02.02.2021
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Alarmglocken beim Großhandel

Zum Abwarten verdammt, bei Corona-Hilfen vergessen und auf viel Ware sitzen die Zulieferbetriebe und der Lebensmittelgroßhandel. Der fehlende Tourismus macht dieser Branche enorm zu schaffen.

Kitzbühel, Kirchdorf | Positiv hat man beim Lebensmittelgroßhandel Sinnesberger in die Wintersaison geblickt. Zu positiv, wie sich jetzt herausstellt. Gerechnet hat man damals mit einem Umsatzrückgang von 50 Prozent, derzeit ist das Minus noch viel größer. Die Zuversicht ist seit einer Woche gewichen, Grund dafür ist die Verlängerung des Lockdowns sowie die Reisewarnungen in anderen EU-Ländern für Österreich.
Die Folgen sind nun deutlich spürbar: „Alle Mitarbeiter müssen mit Februar in Kurzarbeit,“ erklärt Chef Franz Sinnesberger. Insgesamt zählt das Kirchdorfer Unternehmen 160 Mitarbeiter, 80 Prozent davon arbeiten in der Auslieferung. Und dieser Geschäftszweig steht momentan komplett. Oder wie es Metzgermeister Josef Huber, Seniorchef in Kitzbühel, nennt: „Der Umsatz mit der Gastronomie ist tot.“ Rund 60 Prozent des Umsatzes macht das Familienunternehmen mit der Hotellerie. Obwohl viele Take-Away Gerichte anbieten, ist dies nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: „Man muss mit allem zufrieden sein“, erklärt der Seniorchef.

Schnelle Öffnung ist unrealistisch
Würden alle Hotels in einer Woche öffnen, dann könnte der Lebensmittelgroßhandel so schnell gar nicht reagieren. „Wir brauchen eine Vorlaufzeit von 3-4 Wochen“, sagt Sinnesberger, da die Bestellungen erst bei der Industrie in Auftrag gegeben werden müssen. Die Unternehmer sind sich einig, mit einer schnellen Öffnung vor Ostern rechnet keiner mehr.
Obwohl man diesen Winter vorsichtig kalkuliert hat, gibt es doch eine Vielzahl an Saisonware, die nun ein Ablaufdatum hat. „Vergleichen kann man dies mit der Mode. Einen Germknödel isst man im Winter, aber nicht im Sommer“, sagt Sinnesberger. Auch der Abverkauf von den Großpackungen beispielsweise 5kg Pommes gestaltet sich schwierig. Bei den Familien fehlt der nötige Platz im Gefrierschrank.

Gut gefülltes Kühllager
Auf ein gut gefülltes Kühllager verweist auch Josef Huber, Seniorchef der Metzgerei Huber in Kitzbühel. „Bei uns sind Waren im Wert von 500.000 Euro eingefroren“, erklärt er. Warum? „Wir stehen zu unserer Verantwortung und nehmen den Bauern die Kälber ab“, sagt der Seniorchef. Trotz der Krise gibt es auch Positives zu berichten: Das Metzgereigeschäft in Kitzbühel sowie die drei Theken bei den Lebensmittelmärkten laufen gut, enorme Zuwächse verzeichnet man beim Export von Bio-Fleisch-Produkten nach Deutschland. Aber trotz allem: 60 Prozent des Umsatzes wird mit der Gastronomie gemacht: Insgesamt zählt das Unternehmen 65 Mitarbeiter, ein Teil der Produktion ist derzeit in Kurzarbeit.

Obwohl unterschiedliche Sparten, die Probleme sind immer die gleichen. „Du kannst dich schwer auf die Saison vorbereiten“, erklärt Günther Huber, Chef der gleichnamigen Brauerei in St. Johann. Man befindet sich immer im Zwiespalt zwischen Angebot und Nachfrage: „Im ersten Lockdown haben wir weniger gebraut und dann hatten wir im Sommer Engpässe beim Bier. Jetzt werden wir voraussichtlich einen Teil wegschütten müssen“, sagt der Firmenchef.
Der Unterschied zum ersten Lockdown und zur Wintersaison ist auch bei Franz Sinesberger klar: „Damals war es eine richtige Watschn. Wir hatten die Lager voll. Diesen Winter haben wir nun vorsichtiger kalkuliert.“ Und doch sind Hilfen für die Branchen dringend notwendig.

Offener Brief an die Regierung
Mit einem offenen Brief des Lebensmittel-Großhandels, der sch als Hilferuf an die Regierung liest wurde mit 20. Jänner die Situation erneut kundgetan. Angeprangert wird darin die fehlende Planbarkeit: „Die Lage wird von Tag zu Tag dramatischer. Bereits im Dezember wurde ein Umsatzersattz für indirekt betroffene Betriebe angekündigt, jedoch noch immer nicht final beschlossen.“Es ist einige Sekungen vor Zwölf“, heißt es in dem Schreiben der Witschaftskammer Tirol Sparte Handel.

Ein Wunsch kommt aus allen Gesprächen mit den Unternehmern heraus: Klare Richtlinien, damit wir besser planen können.“ Verena Mühlbacher

Bild: Auf Germknödel, Schnitzel und Bier will kein Skifahrer im Winter verzichten. Dabei ist der Germknödel eine typische Saisonware, im Sommer ist dieses Essen nicht mehr gefragt. Foto: Archiv

 
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