28.11.2021
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Ein Gestalter des neuen Dorfes

Der Repräsentant  des Aufstiegs der Bergbau- und Industriegemeinde  wurde einmal als Österreichs „Bürgermeister des Jahres“ gefeiert.

Hochfilzen | Josef Bergmann, der „Sepp“, der  längstamtierende Bürgermeister, der in verschiedenen Aufgaben über 70 Jahre der Dorfgemeinschaft gedient hat, ist im 94. Lebensjahr nach einem erfüllten Leben von der Bürde des Alters erlöst worden. Sein Hochfilzen hat ihn würdig verabschiedet.
Als Bergmann 1992 das Amt des Bürgermeisters zurücklegte, war das Dorf ganz anders als im Jahr 1956, als er seine kommunalpolitische Arbeit als Vizebürgermeister begonnen hatte. Bei der Bürgermeisterwahl 1962 wurde Bergmann im dritten Wahlgang bestellt, er hatte noch keine Mehrheit im Gemeinderat. Bei den nächsten vier Wahlen verfügte der Kandidat der SPÖ über die Mehrheit an Mandaten.

Dorf mit Bergbau und Industrie
Die Arbeit für die Gemeinde  Hochfilzen erforderte eine Neuausrichtung. Es war nicht die übliche Entwicklung, die in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufstiegs in allen Landgemeinden ablief. Von 1957 biss 1960 erfolgte der Aufbau des Magnesitwerks. Nun war Hochfilzen ein Bergbauort, was eine Vielzahl  infrastruktureller Maßnahmen erforderte. Zum Ende seiner Amtszeit ergab sich ein weiteres Standbein, denn der schneereichste Ort Tirols wurde zum Zentrum des Biathlonsports.
Zuerst war die Aufrüstung der Infrastruktur erforderlich: Schule, Kindergarten, Kultur- und Vereinshaus, Wasserversorgung, Kläranlage, Hoferschließung und Siedlungsbau. Eine besondere Notwendigkeit war der Ausbau des Verkehrsnetzes mit Hofzufahrten und einer besseren inneren Verbindung der Pillerseegemeinden, insbesondere der Hochkönigstraße.
Bergmann erkannte die Notwendigkeiten und  bemühte sich verantwortungsbewusst und umsichtig um die anstehenden Aufgaben.

Umfangreiches Gemeinde- Fotoarchiv
Nach dem Rücktritt als Bürgermeister betreute er das akribisch geordnete und beschriftete Gemeinde-Fotoarchiv. Er konnte dabei auf sein reiches Material aus drei Jahrzehnten Bürgermeister- und Fotografentätigkeit zurückgreifen. Für das 450 Seiten starke  „Heimatbuch Hochfilzen – Geschichte und Chronik einer Tiroler Dorfgemeinde“(2016), das sein Amtsnachfolger Dr. Sebastian Eder redigierte, war Bergmann ein unverzichtbarer Mitarbeiter.
Einen ganz besonderen Einsatz leistete Bergmann, als es galt, etwa tausend ausgewanderte Hochfilzenerinnen und Hochfilzener „aufzuspüren“.
In der Frühzeit der modernen Migrantenbewegung wurde Bergmann nach einem ungewöhnlichen Einsatz als  „Österreichs Bürgermeister des Jahres“ gewürdigt.

Viele Auszeichnungen
Die Leistungen des Langzeitbürgermeisters, der auch Vizepräsident des Tiroler Gemeindeverbandes und Delegierter im kommunalpolitischen Ausschuss des Gemeindebundes in Wien war, wurden mit Auszeichnungen bedankt. Im Jahr 1992 wurde er Ehrenbürger der Heimatgemeinde, dort war er auch Ehrenmitglied des Heeressportvereins und des Kameradschaftsvereins. Er erhielt das Goldene Verdienstzeichen der Republik, das Verdienstkreuz des Landes Tirol, den Ehrenring des Tiroler Gemeindeverbandes und höchste Ehrungen der SPÖ in Bund und Land.
Durch seine Erfolge in der Kommunalpolitik und als Vorsitzender des sozialistischen Gemeindeverbandes wäre Bergmann seinerzeit berufen gewesen, die Anliegen der Arbeitnehmerschaft auch im Landtag zu vertreten, aber in Innsbruck verzichtete man auf den beliebten Mann aus der Provinz.

Vom „Junghelfer“ zum „Bahnmeister“
Kaum mehr bekannt ist, dass Bergmanns erste öffentliche Funktion durch sieben Jahre die des Obmann des damaligen Verkehrsvereins war, der in der beginnenden Industrialisierung nicht weitergeführt wurde. Bergmann machte einen zweiten Versuch und war ab 1972 erneut als Obmann des Verkehrsverbandes tätig.
Josef Bergmann entstammte einer Hochfilzener Eisenbahnerfamilie. Nach der Pflichtschule wurde er „bautechnischer Junghelfer“ bei der Reichsbahn, im Jahr 1979 trat er als „Bahnmeister“ in den Ruhestand. Ihm unterstanden zeitweise bis zu 70 Bahnbedienstete zwischen Saalfelden und Wörgl.

Josef Bergmann wird als umsichtiger und tatkräftiger Kommunalpolitiker, der auch aufzeigen konnte, wie man eine vom Wahlvolk übertragene Macht auch ausüben kann, aber auch als verständnisvoller Ansprechpartner und liebenswerter Mann in Erinnerung bleiben. H. W.

Bild: Bei der Vorstellung des Heimatbuches 2016 in Hochfilzen. Die Hauptautoren Alt-Bgm. Josef Bergmann, Hans Arnold, Alt-Bgm. Sebastian Eder, Herwig Pirkl und Johann Edelmaier (von links). Foto: Anzeiger Archiv

 
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