25.01.2021
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Dramatische Situation abgewendet

Vergangene Woche haben sich die Ereignisse in Jochberg überschlagen. Im Mittelpunkt stand dabei Bürgermeister Günter Resch. Ein Gespräch über Interviewanfragen, persönliche Anfeindungen und die erste Erleichterung nach den Testergebnissen.

Wie geht es Ihnen jetzt eine Woche später?
Anfangs war die Lage sehr dramatisch. Der Bezirkshauptmann hat mich am Montag um 18.30 Uhr informiert, dass etwas in Jochberg nicht stimmt und um 20.30 Uhr erneut angerufen um eine Videokonferenz mit dem Gesundheitsministerium und dem Land am nächsten Tag um 8 Uhr früh festzulegen.

Die Ereignisse haben sich ständig verändert, als Auskunftsperson waren Sie als Bürgermeister begehrter Interviewpartner. Was war die Herausforderung?
Der Interviewmarathon. Ich habe 28 Interviews in 24 Stunden gegeben.

„Aus Ischgl nichts gelernt“ oder „Ischgl 2.0“, lauteten die Schlagzeilen in Bezug auf Jochberg. Wie geht man mit diesen Vorwürfen um?
Es tut weh. Die Situation lässt sich überhaupt nicht mit dem Frühjahr in Ischgl vergleichen. Wir hatten jetzt eine ganz andere Herangehensweise, und wir haben das Virus schon gekannt. Das sind zwei Paar Schuhe.

Mit saufenden Briten titelte die Britische Boulevardzeitung „Sun“ zum Verdachtsfall der Coronamutation.
Unglaublich. Dem ersten Anschein nach gab es aber kein Vergehen. Die Ermittlungen laufen noch.

Gab es persönliche Angriffe und Anfeindungen?
Ja, die gab es durchaus. Zweimal wurde ich angerufen und dann gab es noch einige private böse Mails, die zum Teil sehr „tief“ waren. Interessanterweise kam der Großteil aus anderen Bundesländern. Das Kürzeste war: „Lieber Bürgermeister. Gegen Dummheit gibt es keine Impfung“. Die Hauptangriffe gab es wegen der Einreise der Briten. Ich steh aber nicht selbst an der Grenze und hab da keine Einflussnahme.

Wie überrascht waren Sie, dass so viele Jochberger das Testangebot genutzt haben?
Ich war immer wieder vor Ort und im Gespräch kam immer wieder die Dankbarkeit, sich testen zu können, hoch. Außerdem spürte man schon die Angst und Ungewissheit vor dem möglichen neuen Virus.

Nach den ganzen Nachrichten, wann hatten Sie zum ersten Mal das Gefühl, die Situation ist im Griff?
Als ich die hohe Beteiligung beim Testen gesehen hab und am Mittwochabend um 19 Uhr als das Testlokal zugesperrt hat. Bis dahin gab es keinen einzigen positiven Test, in der Endauswertung dann vier.

Ein Fall für die Geschichtsbücher: Aufgrund von Jochberg mussten zwei Slaloms verschoben werden.
Um diese Schlagzeile tut es mir sehr leid. Ich möchte aber festhalten, dass die Jochberger viel dazu beigetragen haben, damit man an diesem Wochenende die Rennen mit ruhigem Gewissen abwickeln kann.

Wie beurteilen Sie im Rückblick die Vorgehensweise der Behörden?
Wir haben sehr gut zusammengearbeitet. Das Land und auch die Bezirkshauptmannschaft waren sehr behilflich. Außerdem hat man gemerkt, dass die erste Maßnahme mit der Quarantäne für die Unterkunft gut geholfen hat. Alle 17 Betroffenen wohnten im gleichen Haus.

Was erwarten Sie sich von den Ermittlungen?
In der Videokonferenz wurde klargemacht, dass mit vollem Ernst ermittelt wird und allen Punkten gründlich nachgegangen wird. Verena Mühlbacher

Bild: Als Krisenmanager der Gemeinde hatte Bürgermeister Günter Resch in der vergangenen Woche viele Herausforderungen zu meistern. Foto:  Monitzer

 
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