16.07.2021
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Ein Schlusspunkt mit Wehmut

Ein besonderes Schuljahr ist vergangene Woche zu Ende gegangen. Vor großen Veränderungen stehen die Lehrer und Schüler der Allgemeinen Sonderschule in St. Johann, denn die Schule wird vorübergehend stillgelegt. Es warten neue Herausforderungen.

St. Johann | Mit Wehmut nahmen am vergangenen Freitag Schüler und Lehrer der Allgemeinen Sonderschule St. Johann voneinander Abschied. Der Regenbogen, als Zeichen der Vielfalt, bekam dabei eine  besondere Bedeutung. Ein Abschied, der für Lehrer, Schüler und deren Eltern auch einen Neubeginn bedeutet. Bisher konnten Kinder und Jugendliche im Alter von 6-18 Jahren dort ihre Ausbildung machen, wenn sie aufgrund verschiedener kognitiver, sensorischer, physischer und psychischer Beeinträchtigungen und Behinderungen einen sonderpädagogischen Förderbedarf hatten. Nun gilt es neue Wege einzuschlagen. „Es sind alle gut untergebracht. Wir sehen dies als neue Chance“, erklärt Direktorin Gabriele Pertl, die zwei Jahre als Schulleiterin in St. Johann gearbeitet hat und nun 13 Schüler verabschiedete.

Liebe das Leben als Motto für Zukunft
Wie eng man im Laufe der Jahre zusammengewachsen ist, war bei der Zeugnisfeier deutlich zu spüren. Die Hymne „Liebe das Leben“  hat für das gesamte Team eine besondere Bedeutung: „Liebe den Augenblick, alles im Leben hat seine Zeit“, heißt es dort im Liedtext. Daher ist auch nicht verwunderlich, dass ein paar Tränen verdrückt wurden. „Ich bin sehr dankbar für die tolle Zeit,“ erklärte Pertl in ihrer Abschlussrede und bedankte sich auch bei der Unterstützung durch Sponsoren unter anderem beim Vertreterstammtisch, den 6 Serviceclubs sowie der Familie Kitzbichler von Wald am See.
Unterschiedlicher

Unterricht
Die Klassengröße und der Lehrplan im Sonderpädagogischen Zentrum unterscheidet sich stark von anderen Schulen: in der Allgemeinen Sonderschule werden vier bis elf Kindern unterrichtet. Schwerpunkte sind das Erlernen der Kulturtechniken (Schreiben, Lesen, Rechnen) und das lebenspraktische Training. Das vergangene Schuljahr war geprägt von Herausforderungen und Maßnahmen, die sich fast wöchentlich änderten. „Ich bin stolz auf jeden Einzelnen“, sagt Pertl. Der Unterricht wurde von fünf Lehrerinnen und sechs Schulassistentinnen gestaltet, die alle bereits neue Jobs gefunden haben, denn die Gemeinden mussten auf die Schließung reagieren und haben Schulassistenten angestellt. Besondere Schüler sollen so in die Klassen integriert werden. Für die derzeitigen Schüler haben sich unterschiedliche Wege aufgetan: vom Wechsel in die Allgemeinen Sonderschulen nach Hopfgarten und Kufstein, über den Arbeitsbeginn bei Projekten des Diakoniewerks und Aufbauwerk der Jugend bis hin zum Polytechnikum reichen die nächsten Schritte.

Abstimmung fehlt noch
Die letzten Arbeiten an der Schule werden noch abgeschlossen und Inventurlisten geschrieben. Von Seiten der Bildungsdirektion Tirol fehlt aber noch ein wichtiges Detail: der Antrag für die vorübergehende Schließung. „Wir gehen davon aus, dass das Ansuchen kommt“, erklärt Bettina Ellinger, Leiterin Bildungsdirektion Ost.
Zuständig dafür ist die Gemeinde St. Johann. Dies bestätigt auch Bürgermeister Hubert Almberger: „Ich hoffe, dass sich der Beschluss in der nächsten Sitzung ausgeht.“ Weiters betont er auch die Wichtigkeit: „Bei Bedarf kann die Sonderschule sofort wieder aufgesperrt werden.“Verena Mühlbacher

Bild: Wie eng Lehrer und Schüler sind, zeigte sich bei der kleinen Abschlussfeier: Direktorin Gabi Pertl (l.) mit einer Schülerin. Foto: Mühlbacher

Außerdem - Mehr Inklusion gefordert
Wien, Bezirk | Ein „Nicht genügend“ zum Ende des Schuljahres gibt es vom Behindertenrat an das Bildungsministerium, denn noch immer gehen 40% der Kinder mit Behinderungen in die Sonderschule. Kritisiert wird vom Behindertenrat, dass dort der Fokus hautpsächlich auf Pflege- und Therapie liegt. Öffentliche Gelder werden für den Bau neuer solcher Schulen verwendet. „Das ist die falsche Richtung,“ erklären die Initiatoren. Bereits seit Jahrzehnten kritisieren Betroffene und Wissenschaftler das Festhalten an den Sonderschulen. Die von Österreich ratifizierte UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) beinhaltet das Menschenrecht auf ein inklusives Bildungssystem. Alle Kinder müssen die beste Bildung ohne Aussonderung erhalten.

„Es braucht den politischen Willen, um ein inklusives Bildungssystem vom Kindergarten bis zur Universität umzusetzen,“ heißt es in der Aussendung. Eine Petition, um die Gleichstellung voranzutreiben, wurde ins Leben gerufen: www.inklusive-bildung-jetzt.at veh

 
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