08.01.2023
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Eine Wirtin mit Leib und Seele

„Zufriedene Gelassenheit und entspannte Heiterkeit, das sind die wahren Freunde des Alters.“ Der 1949 von Schriftsteller Gerd Peter Bischoff verfasste Spruch könnte nicht besser auf Marianne Stöckl passen.

Kirchberg | Die 1936 in Brixen geborene, rüstige Seniorwirtin der Bergschenke Krin am gleichnamigen Krinberg in Kirchberg strahlt Ruhe und Demut aus. Fängt die fleißige „Krinerin“ aber zu erzählen an, so offenbaren sich noch weitere Wesenszüge: Sie ist lustig, gesellig und unterhaltsam und erzählt mitreißend, etwa über ihre Kindheit: „Meine Eltern waren mit meinen Geschwistern beim Stockerbauern zu Hause, ich bin bei meinen Tanten und den Großeltern beim Beißlbauern aufgewachsen.“ Bei den Tanten sei es ihr sehr gut ergangen: „Wir mussten arbeiten, meine Aufgabe war das Kühe-Hüten am Nachmittag. Das war schon recht beschwerlich nach der Schule. Aber es war  auch eine liebevolle und fürsorgliche Zeit,“ schwelgt Stöckl in Erinnerungen.

Kellnerin als Wunschberuf
Wie damals üblich, kam sie 17-jährig zunächst als Haus- und Dienstmädchen unter. Gastgewerbeluft schnuppern konnte sie erstmals im Volderwildbad. Die nächste Station war der Gasthof Bräurupp in Mittersill. „Das hat mir getaugt. Dort habe ich alle Kitzbüheler Promis kennengelernt, als sie zum Forellenessen kamen.“
Nach weiteren Stationen in Westendorf und Kitzbühel kam die Kellnerin, die besonders stolz darauf ist, sich alle Bestellungen ohne sie aufzuschreiben gemerkt zu haben, nach Kirchberg. Beim Kalswirt lernte sie ihren späteren Ehemann Hans Stöckl kennen und lieben. Nachdem sich der Nachwuchs eingestellt hatte – zwei Mädchen und ein Bub – wurde die Bergschenke Krin begründet. Ohne Straße und Wasser sowie dem nötigen Kleingeld war das zu Beginn eine sehr harte Zeit. „Als 1979 die Straße gebaut wurde und wir eine eigene Quelle im Wald gegraben hatten, ging es schon besser. Zuerst mussten wir ja alles im Sommer mit dem Traktor, im Winter mit den Pferden hinaufbefördern.“  

„Als Wirtin ist man auch Psychologin“
Als Wirtin war die „Krinerin“ in ihrem Element. Sie kochte, vermietete, bediente und unterhielt die Gäste. „Mein Mann, der Hans, war lieber draußen im Wald beim Holz.“ Auffällig ist, dass Marianne immer in schönstem Hochdeutsch spricht. „Weil mich die Sommerfrischler besser verstanden haben, habe ich mir das so angewöhnt und es ist mir bis heute geblieben.“

Langjährige Mitarbeiter und Stammgäste
Mit den Jahren konnte sich die rührige Wirtin vom Krinberg einen großen Stamm an verlässlichen Mitarbeitern und treuen Gästen aufbauen. In bester Erinnerung ist ihr Walter aus Bayern geblieben. „Der hat mit uns im Frühjahr die Fahne gehisst und im Herbst wieder abmontiert, so oft war der da.“ Auch bei etwaigen Eheproblemen ihrer Gäste versuchte die Wirtin zu vermitteln – fast immer waren ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt. Es sei wichtig, sich für die Menschen zu interessieren. Nicht nur im Beruf, sondern im ganzen Leben, betont Marianne Stöckl.
Noch heute kommen die Stammgäste zur ihr zu Besuch, auch wenn der Betrieb längst von Sohn Hans-Peter übernommen wurde.

Mit der Technik auf Kriegsfuß
Und wie hält sich die rüstige 86-Jährige geistig fit? „Die  Kinder und Enkelkinder halten mich jung.“ Das wichtigste sei, so die Seniorwirtin der Bergschenke, dass sich Jung und Alt, Groß und Klein verstehen. „Ich habe bis heute eine positive Einstellung zum Leben und war nie neidisch. Wir verstehen uns alle gut und der Zusammenhalt innerhalb der Familie gefällt mir. Und ich mag einfach die Leut!“ Nur mit der Technik habe sie nichts am Hut. „Ich habe immer zu meinem Sohn gesagt, wenn diese ‘Kastl‘ zum Bonieren kommen, dann lass ich es.“ Ein Handy für Senioren habe sie sich aber trotzdem zugelegt.

Auf die Frage, ob sie alles noch einmal gleich machen würde, lächelt Marianne Stöckl: „Ich wollte nie Bäuerin werden und schon gar nicht auf dem Berg wohnen. Genau diese zwei Dinge sind es geworden. Trotzdem war ich zufrieden – also kann ich sagen, ich würde alles noch einmal so machen.“

Für die kommenden Jahre wünscht sie sich viele Besucher und „dass die Leut´ nett zueinander sind. Und dass mir der Herrgott noch ein paar schöne Jahre mit meiner Familie schenkt“. Elisabeth Schill

Bild:  Als Wirtin war Marianne Stöckl in ihrem Element. Bis  heute freut sie sich über die Besuche von langjährigen, treuen Stammgästen. Foto: Schill

 
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