler Anzeiger
11.04.2024
News  
 

„Innenstadt könnte von Gries-Belebung enorm profitieren“

Der Gries mit einem  möglichen neuen Antlitz: Ein von drei ortsansässigen Architekten vorgelegtes Konzept hat in der Gamsstadt zuletzt mächtig Staub aufgewirbelt. In der Bevölkerung wird der Projektvorschlag durchaus kontrovers diskutiert.

Kitzbühel | Auf dem Gries-Parkplatz ein Economy Hotel mit einer dazugehörigen, nicht öffentlichen, eingeschossigen Tiefgarage (80 Stellplätze) sowie diversen Lokalen und Shops im Erdgeschoss; ein öffentliches System-Parkhaus auf den Parkflächen zwischen Finanzamt und Kindergarten samt Verkehrsanbindung zur Bundesstraße über eine neue Brücke; die Schaffung einer verkehrsberuhigten Begegnungszone im Bereich des Kindergartens, die sich insgesamt vom Fischlechnerplatz bis zum Traunsteinerweg erstrecken könnte – all das sieht der Vorschlag für ein Gesamtkonzept vor, das die Kitzbüheler Architekten Michael Egger, Andreas Trentinaglia und Sebastian Mitterer vor etwa drei Wochen öffentlich präsentiert haben – wir haben berichtet. Dem Kitzbüheler Anzeiger stand das Dreiergespann Rede und Antwort.

„Kitzbühel positiv weiterentwickeln“

Warum habt ihr dieses Konzept ausgearbeitet? Habt ihr einen Auftraggeber?
Wir sind weder parteipolitisch motiviert, noch haben wir dazu einen Auftrag erhalten und wir wurden auch von keiner Seite darum gebeten. Unsere Überlegungen basieren auf Eigeninitiative; Städtebau ist ja unser tägliches Geschäft. Als Kitzbüheler sind wir natürlich auch mit den Problemen im Gries bzw. in der Innenstadt vertraut. Unser Wissen als Einheimische haben wir also mit unserer Expertise verknüpft. Daraus ist ein Gesamtkonzept entstanden, das Kitzbühel aus städtebaulicher Sicht positiv weiterentwickeln könnte. Wir haben einen Denkanstoß für eine breite Diskussion geliefert.  

„Innenstadt würde sich vergrößern“

Was war der Ausgangspunkt für eure Überlegungen?
Der Gries hat eine zentrale Lage, Vorder- und Hinterstadt sind von dort fußläufig rasch erreichbar. Aktuell ist der Gries  auf Parken und Durchzugsverkehr reduziert, das ist schade. Es gibt auch leere Geschäftsflächen. Unser Ziel ist daher, im Gries neue Impulse zu setzen und diesen Bereich der Stadt neu zu beleben. Vorder- und Hinterstadt würden davon massiv profitieren. Vor 20 Jahren war im Gries viel los, mit dem Highways und dem Grieserl gab es Lokale für junge Leute. Etwas ähnliches könnte wieder entstehen, etwa im Erdgeschoss des neuen Hotels. Anders gesagt: Ist der Gries belebt, streut das auf die Innenstadt aus. Das Zentrum würde sich nicht mehr nur auf die Innenstadt beschränken, sondern bis in den Gries hinunterreichen.  Beide Zonen würden sich gegenseitig befruchten.   

Kritiker meinen, dass mit einem neuen zentrumsnahen Economy Hotel ein neuer Mitbewerber entstehen würde. Was sagt ihr dazu?
Economy Hotel schließt Lücke im Angebot Wir haben im Vorfeld Gespräche mit Vertretern von Tourismusverband, Bergbahn, Gemeinde, Wirtschaft und sogar mit potenziellen Investoren bzw. Betreibern geführt. Dabei ist herausgekommen, dass in Kitzbühel ein Hotel im niederen Preissegment für urbane, junge und berg-affine Leute fehlt.
Es könnte damit eine Lücke im touristischen Angebot geschlossen werden. Das Economy Hotel würde nur die Unterkunft anbieten, aber keine Infrastruktur, also keine Verpflegung oder Wellness und Spa. Das bedeutet, dass die Gäste auf das gastronomische Angebot in der Stadt zurückgreifen.

Stichwort Parken: Warum ein System-Parkhaus mit 260 Stellplätzen an einem anderen Standort als auf dem Gries-Parkplatz?
Eine Tiefgarage mit vier Geschossen, wie sie schon bei einem früheren Projekt im Gespräch war, ist unvernünftig groß. Aufgrund des Grundwasserspiegels wäre sie mit immensem bautechnischen und finanziellen Aufwand verbunden, sofern sie überhaupt machbar ist. Vermutlich würde sie behördlich gar nicht bewilligt werden. Machbar ist hingegen die Tiefgarage unter dem  Hotel-Gebäude, sie hätte 80 Stellplätze und wäre nur eingeschossig. Ein System-Parkhaus hat hingegen nicht nur den Vorteil, dass es viel billiger ist, es ist auch variabel: Bei Bedarf stockt man es um eine Etage auf. Es könnte auch wieder abgebaut werden. Wir wissen ja jetzt noch nicht, wie sich der Verkehr in den nächsten 30 Jahren entwickeln wird. Ein wichtiger Punkt: Sind die Baukosten billiger, wirkt sich das später natürlich auf die Parktarife aus.

Ihr habt angedacht, den Trendsportplatz auf das Parkhaus-Dach zu verlegen. Habt ihr weitere Ideen dazu?
Das Parkhaus könnte sogar ein architektonisches Highlight werden. Der Trendsportplatz auf dem Dach ist eine ansprechende Variante, verbunden mit einem Pop-Up-Café wäre es top. Sogar Konzerte vor traumhafter Stadtkulisse sind hier vorstellbar. Durch eine begrünte Fassade könnte das Parkhaus hochwertig verkleidet werden. Eine PV-Anlage an der Südseite würde den Strombedarf von 40 Einfamilienhäusern decken.  

Stichwort Verkehrsentlastung durch direkte Anbindung an die Bundesstraße: Kritiker befürchten, dass im Bereich des Kindergartens dadurch noch mehr Verkehr entstehen würde. Was sagt ihr dazu?
Der Verkehr zum Parkhaus würde über die neue Brücke erfolgen, der Individualverkehr würde schon vor dem Kindergarten abgefangen. Beim Kindergarten soll die Begegnungszone beginnen – mit einer Bushaltestelle, damit die Kinder und Schüler sicher und kreuzungsfrei zu den Bildungseinrichtungen gelangen. Für die Eltern haben wir zusätzlich 50 sogenannte Drop-Off-Parkplätze eingeplant, damit sie ihre Kinder bringen und abholen können.

Nur im Schritt-Tempo durch den Gries

Wie definiert ihr in euren Plänen die Begegnungszone?
Der gesamte Gries wäre verkehrsberuhigt, vom Fischlechnerplatz bis zum Traunsteinerweg und vor allem vor dem Kindergarten. Autos dürfen fahren, aber nur in Schrittgeschwindigkeit. Bei einer Entfernung der Gehsteige könnten Flächen begrünt werden, dann entstehen hier Treffpunkte oder kleine Gastgärten. Unsere Vision ist letztendlich die Entstehung einer Flaniermeile. Dafür braucht es aber Eigendynamik, die sich mit der Zeit entwickelt.

Zum Abschluss die wichtigste Frage: Wie soll das alles finanziert werden?
Der Voranschlag für das Gebäude am Gries-Parkplatz – Hotel samt Lokale und Shops sowie eingeschossige Tiefgarage mit 80 Stellplätzen – liegt bei 25 Millionen Euro. Laut Experten ist das für Investoren durchaus attraktiv. Das Parkhaus mit 260 Stellplätzen sowie der hochwertigen Verkleidung und Ausstattung  kommt laut unserer Berechnungen auf 6,5 Millionen Euro. Es könnte privat oder öffentlich finanziert und betrieben werden. Die Stadt Kitzbühel würde über den Baurechtzins Einnahmen lukrieren.  Für Straße und Brücke haben wir vier Millionen Euro kalkuliert. Hier ist die öffentliche Hand gefordert.

Was passiert jetzt mit euren Plänen? Gibt es eine Reaktion aus dem Rathaus?
Wir würden gerne weitermachen, aber der Ball liegt jetzt bei den Politikern. Wir warten jedenfalls ab.
Alexandra Fusser

Bild: Sebastian Mitterer, Andreas Trentinaglia und Michael Egger (von links) wollen der gesamten Innenstadt zu neuen Impulsen verhelfen. Foto: Fusser

 
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