Kitzbüheler Anzeiger
21.03.2021
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Die Kunst ist Nabaas Anker

Flüchtling und Künstlerin – Nabaa Alawam hat mit Anfang 20 schon mehr erlebt, als die meisten von uns. Die Irakerin bereitet sich derzeit auf ihre erste große Ausstellung vor. Die Geschichte einer jungen (Über)Lebenskünstlerin.

Fieberbrunn | Vor über fünf Jahren ist Nabaa Alawam mit ihrer Familie aus dem Irak nach Österreich geflüchtet. Der Kitzbüheler Anzeiger traf die 22-Jährige das erste Mal vor eineinhalb Jahren in Fieberbrunn bei der Aktion Kunstfieber. Im Rückkehrberatungszentrum am Bürglkopf war der Heimleitung ihr Talent aufgefallen. Beim Kunstfieber durfte die zierliche Irakerin mit den strahlenden Augen zusammen mit anderen Künstlern aus der Region ein paar ihrer Bilder präsentieren.
Sehr düster und traurig waren ihre Bilder damals. Nun sind sie ein wenig fröhlicher geworden. Nabaa zeigt mir gleich ihre neuesten Werke, als wir uns wiedersehen. „Meine Bilder spiegeln auch mein Inneres wider“ sagt Nabaa. Ja, die Bilder sind etwas fröhlicher, aber noch immer nachdenklich und gleichzeitig beeindruckend – genauso, wie ich sie in Erinnerung hatte.

Kunstfieber brachte einiges ins Rollen
Hinter der jungen Frau liegt eine schwere Zeit, in der ihr das Malen nicht immer leicht fiel. Das Kunstfieber in Fieberbrunn brachte einiges ins Rollen. Sie wurde damals von Stefan Steinacher für das „Kunstfieber-Radio“ interviewt. „Dieses Gespräch ist wohl bis ins Innenministerium vorgedrungen“, erzählt der Fieberbrunner Vize-Bürgermeister und Kulturreferent Wolfgang Schwaiger. Beim Ministerium war man darüber nicht sonderlich erfreut, besonders weil Nabaa und ihre Mutter die einzigen Frauen am Bürglkopf waren – was nicht unbedingt an die breite Öffentlichkeit kommen sollte. „Meine Mutter hat das Zimmer eigentlich nie verlassen und für mich war es schwierig als junge Frau“, erinnert sich Nabaa.
Wenige Zeit nach dem Interview flatterte der Familie -  Nabaa lebte mit Eltern und ihren Brüdern am Bürglkopf - ein Überstellungs-Bescheid nach Oberösterreich ins Rückkehrberatungszentrum Bad Kreuzen ins Haus.

Umzug in ein Zimmer der Gemeinde
Damals malte Nabaa gerade im Auftrag der Marktgemeinde an einem großem Bild im Rahmen des Projektes „Ankommen“. „Mit einem Teddybären und einem Koffer in der Hand - mehr besaß sie nicht - habe ich sie dann in einer Hau-Ruck-Aktion abgeholt“, erzählt Kulturreferent Wolfgang Schwaiger. Die Marktgemeinde stellte ihr ein kleines Zimmer im ehemaligen Altenwohnheim zur Verfügung. Sie sollte in Fieberbrunn bleiben können.

Trennung von der Familie
Ihre Familie ging nach Bad Kreuzen, Naba blieb alleine zurück. Obwohl, alleine ist sie nicht. Neben Wolfgang Schwaiger, kümmern sich viele Menschen aus Fieberbrunn und regionale Künstler um die junge Frau. „Das Innenministerium war damit nicht einverstanden. So kam, was kommen musste“, erinnert sich Schwaiger an den letzten Sommer zurück.

Im Gefängnis in Haft
Eines Morgens um 6.30 Uhr holten Polizeibeamte Nabaa ab und brachten sie ins Gefängnis Rossauer Lände in Wien. Eigene Handys waren nicht erlaubt. Nabaa gelang es aber, sich die Handy-Nummer von Wolfgang Schwaiger auf dem Arm zu schreiben, so konnte sie ihn informieren.
Dieser setzte alle möglichen Hebel in Bewegung, um Nabaa aus dieser Lage herauszuholen. Bis in höchste Ämter drang er vor. „Wie es dann zur Wende kam, ist mir bis heute noch nicht ganz klar – aber ich bekam einen Anruf vom Innenministerium. Wenn ich umgehend Bestätigungen maile, dass Nabaa eine Wohnmöglichkeit hat und ihr Lebensunterhalt gesichert ist, wird sie aus der Haft entlassen“, so Schwaiger. Bürgermeister Walter Astner übermittelte die Bestätigung über das Zimmer für Nabaa und auch die Sicherung des Lebensunterhalts konnten die Fieberbrunner nachweisen...

...den ganzen Artikel von Nabaas Alawam findest du in der aktuellen Printausgabe Kitzbüheler Anzeiger KW11-2021. Johanna Monitzer
Unterstützungsmöglichkeit für Nabaa Alawam: Kontonummer AT75 3626 3000 0454 0589 (BIC: RZTIAT22263)

Bild: Nabaa Alawam darf nun vorerst in Fieberbrunn leben. Sie bereitet sich auf ihre erste große Ausstellung ab 4. Juni im Jakobskreuz auf der Buchensteinwand vor. Foto: Monitzer

 
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