05.03.2022
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Die Vision vom „eigenen“ Skigebiet

2022 feiert das Skigebiet Steinplatte in Waidring sein 50-jähriges Bestehen. Dass die Waidringer seit 1972 ein Skigebiet haben, verdanken sie vor allem ihm: Andrä Brandtner.
 
Waidring | „Visionen hat man, oder hat man nicht. Das kann man nicht lernen“, erzählt Andrä Brandtner schmunzelnd. Dass der mittlerweile 93-jährige Waidringer zu den Menschen gehört, die Visionen haben, ist unbestritten. Er hatte erheblichen Einfluss auf das Skierlebnis, wie man es heute kennt.

Immer am Puls der Zeit
Andrä Brandtner ist 1929 in Waidring geboren und aufgewachsen. Seine Mutter war Wirtin, der Vater Holzhändler. „Als ich dann größer geworden bin, hat es zu Hause geheißen, der Junge muss etwas besseres werden. So bin ich ins Gymnasium nach Hall gekommen.“ Nach der Matura haben sein Vater und er gemeinsam beschlossen, eine eigene Holzsäge aufzubauen. „Niemand von uns hat wirklich gewusst, wie das geht. Aber man kann alles lernen“, erinnert sich Brandtner. Schon damals war er bestrebt, sich stets technisch weiterzuentwickeln. „Ich habe immer versucht, die Arbeit einfacher zu machen. Dazu habe ich jede Gelegenheit genutzt.“

Die Vision vom Skigebiet
Als dann Ende der 1960er-Jahre in Söll, Ellmau, St. Johann und Fieberbrunn Skigebiete entstanden, begann Brandtners Herz für den Skisport zu schlagen. „Durch das Naheverhältnis zu meinem Schwager Toni Sailer bin ich viel herumgekommen und habe mir gedacht: Warum sollte Skifahren nicht auch bei uns möglich sein?“ Der große Andrang vor allem bayrischer Tourengeher auf der Steinplatte hat ihn in seiner Idee bestärkt, das Gebiet für den Skisport zu erschließen.  Mit seinem ehemaligen Schulkollegen Richard Larcher und dem Skilehrer Wenzel Pravda holte er sich zwei Freunde als Partner ins Boot. Wenig später stand das erste Konzept: Drei Schlepplifte und der Ausbau der Höhenstraße sollten den Start des Skisports in Waidring einläuten.

„Auf Ihren Namen machen wir das“
Obwohl ein erstes Gutachten des damaligen „Skipapstes“ Wolfgang Friedl aufgrund einer fehlenden Talabfahrt vernichtend ausfiel, hielt Brandtner an seinen Plänen fest. 18 Millionen Schilling kostete das Projekt, er selbst hatte nicht das nötige Kapital. „Der Chef meiner Hausbank hat gesagt: ‚Herr Brandtner, auf Ihren Namen machen wir das.‘ Natürlich war ich da happy.“
Nach Gesprächen mit den Grundstücksbesitzern konnte mit der Arbeit begonnen werden. „Wir hatten weder von Straßenbau noch von einer Geländepräparierung eine Ahnung. Trotzdem haben wir das irgendwie hinbekommen.“

Ein Pionier in jeglicher Hinsicht
In der Saison 1972/73 wurde dann auf der Steinplatte erstmals skigefahren. Seitdem hat sich viel getan, laufend wurde modernisiert. Brandtner selbst war Vorreiter im technischen Fortschritt und hat entschieden an der Verbesserung der Liftanlagen mitgewirkt. Die Förderbänder, die man heute an den Einstiegsstellen der Sessellifte kennt, hat der Waidringer mitentwickelt und erstmals eingesetzt. Auch die künstliche Beschneiung wurde nach einer schneearmen Saison erstmals in der Region auf der Steinplatte eingesetzt. Ein weiterer Meilenstein war der Bau der Gondelbahn im Jahr 1998.

Heute gilt die Steinplatte als eines der modernsten Skigebiete Tirols und ist mit dem Triassic Park auch im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel. Ohne den Mut und die Willenskraft von Andrä Brandtner wäre das wohl nicht so. Der bleibt aber demütig: „Ich habe nie weit in die Zukunft gedacht. Ich wollte einfach anfangen.“ Heute hat er keine Vision mehr für „sein“ Skigebiet: „Die Jugend hat das übernommen.“ Florian Pirnbacher

Bild: Andrä Brandtner (links) mit seinem Sohn Andreas (rechts), seinen drei Enkeln und einem Urenkel. Foto: defrancesco

Außerdem - Zum Nachhören
Pillerseetal | Alle zwei Wochen veröffentlichen Flo & Flö vom Podcast „Auf an Ratscha im Pillerseetal“ ein hörenswertes Gespräch mit einer Pillerseetaler Persönlichkeit. Den ganzen „Ratscha“ mit spannenden Einblicken in das Leben von Andrä Brandtner gibt es ab 3. März um 18 Uhr auf YouTube, Spotify und Co zum Nachhören.

 
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