Kitzbüheler Anzeiger
16.01.2022
News  
 

Ärzte operierten wie am Fließband

Die Unfallchirurgen des Bezirkskrankenhauses standen während der Weihnachtstage nahezu Tag und Nacht am OP-Tisch. Der Personalmangel macht sich auch hier bemerkbar.

St. Johann | Anfang der Woche wurde es an der Unfallchirurgie des Bezirkskrankenhauses St. Johann (BKH) wieder ruhiger, wie Primar Alexander Brunner erklärt. Vor rund einem Jahr hat der Unfallchirurg und Orthopäde die gemeinsame Abteilung „Orthopädie und Traumatologie“ übernommen. Mit insgesamt 86 Betten steht Brunner der zweitgrößten orthopädisch-traumatologischen Abteilung Tirols vor. 23 Ärzte arbeiten in der Abteilung.  

Wintersportler belegten die Betten
Wenn auch die Corona-Pandemie nach wie vor im BKH die Hauptrolle spielt, waren es in den vergangenen drei Wochen vor allem verletzte Wintersportler, die die Betten im Krankenhaus belegten. Mit Mitte letzter Woche mussten im BKH gerade zwei Corona-Patienten behandelt werden. Allerdings gaben sich dafür die Patienten auf der Unfallchirurgie buchstäblich die Klinke in die Hand.

1.259 Patienten
Im Vorjahr wurden zwischen 26. Dezember und dem Dreikönigstag 789 Patienten behandelt, heuer waren es im selben Zeitraum 1.259 Patienten, die sich auf Piste, Loipe oder Rodelbahn verletzten. „Im Vergleich zum Jahr 2019, damals waren es 1.455 Patienten, sind es nach wie vor um 15 Prozent weniger als vor Corona“, klärt der Primar auf.
Trotzdem standen die Ärzte Tag und Nacht an den OP-Tischen, um alle Patienten zu versorgen. „Ich kann im Brustton der Überzeugung sagen, dass wir unserem Anspruch gerecht wurden und alle Patienten hochwertig versorgt haben“, betont Brunner. Und das trotz aller Probleme, denn der Pflegenotstand macht auch vor der „Orthopädie und Traumatologie“ nicht Halt.

Pfleger gesucht
Während die Ärzteschaft gut aufgestellt ist, schaut es beim Pflegepersonal nämlich düster aus. Zwei Jahre Coronapandemie haben ihren Tribut gefordert, und nicht nur die St. Johanner kämpfen mit akutem Pflegermangel, auch in anderen Tiroler Spitälern fehlt Personal. Viele Pfleger sind in andere Berufe abgewandert. Der erste Absolventenjahrgang der benachbarten Pflegeschule „Medicubus“ wird daher auch schon sehnsüchtig erwartet.

Statt zwei OP-Sälen nur einer zur Verfügung
„Für uns hieß das, dass wir mit weniger OP-Ressourcen arbeiten mussten. Statt zweier OP-Säle, stand uns nur einer zur Verfügung“, betont der Unfallchirurg. Im Jänner werde die Situation aber wieder besser.
„Wir haben, wo es möglich war, Operationen verschoben“, sagt der Primar. Auf neue Hüften oder Knie müssen die Patienten derzeit warten. Operiert wird nur im Akutfall, bedauert Brunner und beruhigt: „Wenn jemand solche Schmerzen hat, dass er nicht mehr gehen kann, dann operieren wir natürlich sofort.“

Verletzungsmuster
Die Verletzungsmuster der verunfallten Wintersportler sind übrigens ganz unterschiedlich. Während der Feiertage, als die Pisten noch weich waren, galt es eher Kreuzbandrisse und ähnliche Verletzungen zu versorgen, Snowboarder landeten meist mit Handelgelenks- und Schlüsselbeinbrüchen im Gipsraum.
Nach der Warmwetterphase, als die Pisten dann härter wurden gehörten Schienbeinbrüche und ähnliches zu den Standartverletzungen. Auch kam es immer wieder zur Gehirnerschütterungen.  Primar Brunner hat auch die Erfahrung gemacht, dass Wirbelsäulenverletzungen bei Kindern unter zehn Jahren, dank ihrer weichen Knochen, eher seltener vorkommen.

Dass es aufgrund der während des Lockdowns im Vorjahr verordneten „Skipause“ heuer zu mehr und schwereren Verletzungen kommt, konnte Brunner nicht beobachten. Weniger Alkohol-Unfällle gab es aufgrund der früheren Sperrstunde hingegen schon.  „Da heuer die Pisten auch voller sind, können die Leute auch nicht so Gas geben“ sagt der Unfallchirurg. Und noch etwas hat Brunner beobachtet: „Der einheimische Wintersportler tut sich zwar nicht oft weh, wenn aber, dann verletzt er sich meist schwer.“
Der Arzt ist jedenfalls froh, dass es derzeit im BKH wieder etwas ruhiger wird. Bevor es dann in den Semesterferien wieder so richtig rund geht. Margret Klausner

Bild: Zwischen 26. Dezember und dem Dreikönigstag wurden 1.259 verletzte Wintersportler im BKH behandelt. Foto: BKH

 
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