12.03.2021
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Dem Sporthandel fehlen die Gäste

Wirtschaftlich gesehen ist der aktuelle Winter für den heimischen Sportfachhandel katastrophal verlaufen. Die Umsatzeinbrüche sind massiv, die Lager voll und die Händler mit Liquiditätsengpässen konfrontiert.

Kitzbühel, Waidring | Lockdown 2 im Vorwinter, Lockdown 3 von Weihnachten bis 8. Februar, eine ganze Wintersaison ohne Skitouristen. Und zum Drüberstreuen auch noch eine Testpflicht auf den Tiroler Pisten, was sich auf die Skiläufer nicht unbedingt animierend auswirkt. Kurzum: ein Horrorszenario für alle Sportfachhändler im Bezirk. „Es hätte nicht schlimmer kommen können“, bestätigt Andreas Kienpointner, der in Waidring zwei Intersport-Fachgeschäfte betreibt,  auf Anfrage des Kitzbüheler Anzeigers.

„Totalausfall im Skiverleih“
In den Tourismusgebieten sind Sportartikelhändler fast ausschließlich familiengeführte klein- und mittelständische Unternehmen, die ihr Angebot auf die Bedürfnisse des Urlaubsgastes ausgerichtet haben. Der Wegfall einer ganzen Saison hat der Branche im heurigen Winter deshalb massive Umsatzeinbrüche beschert, teilweise bis zu 90 Prozent und mehr, wie die Kitzbüheler Unternehmerin Katrin Schlechter (Intersport Kitzsport) konkretisiert.
Rund 70 Prozent des Jahresumsatzes werden von den touristischen Sporthändlern  im Winter durch Auslandsurlauber erzielt - der Februar ist dabei der umsatzstärkste Monat. Bei Kienpointner Waidring  macht  allein ein Drittel davon der Verleih samt Serviceleistungen aus. Mangels Skiurlaubern spricht der Waidringer Unternehmer hier sogar von einem Totalausfall. „Im Februar 2020 haben wir 7.500 Verleihvorgänge - also Personen, die bei uns Ski oder Schuhe leihen - verzeichnet. Im Februar 2021 waren es lediglich 60.“

„Winter-Ware ist bezahlt, aber nicht verkauft“
Ähnliches berichtet Katrin Schlechter, die in Kitzbühel und Kirchberg acht Intersport-Kitzsport-Filialen betreibt, derzeit aber nur vier Geschäfte offenhält. „Der Verkauf von Touren- und Langlaufausrüstungen war gut“, schildert  die Unternehmerin, allerdings sei dies nur ein kleiner Teil des Gesamtumsatzes.
Die größten Sorgen bereitet den Händlern das Ski-Alpin-Sortiment, auf dem sie aufgrund der fehlenden Urlauber sitzengeblieben sind. Ski, Skischuhe, Stöcke, Helme, Brillen und Skibekleidung stapeln sich trotz der Öffnung des Handels (8. Februar) auch noch Anfang  März in den Geschäften. Dabei handelt es sich durchwegs um Ware, die schon vor dem ersten Lockdown geordert und im Vorjahr finanziert werden musste. „Wir räumen jetzt Ware im Einkaufswert von 500.000 Euro in den Keller, um Platz für die Frühjahrs- und Sommerkollektionen zu machen“, beschreibt Andreas Kienpointner. Oder wie es Katrin Schlechter formuliert: „Wir bekommen jetzt die Sommerware, die wir bereits bezahlt haben, obwohl wir im Winter keinen Umsatz gemacht haben.“

Darlehen zur Überbrückung
Liquiditätsengpässe sind bei einem Großteil der Händler die Folge. „Ohne die Aufnahme von Krediten und den Zugriff auf Rücklagen wird es in der Branche vermutlich niemand schaffen, den Betrieb  aufrecht zu erhalten“, sagen Schlechter und Kienpointner.
Und was den Online-Handel oder „Click & Collect“ während der Lockdowns betrifft: Diese seien nur Tropfen aus dem heißen Stein. Die Umsatzeinbußen könnten dadurch nicht kompensiert werden. Auch nicht durch saftige Rabatte auf die Winterware.  Katrin Schlechter: „Der heurige Winter ist ohnehin gelaufen. Wer kauft sich schon einen neuen Ski, wenn er vor dem Skifahren zum Corona-Test muss?“  

Trotzdem bleiben die Sporthändler „vorsichtig optimistisch“. Sie hoffen in den nächsten Wochen vor allem auf die notwendige Planungssicherheit und auf die versprochenen Hilfen seitens der Regierung, aber auch auf den ungebrochenen Bewegungsdrang der heimischen Kundschaft im Frühjahr/Sommer.   
Klaus Lackner, in der WKO Tirol stellvertretender Gremialobmann für Handel, Mode und Freizeit, weiß nur zu gut um Nöte im heimischen Sportfachhandel. Er berichtet aber auch von einer „überraschend“ positiven Grundstimmung, die er unter Händlern kürzlich auf der Salzburger Schuhmesse erfahren hat. „Jeder hofft, dass er die nächsten Monate übertauchen  kann und dass die Kehrtwende, verbunden mit der Corona-Impfung, spätestens im Sommer eintreten wird.“ Alexandra Fusser

Bild: Hohe Lagerbestände und massive Umsatzeinbrüche aufgrund der fehlenden Skiurlauber: Der touristisch orientierte, heimische Sportfachhandel leidet in diesem Winter schwer an den Auswirkungen der Pandemie. Foto: bobskinners.com

 
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