28.03.2021
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Die Betriebe suchen Fachkräfte

Es wirkt auf den ersten Blick paradox: Tirol verzeichnet eine Rekordarbeitslosigkeit von 11 Prozent (Vergleichszeitraum 2020: 4,1 Prozent) – aber trotzdem finden viele Tiroler Unternehmen keine Lehrlinge und Fachkräfte.

Bezirk, Tirol | Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Walser: „Trotz Corona-Krise gibt es in den Tiroler Betrieben einen ausgeprägten Lehrlings- und Fachkräftemangel. Beim AMS sind derzeit in Tirol über 2.100 Lehrstellen gemeldet. Das ist für die Betriebe eine große Herausforderung – zugleich aber eine große Chance für die Jugendlichen, ihre Wunsch-Lehrstelle zu bekommen.“ In Tirol befinden sich derzeit 10.350 Lehrlinge in 3.280 Lehrbetrieben in Ausbildung. Walser wirft ein Schlaglicht auf den Tourismus: „„Hotellerie und Gastronomie hoffen auf einen baldigen Neustart und rüsten sich schon jetzt für die Sommersaison und auch für das Durchstarten in der kommenden Wintersaison. “

Lehre ist Chefsache
Lehrlingskoordinator David Narr betont: „In den vergangenen Jahren lässt sich ganz klar beobachten, dass die duale Ausbildung von oberster Stelle in den Betrieben überwacht wird“, erklärt Narr. Die Ausbildung des eigenen Fach- und Führungskräftenachwuchses hat mittlerweile in zahlreichen Tiroler Betrieben Priorität. Das Gütesiegel „Ausgezeichneter Tiroler Lehrbetrieb“ wird inzwischen von 197 Unternehmen geführt, die mehr als ein Viertel aller Lehrlinge ausbilden.
Die Lehre bietet individuelle Möglichkeiten. 700 Tiroler Jugendliche nutzen das Modell Lehre und Matura, 500 haben sich für eine Lehre nach der Matura entschieden. „Die Bandbreite der Lehre ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Mittlerweile kann sich jeder Jugendliche genau den Weg aussuchen, der zu ihm passt“, so David Narr.

Eignung finden auf berufsreise.at
Nach wie vor wird bei vielen Jugendlichen die Weichenstellung für oder gegen eine Lehre dem Zufall überlassen oder mit wenig nachvollziehbaren Kriterien vorgenommen. „Dabei sollte nur eines entscheidend sein: das Talent des jeweiligen Jugendlichen. Ob jemand eher praktische oder eher theoretische Begabungen mitbringt, ist eine reine Typsache“, so der Präsident. Christoph Walser ruft dazu auf, die vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen: Einerseits führt das Bildungsconsulting der WK Tirol fundierte Eignungstests durch, andererseits gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich über den Inhalt verschiedener Berufe zu informieren – von der Plattform berufsreise.at bis hin zu virtuellen Betriebsbesichtigungen auf dem brandneuen Portal berufe-vr.at.

Wirtschaftskammer forciert die Lehre
Die Wirtschaftskammer sieht sich als Unterstützer der Lehre und trägt mit laufenden Kampagnen zur Steigerung des Images bei. „Wir forcieren die Aufwertung des berufspraktischen Bildungsweges und fordern, dass mit der dualen Ausbildung die höchsten Qualifikationsstufen im Nationalen Qualifikationsrahmen erreicht werden können. Es ist bereits vieles in dieser Richtung passiert – das Ziel ist die völlige Gleichwertigkeit mit dem schulisch-akademischen System“, so Walser. Die WK Tirol und ihre Bezirksstellen können auch als Anlaufstelle auf der Suche nach Praktika genutzt werden, so der Präsident.

Bild: „Eine Lehre ist vor allem eines: eine Top-Ausbildung“, erklärt WK-Lehrlingskoordinator David Narr. Foto: WK/Die Fotografen

 
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