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Kitzbüheler Anzeiger
23.04.2021
News  
 

Anleger finanzieren die Revitalisierung

Mit einem Anlagemodell will Kirchbergs Spitzen-Gastronom Simon Taxacher den Taxacherhof samt einem Neubau in ein Hotel der Kategorie 4S verwandeln. Dieses Vorhaben sorgte im Gemeinderat für viel Diskussionsstoff. Am Ende stimmte eine knappe Mehrheit von 9 Ja-Stimmen zu 8 Nein-Stimmen für das Vorhaben.

Kirchberg | Über die Zukunft eines Traditionsbetriebes hatte der Kirchberger Gemeinderat in seiner Sitzung vom 13. April zu entscheiden. Haubenkoch Simon Taxacher möchte das 1971 errichtete Drei-Sterne-Hotel in ein Vier-Sterne-Superior-Hotel verwandeln und mit einem Zubau eine wirtschaftlich sinnvolle Größe erreichen. „Wollte ich das schnelle Geld machen, so könnte ich den Taxacher Hof einfach verkaufen“, erzählt der Gourmet-Koch dem Kitzbüheler Anzeiger. Taxacher wählte aber einen anderen Weg, will einen touristischen Leitbetrieb mit 190 Betten in seiner Heimatgemeinde schaffen.

Umfangreiches Vertragswerk
Eine Entscheidung, die in Kirchberg begrüßt wird, jedoch haderten einige Gemeinderäte mit der geplanten Finanzierung des Vorhabens. Bürgermeister Helmut Berger informierte den Gemeinderat über das Vorhaben, die Raumordnungs-, Widmungs- und Betreiberverträge sowie das Anlegermodell, das eine Parfizierung vorsieht. Dabei schrillten bei den Gemeinderäten die Alarmglocken – Bedenken über die Schaffung von Freizeitwohnsitzen kamen auf. Zudem sahen einige Gemeinderäte noch Gesprächsbedarf. Während sich Josef Moser (Unser Kirchberg) dafür interessierte, wer die Investoren sind und woher sie kommen, sprach sich Wolfgang Haller für eine Standardauflage für alle touristischen Betriebe bei Investoren aus und wünschte sich eine Klärung seitens des Landes Tirol, ob ein derartiges Anlegermodell gesetzlich ist. Franz Heim (Unser Kirchberg) regte an, den Gestaltungsbeirat hinzuzuziehen und hinterfragte, ob der westliche Zubau (Richtung Gaisberg) so massiv sein muss. „Es wurde viel und schnell diskutiert, aber es ist ein komplexes Thema, das noch Gesprächsbedarf hat. Der Betreibervertrag und der Raumordnungsvertrag mit der Gemeinde sollen die reine touristische Nutzung sicherstellen. In diesen Verträgen sind Pönalen und Strafzahlungen vorgesehen, das braucht aber auch Kontrolle“, sagt Heim.

Eine Brandrede für das Vorhaben von Taxacher hielt Christian Simair (Dei Hoamat), der vor kalten Betten in Wohnungen warnte: „Wir brauchen solche touristische Leitbetriebe und wir brauchen warme Qualitätsbetten“, appellierte Simair. LAbg.in Claudia Hagsteiner (SPÖ) sieht viele Betriebe vor dem Aus, unterstrich die Bedeutung des Tourismus für die Region, jedoch sind Investorenmodelle mit einer derartigen vertraglichen Absicherung für Gemeinden möglich, damit Tourismusbetriebe erhalten bleiben.
Bevor der Gemeinderat Hubert Rauch (Steuerberater von Simon Taxacher) das Wort erteilte, rief Bürgermeister Helmut Berger in Erinnerung, dass das Thema sehr wohl im Vorfeld bereits intensiv behandelt wurde. „Es waren alle Fraktionsvertreter vor Ort und haben sich das Vorhaben genau erklären lassen. Es wurde auch signalisiert, dass ein Auflagebeschluss zustande kommen könnte“, sagte Berger.

Finanzierung von Neubau und Revitalisierung
Für die Finanzierung der gesamten Um- und Neubauten fand Simon Taxacher mit Stefan Rohrmoser einen erfahrenen Partner. Rohrmoser ist mit diesem Anlagemodell seit 20 Jahren in zwölf Betrieben erfolgreich. „Bis dato wurden die Investitionen immer verlängert. Sollte es zu einem Verkauf kommen, so ist die Rechtsnachfolge bindend“, erzählt Stefan Rohrmoser. Dadurch können keine Zweitwohnsitze geschaffen werden. Die Anleger haben keine Ansprüche auf die Appartements, die Parifizierung und Grundbucheintragung dient rein der Sicherstellung. Rohrmoser, der Betreiber der AlpenParks, versichert auch, dass die Anleger keine Nutzungsrechte für die Appartements haben. „Es werden keine Zähler in den Einheiten eingebaut, noch erhalten die Anleger einen Schlüssel. Der Anleger kauft das Appartement und vermietet dies zu 100 Prozent an den Betreiber zurück. Zudem gibt es ein Zehn-Punkte-Programm für die Absicherung“, sagt Rohrmoser.

Für den Verkauf stehen nur Einheiten im Neubau zur Verfügung. „Wir werden nur so viel verkaufen, wie wir für die Finanzierung brauchen“, sagt Taxacher, der gemeinsam mit Rohrmoser 51 Prozent halten wird. Die Anleger erhalten für ihre Investition eine Gewinnbeteiligung an der Vermietung, die prozentual aufgeteilt ist. Es wird jedoch auch eine Instandhaltungsrücklage einbehalten.

Harte Strafen bei Nichteinhaltung
Die Appartements sind ausschließlich für die kurzfristige, touristische Nutzung bestimmt. Sollte es zu einer Zweckentfremdung kommen, hat sich die Gemeinde Kirchberg abgesichert. Pro Bett und Woche ist eine Pönale von 2.000 Euro zu bezahlen, wobei zudem eine Beweislastumkehr eingefügt wurde.
Für Simon Taxacher war es schwierig, einen Mix aus einem Fünf- und Drei-Sterne-Haus zu betreiben. Mit der Revitalisierung des Taxacher Hofes zu einem Vier-Sterne-Superior-Hotel ist der Kategorien-Sprung künftig geringer. Im neuen Konzept, das Taxacher als Ganzjahresbetrieb führen will, wird hohe Qualität ohne Halbpension geboten. „Es gibt Überlegungen, neben den beiden bestehenden Restaurants noch ein drittes zu schaffen, das ebenso ein Top-Niveau anbietet, damit der Gast aus einer größeren Vielfalt wählen kann“, erzählt Taxacher. Mit dem neuen Betrieb will Simon Taxacher voll durchstarten und sich die zahlreichen Auszeichnungen in Form von Hauben wieder holen. Dabei kann er auf sein Stammpersonal bauen.
Der Start der Bauarbeiten ist für März 2022 geplant, sämtliche Arbeiten sollten bis Sommer 2023 fertiggestellt werden. Elisabeth M. Pöll

Bild: 1971 wurde das Drei-Sterne-Haus Taxacher Hof gebaut. Nun soll es revitalisiert werden und anschließend den Gästen den Komfort eines Vier-Sterne-Superior-Hotels bieten. Fotos: Pöll

 
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