31.05.2022
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Freiheitskämpfer und „Kanonenfischer“

Der umfassende Einsatz  von Josef Pirchl (1822 – 1906) wird immer noch gewürdigt, sein Vater Johann ist vergessen. Zu Unrecht.

Ein Kitzbüheler Heimatforscher hat 1853 dem „gemeinen“ Scharfschützen der Napoleonischen Kriege, Uhrmacher und Mechaniker, noch zu Lebzeiten ein literarisches Denkmal gesetzt.
Tirols Landesverteidigung nebst interessanten Biographien und Skizzen merkwürdiger Tiroler Landesverteidiger (Innsbruck 1853).

Johann Pirchl wurde am 23. Dezember 1780 in Westendorf geboren. Der Vater kaufte 1803 in Rattenberg eine Handlung, die er wegen des Drucks der Blanko-Zettel –  Papiergeld ersetzte die „harte“ Währung -  schon im Jahr 1807 wieder aufgeben musste.
Johann Pirchl zog im Jahr 1796 in seinem 16. Lebensjahr mit der Kompanie des Hauptmanns Gast von Ebbs gegen den Feind. Im Jahr 1797 rückte er mit der Kompanie von Hauptmann Schick von Walchsee nach Südtirol. Diese hatte viele Strapazen und Mühseligkeiten zu ertragen und verlor 39 Mann durch eine ausgebrochene Epidemie. Pirchl selbst war ein halbes Jahr krank. Nach siegreicher Beendigung der Feldzüge erhielt er die silberne Tapferkeitsmedaille.

Vater und Söhne im Freiheitskampf
Pirchl kämpfte in den folgenden Jahren im Oberinntal, im Vinschgau und unter dem Kitzbüheler Milizhauptmann und Stadtschreiber Johann Benno Hörwarter in Windhausen bei Kufstein. Er rückte erst wieder 1809 aus, zuerst zum Thierberg in Kufstein, dann nahm er unter Major Sieberer an der offenen Feldschlacht gegen die bayrisch- französische Armee am 13. Mai 1809 bei Wörgl teil, bei der Feldmarschall-Leutnant Chasteller den überstürzten Rückzug anordnete. Pirchls Vater, 63 Jahre alt, wollte von Ergebung nichts wissen, er wurde halbtot gestochen und aus Rache lebendig begraben.
Johann Pirchl wird als geübter, kraftvoller, kühner, tapferer Scharfschütze geschildert, der, so oft bei gefahrvollen Unternehmungen Freiwillige aufgefordert wurden, stets als einer der ersten sich unter selbe stellte, dem man aber wegen seiner zu großen Kampfeslust und seinem bis zur Wut gesteigerten Bayernhass, kein Kommando übergab.

Vom Tischler zum Uhrmacher
Nach beendetem 7. Feldzug, den er unter dem Kommando von Josef Speckbacher im September 1809 nach Unken mitmachte, begab sich Pirchl, von Profession Tischler, nach Kitzbühel, denn in Rattenberg verloren seine Eltern bei der feindlichen Plünderung all ihre Habe. Schon früher hatte sich Pirchl in seinen Feierstunden mit der Mechanik beschäftigt, es durch Nachdenken und Studium geeigneter Bücher, zu deren Durchlesung er halbe Nächte anwendete, so weit gebracht, dass er 1810 in der Lage war, sich als Uhrmacher hervorzutun. Der königlich-bayrische Landrichter Josef Knittl bemerkte den eisernen Fleiß des talentvollen Johann Pirchl und das Landgericht Kitzbühel verlieh ihm eine Uhrenmacher- Concession.
Pirchl nahm seine gebrechliche alte Mutter und seine drei jüngeren Brüder Josef, Balthasar und Joachim zu sich, lehrte sie die Uhrmacherkunst, bahnte so, während er seine Mutter musterhaft verpflegte, den Brüdern den Weg zu einem anständigen Erwerb...

Die ganze Geschichte findest Du in der aktuellen Printausgabe des Kitzbüheler Anzeiger Kw21-2022. Von Anton Peternader

Bild: Das Gefecht zwischen Bayern und Franzosen und österreichischem Militär und Landesverteidigern am 12. Mai 1809 endete mit der Flucht der zahlenmäßig und waffentechnisch unterlegenen Verteidiger. Johann Pirch und seine beiden Brüder entkamen, der 63 Jahre alte Vater wurde bestialisch ermordet. Der bayrische Genremaler Peter von Heß(1792 – 1871) schuf das Gemälde um 1830 für den Schlachtensaal der Münchener Residenz.

 
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