28.04.2022
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Die Ratlosigkeit macht sich breit

Im Brixental werden heuer keine Schafe auf die Almen getrieben. Die Angst vor Wolfsrissen überwiegt. Unter den Bauern ist die Stimmung getrübt. „Es herrscht Ratlosigkeit“, sagt Bezirkslandwirtschaftskammer-Obmann Josef Fuchs.

Bezirk | Die Sichtungen von Wölfen im Bezirk häufen sich. Mitte März berichtete der Kitzbüheler Anzeiger über zwei Wölfe, welche die Skipiste Ki-West querten. Entlang der Bahnlinie in Westendorf sowie nahe von Siedlungsgebieten wurden die Tiere ebenfalls gesehen.

Schafalmen sind wie ein „Buffet“ für den Wolf
Das natürliche Jagdverhalten des großen Beutegreifers, wie er im Fachjargon genannt wird, hinterlässt Spuren. Die Jäger berichteten von gerissenem Rotwild.
Mit einem „All-you-can-eat-Buffet“ für den Wolf verglich ein Schafbauer seine Almbewirtschaftung letzten Sommer. „Im Brixental wird heuer kein Bauer seine Schafe auf die Alm treiben“, berichtet Josef Fuchs, Obmann der Bezirkslandwirtschaftskammer.

Bauern weichen ins Pinzgau aus
Manche Bauern haben sich einen Platz auf Almen im Pinzgau gesichert. „Es ist ein Glücksspiel. Vielleicht ist es im Pinzgau besser als im Brixental – im Pinzgau wurden zumindest noch keine Wölfe gesichtet“, veranschaulicht Fuchs. Die Stimmung unter den Landwirten beschreibt er als „rat- und hilflos“.

“Es werden die Grenzen des Zumutbaren für die Bevölkerung deutlich überschritten.“ Josef Fuchs

Fuchs fordert ein Einschreiten bei Wölfen, sobald Gefahr droht: „Das Fachkuratorium Bär-Wolf-Luchs muss Entscheidungen treffen, wie es im Brixental mit den Wölfen weiter gehen soll.“

Wölfe nähern sich den Siedlungsgebieten
Besonders, dass sich Wölfe den Siedlungsgebieten nähern bereitet dem Bezirksobmann Sorgen: „Die Grenzen des Zumutbaren werden für die Bevölkerung deutlich überschritten. Der Wolf ist ein Raubtier. Das immer kleinzureden- nach dem Motto ‚der tut ja nix‘ - ist für mich verantwortungslos und gefährlich.“

Wäre eine Besenderung keine Lösung?
Die Grünen fordern, wie in der Ausgabe vom 14. April  des Kitzbüheler Anzeigers berichtet, eine Besenderung von Wölfen. „Das sehe ich skeptisch, denn eine Besenderung bedeutet noch keine Verhaltensänderung. Der Wolf braucht trotzdem noch vier Kilo Fleisch täglich“, sagt Fuchs. Bis spätestens Mitte Juni wollen die Bauern im Bezirk ihre Schafe auf die Alm treiben – sofern sie es noch einmal versuchen. Johanna Monitzer 

Bild: Die Wildkamera nahm Mitte März diesen Wolf bei einer Wildfütterung in Westendorf auf. Er versuchte, sich Nahrung zu sichern und griff einen Hirsch an. Hat der Wolf in unserem besiedelten Gebiet noch Platz? Foto: Gemeinde Hopfgarten

Daten & Fakten - 2021: 14 Wölfe nachgewiesen
Tirol | Die Anzahl der Wolfsnachweise hat sich seit 2019 von zehn, auf 86 im Jahr 2021, fast verneunfacht. Insgesamt wurden im Jahr 2021 in Tirol 14 verschiedene Wölfe identifiziert.

Fast allerorts Nachweise
Bis auf den Bezirk Innsbruck Stadt waren Wölfe in allen Teilen Tirols unterwegs. Erstmals kam es 2021 zu Verkehrsunfällen mit Wölfen: am 9. Juni und am 22. August wurden Tiere auf Autobahnen angefahren.

Für das Jahr 2021 werden Wölfen 293 tote Nutztiere (darunter 290 Schafe), sowie neun verletzte Schafe, eine verletzte Ziege und eine verletzte Kuh, als Verursacher zugeordnet. Somit wurde für das Jahr 2021 die bisher höchste Anzahl an Nutztierschäden durch Wölfe verzeichnet.
Das Land Tirol zahlte den Bauern 147.500 Euro an Entschädigung aus sowie rund 73.000 Euro als Unterstützung von Futterkosten für 2.270 vorzeitig von den Almen abgetriebene Tiere. Quelle: Jahresbericht „Große Beutegreifer“ Land Tirol

 
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