09.11.2021
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„Die Grünen Möglichkeiten nützen“

Die Klima-Vertragsparteien-Konferenz im schottischen Glasgow bringt den Klima-Wandel und was er für unsere Gesellschaft bedeutet, wieder deutlicher in die Tagesaufmerksamkeit. Wer sich Gedanken über die längerfristige Sicherung von Wohlergehen für uns Alle macht, kommt am Klima-Wandel – auch außerhalb von Tagesaktualität – nicht vorbei.

Es geht um zwei Handlungsstränge:
➤ Mitigation: d.h. Maßnahmen setzen, um die globale Erwärmung unter 1.5 Grad (allerhöchstens 2 Grad) zu halten (Mitigation), weil wir durch die übereinstimmenden Forschungsergebnisse internationaler Wissenschaftler wissen, dass größere Erwärmungen unkontrollierbare Ketten-Reaktionen in Ökosystemen auslösen würden, die zur Folge haben, dass wir auf viele Dienste, die uns die Natur zur Verfügung stellt, nicht mehr zählen könnten.
Das Abschmelzen der Gletscher etwa, vermindert bereits jetzt ihre Fähigkeit, den regionalen Wasserhaushalt  auszugleichen. Ausgedörrte Böden und überwärmte Fisch-Reviere  verringern die Nahrungsmittelsicherheit, bereits jetzt und auch in Ländern der EU. Extreme Wetter-Ereignisse ziehen Überschwemmungen und Erdrutschungen nach sich, die Menschen ihr Zuhause und alle Habe rauben und soziale Ungleichheiten verstärken.     

➤ Adaptation: Maßnahmen setzen, damit die Folgen der bereits stattfindenden Klima-Änderung möglichst sozial verträglich abgefedert werden (Adaptation). Dass die Auswirkungen der Klima-Änderung in Österreich –  in erster Linie wegen der Sensibilität der Bergwelt für klimatische Veränderungen -  bereits besonders deutlich nachweisbar sind, hat ein Bericht der IIASA (International Institute for Applied Systems Analysis, in Laxenburg bei Wien) bereits vor Jahren im „Österr. Sachstandsbericht für Klimawandel 2014“ dargelegt.

Veränderungen nötig
Beide Handlungsstränge sind für uns Menschen wichtig – die Natur wird mit Klima-Veränderungen schon fertig; aber unsere Zivilisation, wie sie uns lieb ist, stellt auf zahllose Vorleistungen der Natur ab, die durch den Klima-Wandel bedroht sind.
Beide Handlungsstränge machen Veränderungen nötig – wie wir essen, wie wir unsere Häuser beleuchten und heizen, unseren Betrieben die benötigte Energie zuführen, unsere Freizeit gestalten, und vieles mehr. Diese Veränderungen erfordern neue Regelwerke, die von der öffentlichen Hand zu leisten sind, und gleichzeitig müssen wir als Einzelpersonen willens sein, alte Verhaltensmuster durch bessere zu ersetzen. Das Klima-Ticket ist ein gutes Beispiel für dieses notwendige Zusammenwirken: Regierung und Parlament haben die Rahmenbedingungen geschaffen; vom Auto auf den Zug umsteigen, wann immer möglich und sinnvoll, ist nun die Verantwortung von uns Allen.

Innovationsfähigkeit
Mitigation und Adaptation stellen hohe Anforderungen an die Innovationsfähigkeit. In einer globalisierten Welt, in der wir – auch mit und hoffentlich bald nach Covid19 – leben, ist Erfolg im internationalen Wettbewerb ganz stark abhängig von Innovationskraft. Es ist kein Zufall, dass ein Schauplatz des technologischen Konkurrenz-Kampfes, den sich China und die USA derzeit liefern, die Klima-Politik ist. Die USA und China – wie auch die EU – haben jeweils für sich festgelegt, dass sie mittelfristig kohlenstoff-neutral wirtschaften wollen. Es gewinnt, wer schneller ressourcensparender wirtschaften kann. Dieser gesellschaftliche Innovationsschub kann – und soll – auch dazu genützt werden, unsere Gesellschaften sozial ausgewogener zu machen, Vielfalt (unabdingbar für Innovation) und Teilhabe Aller zu fördern, und Raum für Kunst und Kultur offenzuhalten.
 
Die EU hat hier die Nase vorn: es ist ihr gelungen, das Wirtschaftswachstum (plus 58 % Wachstum des Bruttonationalproduktes) vom Ressourcen-Verbrauch und damit auch vom Ausstoß an Treibhausgasen (minus 22 % im Treibhausgas-Ausstoß im Zeitraum 1990 bis 2017)  zu entkoppeln. Die „grünen Möglichkeiten“ voll auszuschöpfen ist folgerichtigerweise einer der thematischen Schwerpunkte, den sich das Europäische Forum Alpbach setzt, in der Perspektive der allgemeinen Fragestellung, wie sich das europäische Politik-, Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell auch in die Zukunft hinein sichern und stärken lässt.

Wie funktioniert die Entkoppelung von Wohlergehen und Ressourcen- bzw. Energie-Verbrauch für eine Stadt wie Kitzbühel - kurzfristig, weil die globale Erwärmung dringlich beschränkt werden muss, aber eben auch mit dem hundertjährigen Zeithorizont, den wir uns als „Zukunftsdenker“ setzen?  

Ich würde mich über Reaktionen und Rückmeldungen freuen.
Dr. Irene Giner-Reichl, Kommentare, Fragen, und Beiträge an die E-Mail-Adresse zukunftsgespraeche@kitzbuehel.at

Bild: Dr. Irene Giner-Reichl mit der für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie zuständigen BM Leonore Gewessler in Alpbach. Foto: privat

 
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