19.01.2021
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Erst 2022 wird das „Boom-Jahr“

Dass Tirol ein starkes Tourismusland ist, zeigt sich deutlich an den Auswirkungen der Coronapandemie auf die Wirtschaftsdaten des Jahres 2020: Während die Wirtschaftsleistung im Österreichschnitt ein Minus von 7,5 Prozent hinnehmen musste, traf es unser Bundesland mit minus 10 Prozent deutlich härter.

Tirol | Es ist kein Geheimnis, dass Beherbergung und Gastronomie sowie Seilbahnwirtschaft und Handel in Tirol einen starken Stellenwert einnehmen. 40 Prozent der gesamten Tiroler Wertschöpfung  in Höhe von rund 31 Milliarden Euro werden von wirtschaftsbezogenen Dienstleistungen erzielt. Auch die heimische Industrie musste Federn lassen und  verzeichnet ein Minus des Produktionsabsatzes von 6 Prozent. In Zahlen gegossen bedeutet das einen Rückgang von knapp 700 Millionen Euro. Einer der Rettungsanker in der Krise war dabei die starke Bedeutung, die der Pharmaindustrie in Tirol zukommt, wie der Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik und Strategie, Stefan Garbislander, ausführt. Ein Viertel der heimischen Exporte entfällt auf pharmazeutische Erzeugnisse. Wie berichtet bremste die Branche daher auch den Exportrückgang ab, in Tirol beträgt das Minus etwa fünf Prozent, der Österreichschnitt liegt bei minus elf Prozent. 

Die Arbeitslosigkeit werde nur sehr langsam sinken, so die Prognose der Wirtschaftskammer. Im Jahr 2020 betrug sie 8 Prozent, für heuer wird eine Arbeitslosenquote von 7,5 Prozent im Jahresschnitt erwartet. Bedauerlicherweise ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen deutlich gestiegen. Trotz der sozial angespannten Lage sorgt die staatliche Absicherung dafür, dass das Einkommen der Erwerbstätigen nur geringfügig zurückging. Die Sparquote steige stark an, wie es aus der WK Tirol heißt (14,5 Prozent für 2021). Damit ergibt sich auch ein Hoffnungsfenster für die Ankurbelung des privaten Konsums. Dennoch ist mit einer schrittweisen Steigerung der Insolvenzzahlen zu rechnen, diese werden voraussichtlich ab dem 2. Quartal steigen und der „Corona-Effekt“ dürfte sich sogar noch bis 2022 hineinziehen. „2021 ist mit rund 350 Insolvenzen in Tirol zu rechnen“, so die Prognose der WK-Experten. Die offiziellen Insolvenzen sind übrigens das eine – es wird vermutlich aber auch eine erkleckliche Anzahl von Betrieben geben, die einfach keinen Nachfolger haben werden. Diese Entwicklung wird sich vermutlich vor allem in der Gastro- und Hotelbranche durchschlagen.  
Regionalzahlen liegen keine vor, wie Garbislander gegenüber dem Kitzbüheler Anzeiger ausführt, aber der Experte sieht im Bezirk „neben dem Tourismus auch eine starke industrielle Struktur. Der Bezirk ist nicht stärker betroffen als der Durchschnitt. Kitzbühel ist gut aufgestellt, man wird dort durch die Lage relativ stark profitieren, wenn die Grenzen wieder aufgehen.“

Reales Wachstum von 2,0 Prozent erwartet
Das aktuelle Quartal 2021 wird immer noch sehr von der Pandemie gezeichnet sein. WK-Präsident Christoph Walser zeigt es am Tourismus drastisch auf: „Dass wir heuer noch eine wirtschaftlich tragbare Wintersaison zustande bringen, ist unrealistisch.“ Für die Wintersaison 2020/2021 rechnet die WK mit einem Nächtigungsrückgang von 70 Prozent – falls die Pandemie nennenswerte Nächtigungen aus dem Ausland Ende Februar zulässt. Bei diesem Szenario würde sich ein Wertschöpfungsverlust von rund vier Milliarden Euro ergeben. Insgesamt würden damit über 37.000 Vollzeit-Arbeitsplätze in Tirol verloren gehen. Für den Fall, dass die Reisebeschränkungen bis Ende März 2021 andauern werden, ist für die gesamte Wintersaison ein Nächtigungsrückgang von 90 Prozent zu erwarten. Das würde einen Wertschöpfungsverlust von rund 5,2 Milliarden Euro bzw. 48.000 Vollzeit-Arbeitsplätzen bedeuten.
Für heuer wird ein leichtes Wachstum von 2,0 Prozent erwartet, das „Boom-Jahr“, wie es die WK-Experten formulieren, wird dann 2022 sein, gerechnet wird mit 5 Prozent realem Wachstum.
Elisabeth Galehr

Bild: Die Wirtschaft sollte sich 2022 wieder erholen.

 
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