20.12.2022
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Bis 2040 fehlen 30.000 Mitarbeiter

Das Scheitern der Arbeitsmarktreform und der deutsche Vorstoß zur Fachkräftezuwanderung verschärfen die Lage für Mitarbeiter und Betriebe. Von der Bundesregierung wird dringendes Gegensteuern gefordert.

Bezirk | Tirols Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser richtete dazu einen dringenden Appell an die Politik: „Die Lage am Arbeitsmarkt ist dramatisch, die aktuelle Situation ist eine riesige Belastung für die Betriebe und vor allem auch für deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, und führte weiter aus: “Weil überall Arbeitskollegen fehlen, müssen einige  diese die Mehrbelastung abfedern. Das ist auf Dauer nicht zumutbar.“
In Tirol besteht derzeit eine Lücke von rund 25.000 Mitarbeitern. Aufgrund der demografischen Entwicklung, wird sich diese in den kommenden Jahren verstärken. Weiters verschärft werde die Situation durch das Scheitern der Arbeitsmarktreform seitens der Bundesregierung und durch die Offensive Deutschlands bei der Fachkräftezuwanderung. „Das bringt unseren Standort weiter ins Hintertreffen. Daher braucht es dringend kurz- und mittelfristige Maßnahmen, um die heimischen Betriebe wettbewerbsfähig zu halten“, fordert Walser.

Kurzfristig geforderte Maßnahmen
Die erste geforderte Maßnahme liegt im Bereich der steuerbegünstigten Überstunden. „Wir müssen die aktuelle Regelung zumindest verdoppeln und 20 Überstunden steuerbegünstigt machen. Mehrleistung muss sich lohnen“, erklärt der WK-Präsident.
Weiters soll das Arbeiten für Pensionisten attraktiver werden. „Viele Pensionisten, aber auch ganz normal berufstätige Menschen, sind bereit, als Aushilfen oder in Form eines Nebenjobs in unserer Branche zu arbeiten. Bedingt durch unser Steuer- und Pensionssystem, lohnt sich dieses Mehrengagement in vielen Fällen aber nicht“, so Michael Grander, selbst Hotelier und Fachgruppenobmann-Stv. der Sparte Gastronomie der WK Tirol. Er ergänzt: „Hier brauchen wir einen Paradigmenwechsel in der politischen Denkweise.“

„In der Regelpension sollten keine Sozialversicherungs-Beiträge, insbesondere keine zur Pensionsversicherung, anfallen. Darüber hinaus sind zusätzliche Anreize für steuerliche Begünstigungen zu prüfen“, fordert Christoph Walser.
Ebenfalls in die Kategorie Soforthilfe fällt die Erhöhung des Saisonnierskontingents. Die Rot-Weiß-Rot-Karte für Stammsaisonniers greift frühestens in einem Jahr. „Daher braucht es jetzt speziell im Westen eine Erhöhung des derzeitigen Kontingents von 700 Personen um zusätzliche 1.500 Personen“, so der WK-Präsident.

Mittel- und langfristiges Handeln erforderlich
Bis zum Jahr 2040 fehlen in Tirol 30.000 Personen im erwerbsfähigen Alter. Wichtig ist daher die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ein flächendeckendes und ganztägiges Kinderbetreuungsangebot ist Basis, damit Mütter rasch wieder in den Arbeitsprozess einsteigen können. „Aus touristischer Sicht darf dieses Betreuungsangebot aber nicht nur Montag bis Freitag und ‚nine to five` gedacht werden, sondern umfasst auch Wochenenden, Feiertage und Tagesrandzeiten“, so Hotelier Grander.

Im Bereich der qualifizierten Zuwanderung braucht es dringend mutige Entscheidungen. Einerseits geht es darum, das Arbeitgeberland Tirol über die Grenzen hinaus zu bewerben. Andererseits muss die Rot-Weiß-Rot-Karte überarbeitet werden.
„Wollen wir unseren Wohlstand im Land erhalten, werden wir um einen Zuzug von Menschen aus dem Ausland nicht herumkommen“, meinte Grander dazu. KA/ahoy

Bild: Auch in der Gastronomie und Hotellerie ist der Arbeitskräftemangel überall präsent. Foto: stock.adobe.com

 
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