09.02.2021
News  
 

Einblick in krisenerprobten Alltag

Seit zehn Monaten hat sich die Arbeitssituation in Pflegeheimen markant verändert. An die FFP2 Masken im Dienst haben sich die meisten schon gewöhnt, an die Sicherheitsmaßnahmen und die daraus resultierende Ruhe im Heim wohl die wenigsten. Einen Einblick in die derzeitige Situation gibt Renate Pali, Heimleiterin in St. Johann und Oberndorf.

St. Johann, Oberndorf | Seit dem Dienstantritt in ihrem neuen Job befindet sich Renate Pali aus St. Johann im Krisenmodus. Sie hat die Heimleitung der Pflegeheime in St. Johann und Oberndorf mit 1. April angetreten. Und alles andere als ein Aprilscherz sind derzeit die Herausforderungen mit denen das gesamte Team konfrontiert ist.
Insgesamt führt sie das Unternehmen mit 111 Mitarbeitern in Pflege, Hauswirtschaft, Reinigung, Haustechnik und Verwaltung in kollegialer Führung mit den Pflegedienstleitern. Geplant hatte Pali ihren Einstieg als Heimleitung nie, seit 1. Oktober 2017 hat sie als Assistenz der Pflegedienstleitung einen Einblick in die Häuser bekommen und dann das Angebot zur Heimleitung angenommen. „Ich bin froh, dass ich nicht gewusst habe, was auf mich zukommt“, erzählt sie rückblickend. Und trotzdem, nach all den Herausforderungen, den immer wieder neuen Auflagen, den unzähligen Aufzeichnungen und dem großen Bürokratismus hat sie den Schritt nicht bereut und fühlt sich bestens auf die Zeit nach der Krise vorbereitet: „Dann können wir endlich wieder die eigentlichen Dinge tun.“

Besonders stolz ist sie in den vergangenen Monaten auf den Zusammenhalt im Team: „Was alle geleistet haben ist einfach unglaublich. Es war immer jeder da und hat mitgeholfen.“
Und doch schwebt das Damoklesschwert über jedem Einzelnen: Die Angst, das Virus ins Haus zu tragen. Im Dezember wurde dies dann zur Realität. Betroffene BewohnerInnen wurden auf eine eigene Station verlegt. Die MitarbeiterInnen meldeten sich freiwillig, auf der Isolierstation Dienst zu machen. „Dort war es herausfordernd zu arbeiten“, erzählt Pali, denn es galt in Schutzausrüstung zu pflegen. Mit Ende des Monats konnte die Station wieder aufgelöst werden. Derzeit sind beide Heime „clean“.

Hoffnung auf Erleichterung
Die ersten Impfungen der Heimbewohner und Mitarbeiter haben bereits stattgefunden und die Resonanz war gut. Rund 75 Prozent der Bewohner wurden geimpft, bei den Mitarbeitern liegt die Quote zwischen 60 und 65 Prozent. Tendenz steigend, wenn erneut geimpft wird. Derzeit wird die zweite Impfung vorbereitet, Nachmeldungen für die erste Impfung sind noch nicht möglich. „Die Bewohner haben es gut weggesteckt, ebenso die Mitarbeiter“, erklärt die Heimleitung. Die Impfbereitschaft ist da, jedoch sind derzeit von Seiten des Bundes keine Erleichterungen für geimpfte Menschen vorgesehen. Eine schnelle Öffnung des Heimes für Besucher ist daher nicht absehbar. „Da muss ich die Hoffnung dämpfen“, sagt Pali.

Besuch nur eingeschränkt möglich
Einmal in der Woche darf ein Angehöriger pro Bewohner zu Besuch kommen. Voraussetzung dafür sind ein negativer Schnelltest sowie das Tragen einer FFP2-Maske, bei Einlass wird Temperatur gemessen und Protokoll geführt. Auswirkungen hat die sensible Situation verschiedene. Viele Bewohner vermissen den Kontakt zu ihren Angehörigen, resignieren und bauen stark ab. Andere sehen es wiederum etwas positiver: „Es ist ja kein Krieg mehr. Es geht schon wieder vorbei.“ In all den Fällen wird mit Maß und Ziel vorgegangen, die Menschlichkeit steht im Vordergrund, um unzumutbaren Härtefällen vorzubeugen“, erklärt Pali.

Aktivitäten im Alltag setzen
Um die Bewohner bei Laune zu halten ist Abwechlsung wichtig. Neben Bingo-Nachmittagen, Geschicklichkeitstrainings, Schönheitsnachmittagen und Turnstunden wird auch die Natur ins Haus geholt: der Schnee wurde in Schaffeln ins Heim gebracht um dort eine Schneeballschlacht zu machen und Schneemänner zu bauen.
Was war in den vergangenen Monaten am Wichtigsten? „In allen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren“, sagt Pali, denn die Krise ist da und diese muss bewältigt werden. Verena Mühlbacher

Bild: Die wöchenlichen Bingo-Nachmittage erfreuen sich bei den Bewohnern großer Beliebtheit. Foto: Pflegeheim

 
Kontakt
Tel.: +43 (0) 5356 6976
Fax: +43 (0) 5356 6976 22
E-Mail: info@kitzanzeiger.at
Virtuelle Tour
Rundblick - Virtual Reality
Werbung
 
Zurück Aktuelle Gemeinde Archiv Suchen